Finanzen

Goldpreis auf Rekordhoch: Warum Gold zum Jahresende explodiert

Gold glänzt wie lange nicht mehr. Der Goldpreis markiert neue Rekorde, während Unsicherheit, Notenbanken und geopolitische Risiken die Nachfrage antreiben. Doch hinter der Rally stehen handfeste ökonomische Kräfte – und sie könnten den Markt auch im kommenden Jahr prägen.
22.12.2025 09:01
Aktualisiert: 22.12.2025 09:01
Lesezeit: 5 min
Goldpreis auf Rekordhoch: Warum Gold zum Jahresende explodiert
Dieses von Archäologie Baselland zur Verfügung gestellte Foto zeigt zwei mehr als 2000 Jahre alte Münzen, die von zwei Hobby-Suchern in einem Waldstück an der deutschen Grenze bei Basel gefunden wurden. Die Münzen, die den Kopf des griechischen Gottes Apollon zeigen, datieren etwa in die Mitte und in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. und kommen jetzt ins Museum. (Foto: dpa) Foto: -

Rekord beim Gold: Erstmals seit Oktober klettert der Preis auf ein neues Hoch

Der Goldpreis ist am Montag im frühen Handel erstmals seit Oktober auf ein Rekordhoch gestiegen. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) legte zeitweise um bis zu eineinhalb Prozent auf etwas mehr als 4.403 US-Dollar zu.

Mit 4.409 US-Dollar markierte der Goldpreis aktuell im frühen Handel ein neues Allzeithoch und ließ damit auch das mittelfristige Zielgebiet bei 4.375 US-Dollar zum zweiten Mal in diesem Jahr hinter sich. Die Ausbruchsbewegung geht auf den dynamischen Konter zurück, der den Abverkauf Mitte November bei 3.990 US-Dollar stoppte und den Goldpreis anschließend wieder an das alte Rekordhoch führte. Mit dem heutigen Ausbruch endet zudem die Seitwärtsphase der vergangenen Tage in einer geradlinigen Aufwärtsbewegung, die der Rally neuen Schwung verleiht.

Es ist der erste Rekord seit Oktober, als der Goldpreis in einer wochenlang anhaltenden Rally bis auf etwas mehr als 4.380 Dollar gestiegen war, bevor er in den darauffolgenden Wochen zeitweise wieder unter die Marke von 4.000 Dollar gefallen war.

Mit dem Anstieg am Montag liegt der Goldpreis kurz vor Jahresende 68 Prozent im Plus. Das Edelmetall zählt damit zu den gefragtesten Anlageklassen in diesem Jahr. Zudem steuert es auf den höchsten Jahresgewinn seit 1979 zu. Damals war der Preis für eine Feinunze um 127 Prozent gestiegen. Noch stärker gefragt als Gold war 2025 Silber. Der Preis für eine Feinunze Silber erreichte am Montag mit knapp 69,50 Dollar ein weiteres Rekordhoch.

Was den Goldpreis 2025 beflügelt hat: Ursachen und Folgen

Gold bleibt gefragt: Zentralbanken setzen neue Maßstäbe, Anleger suchen Sicherheit – doch was macht das Edelmetall so besonders und wie reagieren Minen und Verbraucher auf die Preisexplosion? Der Goldpreis hat in diesem Jahr einen Rekord nach dem anderen gebrochen. In der Spitze kostete eine Feinunze am 20. Oktober rund 4.356,50 US-Dollar. Doch welche Einflussfaktoren treiben die Entwicklung, warum ist Gold gerade in Deutschland ein so großes Thema und welche Perspektiven ergeben sich für das neue Jahr?

Welche Hauptfaktoren bestimmen den weltweiten Goldpreis?

