Wirtschaft

Trübe Aussichten für die Solarbranche: Kaum noch deutsche Technik – das sind die Probleme

Die deutsche Solarbranche steht unter Druck: Insolvenzen, Abhängigkeit von China und schwächelnde Nachfrage dämpfen die Euphorie. Trotz globalem Boom fehlt es an Perspektiven für Hersteller. Wie können Unternehmen in diesem schwierigen Umfeld dennoch Chancen nutzen? Viele Firmen setzen auf Eigenproduktionen.
23.07.2025 11:06
Lesezeit: 4 min
Trübe Aussichten für die Solarbranche: Kaum noch deutsche Technik – das sind die Probleme
In diesem Solarpark von Iberdrola werden auf einer Fläche von rund 65 Fußballfeldern jährlich über 53 Gigawattstunden Strom erzeugt (Foto: dpa). Foto: Bernd Wüstneck

Eingetrübte Perspektiven für die Solarbranche

Millionen Photovoltaikanlagen, aber kaum noch deutsche Technik: Die Solarbranche kämpft mit immer neuen Insolvenzen. Auch der Boom bei Eigenheimen zeigt laut Experten erste Bremsspuren. Ein "Solar Valley" in Ostdeutschland sollte einst das Aushängeschild für deutsche Solarzellenfertigung werden. Doch nach etlichen Pleiten ist davon kaum noch etwas übrig. Hersteller von Solarmodulen verlieren im globalen Wettbewerb, insbesondere wegen asiatischer Billigpreise – und auch 2025 setzt sich die Welle an Insolvenzanträgen fort. So sucht der Solarmodulproduzent Meyer Burger derzeit intensiv nach Investoren.

Deutschland ist beim Vertrieb und der Installation von Photovoltaik-Anlagen (PV) laut Experten weiterhin gut aufgestellt – doch wie lange noch? Nach einem starken Wachstum in den letzten Jahren schwächt sich der Ausbau der Solarenergie deutlich ab. "Zwischen 2019 und 2023 hat sich die Photovoltaik-Nachfrage von Eigenheimbesitzern verzehnfacht", so Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW). In Wohnsiedlungen sei die Nachfrage zuletzt jedoch spürbar gesunken.

Spezialmärkte als Ausweg?

Volker Quaschning, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, hält Spezialisierung auf Nischenmärkte für die einzige Perspektive der deutschen Solarbranche. Auch Komponentenhersteller wie jene für Wechselrichter oder Speicher geraten durch den globalen Preisdruck zunehmend in Bedrängnis, erklärte er.

In einem dieser spezialisierten Bereiche – der Herstellung von Solarglas – traf die Krise nun auch die Glasmanufaktur Brandenburg GmbH in der Lausitz. Das Unternehmen, laut Branchenverband womöglich das letzte seiner Art in Deutschland, meldete im Juli Insolvenz an. Zwei brandenburgische Wirtschaftsminister hatten sich zuvor bei der alten Bundesregierung für einen Resilienzbonus und EU-weite Anti-Dumping-Maßnahmen eingesetzt.

Dominanz chinesischer Produkte

In Deutschland sind derzeit etwa 5,3 Millionen Photovoltaikanlagen auf Dächern, Balkonen, Freiflächen oder sogar auf Gewässern installiert. Die Mehrheit dieser PV-Anlagen stammt aus China. Durch staatliche Subventionen kann das Land erheblich günstiger produzieren. Die Solarbranche trägt inzwischen mit rund 107,5 Gigawatt installierter Leistung etwa 15 Prozent zur Stromversorgung in Deutschland bei, so der Bundesverband Solarwirtschaft. Laut Ziel der Bundesregierung soll diese Kapazität bis 2030 auf 215 Gigawatt steigen.

"Das gelingt nicht von allein", sagte BSW-Geschäftsführer Körnig. Für dieses politische Ziel müsse der Ausbau der Photovoltaik deutlich intensiviert und der Ausbau von Stromspeichern deutlich beschleunigt werden. Zuvor hatte die Solarbranche stark von Investitionen ins Eigenheim während der Pandemie profitiert, ebenso wie vom Abbau regulatorischer Hürden. Auch der Ukraine-Krieg verstärkte das Interesse an einer unabhängigen Energieversorgung. "Doch inzwischen ist der Sondereffekt im Solarmarkt abgeklungen", erklärte Körnig.

