Finanzen

Goldpreis-News: Waffenstillstand im Nahen Osten drückt auf den Gold-Kurs

Der Goldpreis gerät nach einer überraschenden geopolitischen Entspannung stark unter Druck. Anleger reagieren nervös, Märkte verschieben sich. Doch ist das nur ein kurzfristiger Effekt – oder der Beginn eines langfristigen Trends? Die Geldpolitik der US-Notenbank könnte zur entscheidenden Variable werden.
24.06.2025 14:03
Aktualisiert: 24.06.2025 14:03
Lesezeit: 3 min
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Goldpreis-News: Waffenstillstand im Nahen Osten drückt auf den Gold-Kurs
Goldbarren in unterschiedlicher Größe: Der Goldpreis steht nach den Friedenssignalen in Nahost unter Druck (Foto: dpa). Foto: Sven Hoppe

Goldpreis-News: Entspannung zwischen Iran und Israel schwächt Nachfrage nach sicherem Hafen

Der Goldpreis steht aktuell unter Druck. Nach der überraschenden Verkündung eines Waffenstillstands zwischen Israel und dem Iran durch US-Präsident Donald Trump hat der Markt deutlich reagiert. Die geopolitische Entspannung führte zu einer spürbaren Abkühlung der Nachfrage nach dem "sicheren Hafen" Gold.

Die Goldpreise tendieren schwächer, weil die Risikobereitschaft der Anleger dank der Hoffnung auf ein mögliches Ende der Feindseligkeiten im Nahen Osten wächst. Am Dienstagvormittag notierte der am aktivsten gehandelte Future auf Gold (August) um 51,40 US-Dollar niedriger bei 3.343,60 US-Dollar pro Feinunze. Der Spot-Goldpreis fiel sogar um 1,2 Prozent auf 3.326,87 US-Dollar – ein Zweiwochentief. Die US-Gold-Futures gaben um 1,6 Prozent auf 3.339,40 US-Dollar nach. Im asiatischen Handel wurde die Marke von 3.322 US-Dollar unterschritten.

Nach diesem schwachen Start in den Dienstagshandel zeigt der Goldpreis aktuell keine Erholungstendenz. Am frühen Nachmittag steckte der Goldpreis weiter annähernd 1,4 Prozent im Minus bei 3.322 US-Dollar.

Symbolischer Angriff, reale Marktbewegung

Auslöser dieser Goldpreis-Entwicklung war ein vorangegangener Angriff Irans auf eine US-Militärbasis in Katar – ein Angriff, der sich im Nachhinein als symbolischer Akt entpuppte. Alle Raketen wurden abgefangen, und Berichten zufolge war Katar – ein Verbündeter des Iran – im Vorfeld informiert worden. Dies deutet darauf hin, dass es sich um einen Alibi-Angriff handelte, der keinen ernsthaften Schaden anrichten sollte.

In Reaktion darauf verkündete Trump über seine Plattform Truth Social den Waffenstillstand. Demnach werde der Iran die Feuerpause umgehend einleiten, gefolgt von Israel zwölf Stunden später. Diese Entspannungssignale haben eine Kapitalverschiebung am Markt ausgelöst: Anleger schichten Kapital aus sicheren Häfen wie Gold und dem Dollar in risikoreichere Anlageklassen wie Aktien und Kryptowährungen um.

Inzwischen scheint klar: Katar hat nach eigenen Angaben auf Wunsch der USA nach dem iranischen Angriff auf einen US-Stützpunkt in dem Golfstaat Kontakt mit dem Iran aufgenommen. Diese Gespräche hätten letztlich zur öffentlichen Ankündigung der Waffenruhe des US-Präsidenten Donald Trump geführt, sagte Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in einer Pressekonferenz.

Goldpreis aktuell: Rückgang trotz starker Jahresperformance

Trotz des jüngsten Rückgangs zeigt sich der Goldpreis im bisherigen Jahresverlauf stark. Seit Jahresbeginn legte der Preis für das Edelmetall rund 28 Prozent zu. Haupttreiber dieser Entwicklung waren die anhaltenden geopolitischen Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten infolge von Trumps neuer Zollpolitik sowie kontinuierliche Goldkäufe durch Zentralbanken.