Der Goldpreis wurde 2025 vor allem durch die Entwicklung der Realzinsen, die Schwäche des US-Dollars sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten geprägt. Diese rückten Gold erneut als sicheren Hafen in den Fokus, wie York Tetzlaff, Chef des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle, in Pforzheim erklärt. "Hinzu kam eine außergewöhnlich starke Nachfrage von Zentralbanken und Investoren, während die Schmucknachfrage auf dem hohen Preisniveau eher dämpfend wirkte."

Welche Größen wirken am schnellsten?

Geo- und handelspolitische Risiken wie Kriege oder Zölle haben laut Tetzlaff kurzfristig die größten Auswirkungen – Stichwort sicherer Hafen. "Gold hat über Jahrhunderte eine große Stabilität bei der Kaufkraft – unabhängig von politischen Systemen, Währungen oder Wirtschaftskrisen", sagt er. Als Beispiel nennt er die Modewelt: Im alten Rom habe man für eine Unze Gold eine feine Toga erhalten, im Mittelalter ein edles Gewand, heute bekomme man dafür einen hochwertigen Maßanzug. Die Inflation wirke sich hingegen eher mittel- bis langfristig auf den Goldpreis aus.

Gab es in diesem Jahr Besonderheiten?

"Insgesamt haben Zentralbanken 2025 ihre Goldkäufe stark ausgeweitet, das hat die Goldpreis-Rally maßgeblich vorangetrieben", sagt Tetzlaff. "Die Nachfrage der Zentralbanken ist insbesondere nach Covid ein zentraler Faktor geworden." In diesem Jahr hätten vor allem China, die Türkei und Polen vermehrt Gold nachgefragt. "Polen hat seine Goldreserven seit 2023 mehr als verdoppelt und war mit fast 90 Tonnen Goldkäufen im Jahr 2024 der weltweit größte Goldkäufer." Zudem hielten Länder mit großen Beständen wie Deutschland, die USA und Italien an ihren Reserven fest.

Laut einer Analyse der Europäischen Zentralbank machten Zentralbanken 2024 mehr als 20 Prozent der globalen Goldpreisnachfrage aus. Im Durchschnitt der 2010er-Jahre habe der Anteil bei rund zehn Prozent gelegen. Vom Verhalten der Zentralbanken gehe eine klare Signalwirkung aus, so Tetzlaff: "Das zieht den Markt."

Neben den Zentralbanken war 2025 vor allem der Investmentbereich der stärkste Treiber. "Gerade im dritten Quartal haben ETFs stark zugelegt, außerdem blieben auch Barren und Münzen gefragt", sagt Tetzlaff über börsengehandelte Fonds. Zusätzlich habe die Nachfrage aus Asien in diesem Jahr spürbar zugenommen.

Welche Rolle spielt Schmuck?

Hier ist es laut Tetzlaff vergleichsweise einfach, auf Alternativen auszuweichen. Bei Trauringen etwa werde Platin verstärkt nachgefragt. "Sowohl Händler als auch Konsumenten weichen aufgrund der hohen Goldpreise 2025 zunehmend auf Platin als attraktives Edelmetall aus", sagt er. Auch der Bundesverband Schmuck-, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien in Pforzheim berichtete, dass Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts des Goldkurses verstärkt nach Alternativen suchen.

Wie entwickelt sich das weltweite Goldangebot?

Die Minenproduktion ist nach Angaben Tetzlaffs im Jahresverlauf relativ konstant geblieben und erst im dritten Quartal um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dass nur wenige versuchen, unmittelbar von der Goldpreis-Rally zu profitieren, erklärt der Experte mit hohen Investitionskosten. "Gewinne lassen sich erst nach vielen Jahren realisieren. Von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur tatsächlichen Produktion vergehen meist 15 bis 20 Jahre, in denen Exploration, Genehmigungen, Bau und Inbetriebnahme stattfinden."

Zudem hätten sich Minengesellschaften strenge Nachhaltigkeitsstandards auferlegt. Dadurch werde genauer geprüft, wo und in welche Projekte investiert wird – von Lieferketten über Umwelt- und Sozialauflagen bis hin zu weltweit verbindlichen Sicherheitsregeln für Bergbauabfälle.