Investoren dringend gesucht

Die Werke des Schweizer Solarmodulherstellers Meyer Burger in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit insgesamt rund 500 Beschäftigten haben die Produktion eingestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther sieht dennoch Chancen für eine Sanierung: "Meyer Burger verfügt über exzellente Produkte, fundiertes Know-how und modernste Produktionsanlagen." Investoren könnten nun "den Betrieb ohne Altlasten übernehmen", so Flöther. "Wir führen derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten."

Viel Zeit bleibt nicht: Das Insolvenzgeld, das vorübergehend die Löhne sichert, läuft laut Flöther an den Standorten Bitterfeld-Wolfen und Hohenstein-Ernstthal Ende Juli bzw. Ende August aus. Beim Solartechnik-Anbieter SMA im Kreis Kassel läuft der Sparkurs weiter: Rund 700 Stellen in Deutschland und weltweit etwa 1.100 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2025 abgebaut werden.

Resilienzbonus bleibt Wunschdenken

Seit der Bundestagswahl nehme laut Andreas Bett, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), die Unsicherheit bei Investoren spürbar zu. Viele fragen sich, ob unter der schwarz-roten Regierung der Ausbau der Erneuerbaren verlangsamt werden könnte. Um die Solarbranche zu stärken, sei staatliche Unterstützung nötig, betonte der Solarforscher. Ein möglicher Hebel sei der EU-"Net Zero Industry Act". Dieser zielt darauf ab, die Produktion CO2-freier Technologien in Europa zu fördern und Importabhängigkeit zu verringern. Deutsche Hersteller forderten im Jahr 2024 immer wieder einen Resilienzbonus für heimische Solarmodule.

Das Bundeswirtschaftsministerium betont, man befinde sich im Dialog mit der Solarbranche zur aktuellen "wirtschaftlich sehr schwierigen Marktsituation". Aussagen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) deuten zudem darauf hin, dass politische Ziele der Energiewende überprüft werden könnten.

Hoffnung durch Forschung

Trotz aller Probleme bleibt Solarforscher Bett optimistisch: "Es ist nicht alles hoffnungslos, und ohne Forschung hat man überhaupt keine Chance mehr." Als Beispiel nennt er das Unternehmen NexWafe, das sogenannte Wafer – Siliziumscheiben – mit einem neuen Verfahren kosteneffizienter herstellen möchte. Die Ausgründung des Fraunhofer-Instituts plant eine neue Fabrik am Standort Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt – dort, wo einst das "Solar Valley" entstehen sollte.

Perspektiven für die Solarbranche? Gibt es!

Für das Unternehmerumfeld zeigt sich 2024/2025 eine klare Entwicklung: Viele Firmen setzen auf Eigenproduktion durch Photovoltaik-Anlagen (PV), um Stromkosten und Netzgebühren zu senken. Laut Reuters stieg die Installation gewerblicher Solarsysteme auf Gewerbedächern um 81 Prozent im ersten Quartal 2024 – ein klares Signal aus der Wirtschaft, dass die Solarbranche zunehmend als ökonomischer Hebel betrachtet wird. Besonders Mittelständler aus dem produzierenden Gewerbe investieren zunehmend in Photovoltaik-Anlagen (PV), um Amortisationszeiten von rund acht Jahren zu erreichen und Versorgungsrisiken zu reduzieren.

Parallel weist ein Globaler Marktausblick für Solarenergie von SolarPower Europe auf einen globalen Zubau von 597 GW installierter Solarleistung im Jahr 2024 hin – ein Marktvolumen, das für europäische Firmen enorme Chancen bietet. Ohne rasche Unterstützung müssten allerdings EU-weit Produktionsstandorte schließen, mahnt der European Solar Manufacturing Council. Dieses Spannungsfeld aus Nachfrage und Wettbewerbsdruck prägt die Solarbranche. Firmenführer sollten daher frühzeitig ESG-konforme Strategien entwickeln, zum Beispiel durch Kooperationen in spezialisierten Clustern wie dem einstigen Solar Valley, um Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Investitionen in Speicher, smarte Energieverträge oder Eigenverbrauchsmodelle mit Lieferanten müssen aktiv in Unternehmensstrategien der Solarbranche integriert werden, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben – und von der globalen PV-Welle zu profitieren.

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