Politik

Iran-Israel-Konflikt eskaliert: Steht ein umfassender Krieg bevor?

Der Iran-Israel-Konflikt verschärft sich dramatisch. Nach Israels Angriff auf Atomanlagen reagiert Teheran. Im jahrelangen Streit um das iranische Atomprogramm setzten Teheran und Washington zuletzt auf Diplomatie. Doch jetzt startet Israel Angriffe, und der Iran reagiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Eskalation im Iran-Israel-Konflikt.
13.06.2025 10:25
Lesezeit: 3 min

Warum hat Israel den Angriff gestartet?

Seit Israels umfassendem Angriff auf Irans Atomanlagen ist die Lage in Nahost so angespannt wie nie. Der Iran hat laut israelischen Angaben bereits mit Drohnenangriffen reagiert.

Israels Präsident Izchak Herzog bezeichnete den Angriff als Antwort auf eine existentielle Bedrohung des jüdischen Volkes. Armeesprecher Effie Defrin erklärte, man habe Hinweise erhalten, dass der Iran "erhebliche Fortschritte in Richtung nuklearer Fähigkeiten gemacht" habe. "Das iranische Regime galoppiert in Richtung einer Atombombe", sagte er. Teheran weist solche Vorwürfe zurück. Defrin betonte, nachrichtendienstliche Informationen hätten ein geheimes Programm belegt. Daran seien iranische Atomexperten beteiligt, die konkrete Tests durchgeführt hätten. Er sprach von einem "eindeutigen Beweis dafür, dass das iranische Regime nach dem Bau einer Atombombe in nächster Zeit" strebe.

Ein weiterer Grund für den Zeitpunkt des Angriffs im Iran-Israel-Konflikt dürfte die Schwächung der iranischen "Achse des Widerstands" sein. Nach über 20 Monaten Gaza-Krieg ist die Hamas stark geschwächt, auch die libanesische Hisbollah. Syrien ist seit dem Regimewechsel kaum noch ein Transitland für iranische Waffen. Zudem wurde Irans Luftabwehr nach einem israelischen Angriff im Vorjahr beschädigt.

Beachtung fand in Israel auch die Resolution des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Diese stellte fest, dass der Iran seinen rechtlichen Pflichten zur Kooperation mit der IAEA nicht nachkommt. In Israel sah man das als "gelbe Karte" für Teheran. Israels Generalstabschef sprach von einem "Punkt ohne Umkehr". Ein weiteres Zögern sei nicht mehr möglich gewesen.

Wie weit ist das iranische Atomprogramm fortgeschritten?

Der Iran verfügt seit Jahren über ein weitreichendes Atomprogramm. Es umfasst zwei Anlagen zur Urananreicherung und ein Kernkraftwerk in Buschehr. Dazu kommen ein Forschungsreaktor bei Teheran sowie weitere Anlagen in Isfahan. In Arak im Westen des Landes wird ein Schwerwasserreaktor betrieben.

Dem Westen zufolge arbeitet der Iran an Atomwaffen – Teheran weist dies zurück. Die IAEA berichtet, dass Teheran rund 409 Kilogramm Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent besitzt. Für Atomwaffen wären etwa 90 Prozent notwendig. Fachleute kritisieren, dass ein solcher Reinheitsgrad für zivile Zwecke nicht nötig sei.

Was wird aus den Gesprächen zwischen Iran und USA?

Seit etwa acht Wochen verhandeln die USA und der Iran über das Atomprogramm. Doch die Gespräche stocken – wegen erheblicher Differenzen. Die US-Regierung verlangt den vollständigen Stopp der Urananreicherung, was Teheran strikt ablehnt. Eigentlich war für Sonntag – vermittelt vom Golfstaat Oman – eine sechste Gesprächsrunde geplant. Nach Einschätzung vieler Beobachter erscheint ein Treffen nach der Eskalation im Iran-Israel-Konflikt kaum realistisch. Israels Premier Netanjahu akzeptiert nur eine Lösung, die alle Atomanlagen zerstört. US-Präsident Donald Trump hatte sich gegen einen Angriff Israels ausgesprochen, solange Verhandlungen laufen.

Auch IAEA-Chef Rafael Grossi warnte Israel jüngst vor einem Angriff. Die iranischen Atomanlagen seien sehr gut gesichert, es brauche eine "sehr, sehr zerstörerische Kraft", um sie zu treffen. Gegenüber dem Sender i24news und der "Jerusalem Post" sagte Grossi: "Ein Angriff könnte einen Amalgamierungseffekt haben, der, ich sage es ganz deutlich, die Entschlossenheit des Irans, nach einer Atomwaffe zu streben oder aus dem Atomwaffensperrvertrag auszusteigen, festigen würde." Dies habe ihm der Iran direkt mitgeteilt.

Besteht die Gefahr einer Ausweitung des Iran-Israel-Konflikts?

Es gibt erhebliche Sorgen, dass der Iran Gegenangriffe gegen US-Stützpunkte in der Region einleiten könnte. Die USA, wichtigster Verbündeter Israels, haben deshalb ihr Botschaftspersonal im Irak reduziert. Die US-Militärstützpunkte im Golf liegen in unmittelbarer Nähe zum Iran. Laut iranischem Außenministerium konnte Israels Angriff nicht ohne US-Zustimmung erfolgen. Die USA seien daher ebenfalls für die Konsequenzen mitverantwortlich. US-Außenminister Marco Rubio richtete eine Warnung an Teheran: "Lassen Sie mich deutlich sein: Der Iran sollte US-Einrichtungen oder US-Personal nicht angreifen."

Im Irak hat der Iran großen Einfluss, etwa über schiitische Milizen. Zudem verfügt er über Raketen mit Reichweite bis Israel. Israel rechnet auch damit, dass die Huthi-Rebellen im Jemen, Verbündete Teherans, ihre Angriffe intensivieren. Auch die Hisbollah im Libanon könnte trotz geltender Waffenruhe wieder aktiv werden. All das droht, den Iran-Israel-Konflikt massiv auszuweiten.

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