Politik

US-Angriff auf den Iran: Die Märkte bleiben erstaunlich ruhig

Trotz der Angriffe auf iranische Atomanlagen bleiben die globalen Märkte ruhig. Doch die Straße von Hormus bleibt ein geopolitischer Pulverfass.
23.06.2025 12:32
Aktualisiert: 23.06.2025 13:08
Lesezeit: 2 min
US-Angriff auf den Iran: Die Märkte bleiben erstaunlich ruhig
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth äußerte sich am Sonntag, dem 22. Juni, auf einer Pressekonferenz zu den US-Luftschlägen gegen iranische Atomanlagen. (Foto:dpa) Foto: Kay Nietfeld

Trotz der Angriffe auf iranische Atomanlagen bleiben die Finanzmärkte gelassen. Doch Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus bleiben bestehen.

Asiatische Märkte reagieren verhalten

Nach einem Wochenende voller Spekulationen über mögliche wirtschaftliche Folgen der US-Militärschläge gegen iranische Atomanlagen eröffnen die asiatischen Börsen am Montagabend mit nur moderaten Verlusten. Sowohl der japanische als auch der chinesische Aktienmarkt verzeichnen Kursrückgänge von weniger als einem Prozent.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Entwicklungen am Ölmarkt. Der Ölpreis zog zu Wochenbeginn zwar kurzzeitig deutlich an, fiel jedoch schnell wieder zurück. Selbst nach den nächtlichen Preisanstiegen lag der Preis für ein Barrel Rohöl am Montagmorgen weiterhin unterhalb der Marke von 80 US-Dollar – und damit niedriger als noch zu Jahresbeginn.

Straße von Hormus bleibt Schlüsselregion

Ob die aktuelle Gelassenheit der Märkte tatsächlich die Realität widerspiegelt oder lediglich das Ergebnis einer temporären Unter- oder Überreaktion ist, bleibt abzuwarten. Eine Überraschung ist die moderate Reaktion dennoch nicht. Auch nach dem israelischen Angriff auf den Iran Mitte Juni hielten sich die wirtschaftlichen Folgen in Grenzen – obwohl dieser Angriff weitaus unerwarteter kam.

Wie Bocian betont, sei die Welt längst an Konflikte im Nahen Osten gewöhnt. Zudem sei die wirtschaftliche Bedeutung des Iran für die Weltwirtschaft nahezu ausschließlich auf die Öl- und Gasexporte beschränkt. Solange die strategisch bedeutsame Straße von Hormus offenbleibe, drohe keine gravierende globale Erschütterung.

Ob Teheran tatsächlich den Schiffsverkehr dort blockiert, ist aus Bocian Sicht ungewiss. Ein solcher Schritt würde den Iran selbst wirtschaftlich und politisch teuer zu stehen kommen.

US-Wirtschaft bleibt weitgehend unberührt

Auch für die Vereinigten Staaten erwartet der Ökonom keine dramatischen Folgen. Zwar könnten steigende Ölpreise die Konsumenten belasten, doch sei das Gewicht geringer als in früheren Jahrzehnten. Die USA sind heute selbst größter Ölproduzent der Welt, was negative Effekte auf die heimische Wirtschaft dämpft.

Sollte Washington militärisch weiter eskalieren, könnte dies kurzfristig sogar einen wachstumsstimulierenden Effekt haben – unter anderem durch höhere Verteidigungsausgaben. Auch in Europa dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen überschaubar bleiben, so Bocian.

Er verweist darauf, dass frühere geopolitische Konflikte, etwa die Ukraine-Invasion, erhebliche Folgen hatten. Allerdings sei dies im aktuellen Fall nicht absehbar, solange sich die Lage nicht drastisch verschärft. Besonders im Fokus sieht Bocian vielmehr die Risiken aus dem Handelskonflikt mit den USA, die seiner Meinung nach langfristig Wohlstand und Wachstum gefährden.

Bedeutung für Deutschland

Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft könnte eine Eskalation am Persischen Golf empfindliche Folgen haben – insbesondere durch steigende Energiepreise oder Beeinträchtigungen im globalen Schiffsverkehr. Gleichzeitig profitieren deutsche Konzerne von der aktuellen geopolitischen Stabilität an den Finanzmärkten. Für Berlin bleibt die Entwicklung ein Balanceakt: Während politische Solidarität mit den USA besteht, wächst die Abhängigkeit von stabilen Energieimporten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Bundeswehr letzte Wahl bei der Rückholung von Deutschen
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt Erdgas-Preis nach oben schnellen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der Erdgaspreis so stark wie lange nicht. Analysten warnen vor weiteren Preissprüngen, sollte der...

DWN
Technologie
Technologie Blackout-Vorsorge: Notstromlösung mit Solaranlagen auf Balkon oder Dach – was dabei wichtig ist
02.03.2026

Ein plötzlicher Blackout kann Haushalte und Unternehmen unvorbereitet treffen. Immer mehr Eigentümer setzen deshalb auf eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hapag-Lloyd übernimmt ZIM: Machtverschiebung in der globalen Container-Schifffahrt
02.03.2026

Hapag-Lloyd treibt mit der Übernahme von ZIM die Konzentration im globalen Containerverkehr weiter voran. Wie verschiebt diese Transaktion...

DWN
Panorama
Panorama Nahost-Krieg: Tschechien evakuiert Bürger und ergreift innenpolitische Sicherheitsmaßnahmen
02.03.2026

Tschechien schickt erste Armeeflugzeuge für Evakuierungsflüge in den Nahen Osten. In dem EU- und Nato-Mitgliedstaat selbst werden...

DWN
Panorama
Panorama EU sagt Ministertreffen ab: Mutmaßlicher Drohnenangriff auf Militärstützpunkt im EU-Staat Zypern
02.03.2026

EU sagt Ministertreffen ab: Eine Drohne soll den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern getroffen haben. Sirenen heulen,...