Wie relevant ist Recyclinggold für das Gesamtangebot?

Grundsätzlich wächst der Recyclinganteil im globalen Goldmarkt, sagt Tetzlaff. In Deutschland produziertes Feingold stammt fast zu 100 Prozent aus dem Recycling von Altgold und Elektronikschrott. Die Folgen der Goldpreis-Entwicklung spüren auch die Scheideanstalten, bei denen Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Altgold abgeben. "Da kommt mehr als genug an, das Recyclinggeschäft brummt." Recyceltes Gold sei qualitativ gleichwertig zu Minengold und spiele eine zunehmend wichtige Rolle am Markt.

Unterscheidet sich Deutschland von anderen Ländern?

Die Affinität zu Gold sei in Deutschland traditionell hoch, sagt Tetzlaff. Verschiedene Wirtschaftskrisen hätten diese Entwicklung verstärkt. "Deshalb ist Deutschland weltweit ein wichtiger Goldmarkt. Gold gilt hierzulande bis heute als verlässlicher Sachwert, der unabhängig von Geldpolitik und Finanzsystem Vertrauen schafft." Ein weiterer Standortfaktor sei die Mehrwertsteuerbefreiung in der EU: "Goldbarren und anerkannte Anlagemünzen können in Deutschland und der EU umsatzsteuerfrei erworben werden. Halte ich Gold als Anlageprodukt ein Jahr, kann ich es steuerfrei verkaufen."

Nach einer Analyse des World Gold Councils aus 2024 ist Gold in Deutschland eine weit verbreitete Anlageform. 37 Prozent der Anleger hierzulande hätten bereits in Gold investiert oder es besessen, viele davon seien Stammkunden. Neben der Möglichkeit, Gold in kleinen Mengen zu erwerben, spielten Schutz vor Inflation, höhere langfristige Renditen im Vergleich zu Bargeld auf dem Sparbuch sowie Risikostreuung und Portfoliodiversifizierung eine wichtige Rolle.

Der Bundesverband deutscher Banken veröffentlichte Anfang des Jahres eine Umfrage, wonach Deutsche für 2025 vor allem sichere Geldanlagen bevorzugen. An erster Stelle standen Immobilien mit 47 Prozent, gefolgt von Tagesgeld mit 43 Prozent und Gold mit 41 Prozent – noch vor Aktien und Fonds. Im Jahresvergleich fällt der Trend besonders auf: Im Vorjahr hatten nur 14 Prozent der Befragten Gold als bevorzugtes Anlageprodukt genannt.

Ist ein Ausblick auf 2026 möglich?

Die Branche erwartet laut Tetzlaff stabile bis steigende Preise. "Für 2026 spricht vieles für einen weiterhin festen Goldpreis: Sinkende Zinserwartungen, anhaltende geopolitische Unsicherheiten und die starke Nachfrage der Zentralbanken bilden ein robustes Fundament, auch wenn zwischenzeitliche Schwankungen nicht auszuschließen sind", sagt der Fachmann. Die Nachfrage der Zentralbanken dürfte hoch bleiben, ebenso geo- oder handelspolitische Unsicherheiten, etwa in der Zollpolitik. "Wenn diese eskalieren, kann der Goldpreis überproportional reagieren."

Auch der World Gold Council äußert sich in seinem Ausblick ähnlich. Verlangsame sich das Wachstum oder komme es zu einem stärkeren Abschwung, seien moderate bis starke Gewinne möglich. "Umgekehrt würde ein Erfolg der von der Trump-Administration eingeleiteten Politik das Wirtschaftswachstum beschleunigen und geopolitische Risiken reduzieren, was zu höheren Zinsen und einem stärkeren US-Dollar führen und den Goldpreis belasten würde."

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