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Gamification im Recruiting: Spielerisch Top-Talente finden

Gamification verspricht eine spielerische Reise zum Traumjob. Was steckt dahinter und worin liegt der Nutzen für Unternehmen?
28.07.2025 13:37
Aktualisiert: 29.07.2025 12:37
Lesezeit: 3 min

Top-Talente finden - vielleicht mit Gamification im Recruiting?

Neugierde auf das eigene Unternehmen wecken. Das ist ein zentrales Ziel im Recruiting. Eine leicht bedienbare Customer-Journey im Bewerbungsprozess genügt hier längst nicht mehr. Unternehmen müssen aus der Masse herausstechen und etwas bieten, was Andere nicht haben. Innovative Ansätze sind gefragt.

Mittels Gamification, oder auch als Recruitainment bezeichnet, können (potenzielle) Bewerber auf kreative und moderne Weise angesprochen werden. Hierunter wird, laut Prof. Dr. Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon, „(…) die Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge (…)“ verstanden. Die Einbindung von spielerischen Elementen in die Praxis ist bereits in vielen Bereichen Usus: Im Vertrieb werden Boni und leistungsbezogene Vergütung eingesetzt. Im Einzelhandel gibt es interne Wettbewerbe oder symbolische Preise, wie der Titel „Mitarbeiter des Monats“. Und in Schulen gibt es Wettkämpfe, bei denen der Gewinner oder die Gewinnergruppe einen Preis erhält.

Im Recruiting wird Gamification eingesetzt, um bei den Bewerbern Neugierde und eine Bindung zum Unternehmen zu erzeugen. Auch kann damit eine erste Einschätzung der Kandidaten erfolgen. Spielelemente können grundsätzlich die Motivation und Bereitschaft steigern. Dies kann im Rahmen von Ranglisten und Belohnungssystemen, aber auch Levels geschehen. Außerdem können Elemente wie Zeitdruck oder ein eigener Avatar zum Einsatz kommen.

Vielseitige Anwendung von Gamification

Gamification kann in mehreren Bereichen innerhalb des Recruitings implementiert werden.

Zunächst können spielerische Elemente eingesetzt werden, um überhaupt erst einmal die Aufmerksamkeit der Arbeitnehmer zu gewinnen, zum Beispiel auf Social-Media, im Rahmen von Karrieremessen oder auf der eigenen Homepage.

Ist das Interesse des Bewerbers erst einmal geweckt, kann mittels Gamification den Interessenten ein realistisches Bild vom Unternehmen und den dortigen Tätigkeiten vermittelt werden. Möglich sind zum Beispiel Online-Rundgänge durch das Unternehmen oder Selbsttests, bei denen Bewerber anhand mehrerer Fragen prüfen können, ob das Unternehmen zu ihnen passt. Bei der Commerzbank lassen sich im Rahmen von Online-Tests beispielsweise die verschiedenen Ausbildungsberufe kennenlernen. Das Logistikunternehmen Dachser setzt gezielt VR-Brillen ein, um Interessenten einen Arbeitstag im Unternehmen zu zeigen. Insgesamt kann damit eine Vorselektion an geeigneten Bewerbern erzielt werden, was zu weniger Fehlbewerbungen und in der Konsequenz zu einer späteren geringeren Fluktuation führen kann.

Im eigentlichen Bewerbungsprozess können Spiele auch zum Einsatz kommen. Hierbei sollen anhand des Spielverhaltens Rückschlüsse auf die Person selbst und deren Arbeitsweise gezogen werden. Aspekte können zum Beispiel Entscheidungsfindung, analytisches Denken, Kreativität, Risikobereitschaft und Teamwork sein. Anhand Ranglisten lassen sich die einzelnen Bewerber vergleichen. Zusätzlich wird dadurch spielerisch die Motivation gesteigert.

7 Tipps für die Nutzung von Gamification

1. Ein realistisches Bild vom Arbeitsalltag und der Unternehmenskultur zeigen:

Die Einbindung von Gamification-Elementen im Recruitingprozess kann bei Bewerbern das Bild eines innovativen und modernen Unternehmens erzeugen. Setzt ein Unternehmen aber im Alltag grundsätzlich auf altbewährte Prozesse und zeigt wenig Offenheit gegenüber Innovationen, ist Gamification der falsche Weg, um passende Bewerber anzulocken. Ebenso können geschönte Einblicke in den Arbeitsalltag, die mit der Realität wenig gemeinsam haben, möglicherweise mehr Bewerber generieren, aber leider eben auch spätere Fluktuation. Daher: Lieber echte Einblicke in den Job geben.

2. Die Zielgruppe erreichen:

Wie bei jeder Ansprachemaßnahme ist es essenziell, die Zielgruppe zu kennen. Inhalte sollten entsprechend der Bedürfnisse der Zielgruppe gestaltet sein.

3. Ziel und Nutzen bewusst machen:

Einfach nur ein Spiel auf die Karriereseite setzen, weil es „cool“ aussieht, wird vermutlich wenig Effekt erzielen. Unternehmen sollten im Vorhinein festlegen, was sie mit den Gamification-Elementen bewirken möchten.

4. Das richtige Element zum richtigen Zeitpunkt wählen:

Ist festgelegt, was mit dem Gamification-Element erreicht werden soll, muss es auch an der richtigen Stelle in der Bewerberjourney eingebunden werden. Befindet sich der Bewerber erst im Kennenlernprozess mit dem Unternehmen, können zum Beispiel schwierige Fachfragen eher abschrecken.

5. Transparent kommunizieren:

Bewerber müssen über die möglichen Auswirkungen ihrer Antworten auf den weiteren Bewerbungsprozess informiert werden. Handelt es sich lediglich um einen lockeren Selbsttest, bei dem der Interessent seine Passung zum Unternehmen prüfen kann oder bewältigt er schon Aufgaben, die in die Bewerberprüfung fließen?

6. Attraktive Elemente einbinden:

Ob die Gestaltung eines eigenen Avatars, spannende Wettbewerbe mit anderen oder die Vergabe von Boni – schaffen Sie Elemente, die neugierig machen!

7. Intuitive Bedienung sicherstellen:

Viele Nutzer sind genervt von umständlichen Benutzeroberflächen und brechen womöglich den Prozess ab. Die Games sollten also einfach abzurufen und zu bedienen sein. Auch lange Ladezeiten gilt es zu vermeiden, um die Absprungrate zu verringern.

Ausschließlich spielerisch lassen sich keine Top-Talents finden. Hierzu bedarf es viel mehr, wie etwa eine persönliche Einschätzung. Dennoch können Gamification-Elemente Bewerber anziehen, eine Vorselektion ermöglichen und auch im Auswahlprozess als ein Kriterium von vielen zurate gezogen werden. Wichtig ist vor allem eine sorgfältige Planung, damit die Games wirklich zum Unternehmen passen und an der richtigen Stelle in der Bewerberjourney eingesetzt werden.

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