Dennoch bleibt die aktuelle Korrektur nicht unbeachtet: Der Goldpreis fiel seit Montagabend von 3.393 auf 3.325 US-Dollar – ein deutliches Signal der Marktteilnehmer. "Ich glaube nicht, dass der Goldpreis kurzfristig unter die Marke von 3.000 US-Dollar fallen wird. Ich sehe eine bedeutende Unterstützungszone bei 3.300 US-Dollar", erklärte Ricardo Evangelista, Senior Analyst beim Brokerhaus ActivTrades, im Gespräch mit Marketscreener.

Blick auf die Fed: Zinspolitik könnte neuen Impuls geben

Neben geopolitischen Faktoren bleibt die Geldpolitik der US-Notenbank ein zentraler Einflussfaktor für die Gold-Preisentwicklung. Mehrere Mitglieder der US-Notenbank, darunter Michelle Bowman, Christopher Waller und Austan Goolsbee, signalisierten zuletzt eine Bereitschaft zu Zinssenkungen. Bowman erklärte, sie würde eine Zinssenkung im Juli unterstützen, falls der Inflationsdruck gedämpft bleibe. Auch Goolsbee äußerte sich offen für Lockerungen – vorausgesetzt, Trumps Zölle treiben die Inflation nicht erneut an.

Ein solcher Schritt hätte direkte Auswirkungen auf den Gold-Kurs: Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, wird es in einem Umfeld sinkender Zinsen im Vergleich zu anderen Anlagen attraktiver. Investoren rechnen derzeit mit Zinssenkungen der Fed um insgesamt 57 Basispunkte bis zum Jahresende.

Wie geht es weiter? Analysten sehen Erholungspotenzial

Marktteilnehmer richten nun ihre Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Anhörung von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Bisher hat sich Powell mit klaren Aussagen zu kurzfristigen Zinssenkungen zurückgehalten. Sollte er jedoch konkrete Hinweise auf eine Lockerung der Geldpolitik liefern, könnte dies dem Goldpreis neuen Auftrieb geben.

Auch die Analysten der ANZ bleiben laut Marketscreener zuversichtlich: "Der Goldpreis dürfte sich zunächst konsolidieren, bevor er bis zum Jahresende erneut in Richtung 3.600 US-Dollar pro Unze ansteigt." Langfristig erwarten sie, dass Gold seinen Höchststand erst 2025 erreicht – gefolgt von einem schrittweisen Rückgang im Jahr 2026, sobald sich die wirtschaftlichen Perspektiven verbessern und die Unsicherheiten im Welthandel abnehmen.

Was bedeutet das für Anleger?

Anleger sollten die aktuelle Entwicklung mit Bedacht einordnen. Die Goldpreis-News deuten auf eine temporäre Marktreaktion, die nicht zwangsläufig das Ende der Aufwärtsbewegung bedeutet. Kurzfristige Korrekturen sind bei volatilen Edelmetallen wie Gold nichts Ungewöhnliches – insbesondere, wenn geopolitische Spannungen plötzlich nachlassen.

Trotz der jüngsten Kursverluste bleibt Gold langfristig ein zentraler Baustein zur Risikodiversifikation im Portfolio. Gerade in Zeiten geldpolitischer Unsicherheit und möglicher wirtschaftlicher Abschwächung bietet das Edelmetall einen stabilen Gegenpol zu volatilen Aktien- oder Anleihemärkten. Anleger sollten die nächsten Goldpreis-News und Äußerungen der Fed genau beobachten. Kommt es im Juli tatsächlich zu einer Zinssenkung, könnte sich die Gold-Preisentwicklung erneut positiv gestalten. Für langfristig orientierte Investoren bieten Rücksetzer auf das Niveau von 3.300 US-Dollar pro Unze daher interessante Einstiegsgelegenheiten.

Goldpreis unter Druck – aber Perspektiven bleiben intakt

Die aktuellen Goldpreis-News spiegeln eine Phase geopolitischer Entspannung wider, die das Interesse am "sicheren Hafen" Gold vorübergehend gedämpft hat. Der Gold-Kurs reagiert sensibel auf weltpolitische Entwicklungen, Zinserwartungen und die Stimmung der Investoren. Dennoch ist die Gold-Preisentwicklung übergeordnet weiterhin positiv zu bewerten.

Wer in Edelmetalle investiert, sollte kurzfristige Schwankungen aussitzen und auf die fundamentalen Treiber achten: Geldpolitik, geopolitische Risiken und langfristige Nachfrage durch Zentralbanken. Der Goldpreis aktuell mag unter Druck stehen – doch mittel- bis langfristig bleibt das Edelmetall ein wichtiger Stabilitätsanker.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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Markus Gentner

Zum Autor:

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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