Finanzen

Novo Nordisk-Aktie nach 5-Jahrestief volatil: Wie geht es weiter und welche Rolle spielen die US-Börsen?

Die Novo Nordisk-Aktie zeigt sich zum Start in die neue Handelswoche volatil. Nach einer Abstufung der UBS war das Papier des dänischen Pharmakonzerns auf ein Fünfjahrestief abgerutscht. Die Analysten warnen vor schwindender Nachfrage, harter US-Konkurrenz und politischem Preisdruck aus Washington. Wie also geht es weiter? Welche Rolle spielen dabei die US-Börsen?
11.08.2025 13:54
Aktualisiert: 11.08.2025 13:54
Lesezeit: 3 min
Novo Nordisk-Aktie nach 5-Jahrestief volatil: Wie geht es weiter und welche Rolle spielen die US-Börsen?
Die Novo Nordisk-Aktie zeigt sich nach dem Rutsch auf ein Fünfjahrestief unentschlossen. (Foto: iStockphoto.com/Victor Golmer). Foto: Victor Golmer

Novo Nordisk-Aktie volatil, US-Börsen ohne Wachstumskatalysatoren

Zu Wochenbeginn ist die Novo Nordisk-Aktie besonders volatil: Nach einem festen Auftakt am Montag drehte der Kurs im Tagesverlauf nach unten und tendiert nun um 43,50 Euro. Bereits seit mehreren Wochen steht das Papier des dänischen Pharmakonzerns deutlich unter Druck. Auch das übergeordnete Marktumfeld trägt zur Nervosität bei: Während europäische Werte teils unter Unternehmensmeldungen und Branchentrends leiden, blicken Anleger zugleich gespannt auf die Entwicklungen an den US-Börsen, die aktuell nahe historischer Höchststände notieren.

Mit dem S&P 500 nahe seiner Rekordstände zeigen sich Anlagestrategen zunehmend optimistisch für US-Aktien – auch wenn eine Korrektur aus ihrer Sicht gesund wäre. Eine der einflussreichsten Stimmen an der Wall Street, Mike Wilson, Chefaktienstratege von Morgan Stanley, erklärte gegenüber Bloomberg: „Wir glauben, dass der Bärenmarkt im April endete, er war wirklich übel. Jetzt befinden wir uns in einem neuen Bullenmarkt.“ Laut Wilson stimmen die Bedingungen: ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis, nach oben angepasste Gewinnprognosen vor allem in Industrie, Finanz- und Technologiesektoren. Zudem seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstig. „Jahrelang haben wir über eine Rendite von 4,5 Prozent bei US-Staatsanleihen gesprochen, die Aktienbewertungen nicht mögen. 4,23 Prozent sehen gut aus. Damit der Bullenmarkt anhält, brauchen wir Gewinnwachstum – das ist vorhanden –, und eine Geldpolitik, die es nicht abwürgt. Sowohl fiskal- als auch geldpolitisch sieht es gut aus. Alles deutet darauf hin, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinssenkung sein wird“, so Wilson.

Morgan Stanley hatte jedoch bereits vor einer bevorstehenden Korrektur gewarnt, die man zum Einstieg nutzen solle. „Volatilität ist in Bären- wie in Bullenmärkten normal. Eine Konsolidierung oder ein Rücksetzer im dritten Quartal wäre gesund – und eine Kaufgelegenheit“, erklärte er. Gleichzeitig räumte er ein, dass es in manchen Marktsegmenten Gier gebe, etwa bei Titeln wie Palantir.

Zinsfantasie und Blasengefahr an den US-Börsen – Goldman Sachs und UBS warnen

Nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten rechnen die Märkte nun zu rund 90 Prozent mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte im September – vor einer Woche waren es weniger als 40 Prozent. Insgesamt werden bis Mitte nächsten Jahres 100 Basispunkte Rückgang eingepreist. Société Générale warnt: Ein zu schneller Zinsschnitt könnte den S&P 500 in eine Blase treiben. Kritisch werde es bei 7.500 Punkten – rund 18 Prozent über dem aktuellen Niveau. Das Basisszenario des französischen Bankhauses sieht für Jahresende 6.900 Punkte vor, was knapp 9 Prozent Potenzial bedeutet.

Trotz der Rekordnähe blendeten Anleger Rezessionsrisiken aus, warnt Goldman Sachs. Die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession liege bei 30 Prozent – eine „rote Flagge“. Doch der Fokus der Investoren liege stärker auf Liquidität, Wachstumstreibern wie Künstlicher Intelligenz und Steueranreizen. Die UBS sieht Risiken für den Dollar durch die schwächelnde Arbeitsmarktlage, Personalwechsel bei der Fed und im Bureau of Labor Statistics. Präsident Trump hatte die Leiterin der Behörde nach einer negativen Revision der Beschäftigungszahlen entlassen, zudem trat ein Fed-Direktor zurück – was Trump eine Neubesetzung ermöglicht. Diese Vorgänge wecken Sorgen über die Unabhängigkeit zentraler US-Institutionen.

Novo Nordisk-Aktie unter Druck

Einer der auffälligsten Titel der vergangenen Woche war die Novo Nordisk-Aktie, die nach gesenkter Jahresprognose auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren fiel. Seit Jahresbeginn hat die Novo Nordisk-Aktie fast 50 Prozent verloren. Der Grund für den kräftigen Kursrutsch ist eine Analysteneinstufung: Die UBS stufte die Anteilsscheine des dänischen Konzerns von „Kaufen“ auf „Neutral“ herab.

Begründet wird dies mit starkem Wettbewerb durch Generikahersteller von GLP-1-Präparaten in den USA – dem Hauptmarkt der Dänen für Adipositasmedikamente. Analyst Matthew Weston von UBS erklärte: „Wir sehen keine Wachstumskatalysatoren, abgesehen von einer theoretisch großen unbefriedigten Nachfrage im Markt für Adipositasmedikamente.“ Die Nachfrage nach „Ozempic“ lasse nach, trotz starker Markenbekanntheit. Konkurrenzprodukt „Mounjaro“ des US-Herstellers Eli Lilly finde deutlich besseren Anklang bei Ärzten. Ein möglicher Schub könnte von Trumps Vorschlag kommen, GLP-1-Mittel zur Adipositasbehandlung in Medicare zu erstatten. Gleichzeitig verschickte Trump jedoch Briefe an Pharmakonzerne – darunter Novo Nordisk – mit der Aufforderung, die Medikamentenpreise in den USA zu senken. Dies könnte für die Novo Nordisk-Aktie weitere Belastungen bedeuten.

Novo Nordisk-Aktie aktuell volatil: Wie geht es weiter?

Seit Wochen steht die Novo Nordisk‑Aktie unter erheblichem Druck, auch wenn nun eine Stabilisierung erkennbar scheint. Diese schwierige Situation für das Unternehmen und die Investoren spiegelt sich auch in den uneinheitlichen Analystenbewertungen wider: So hat HSBC erst vor wenigen Tagen das Kursziel von DKK 340 auf DKK 355 erhöht und signalisiert damit rund 11 Prozent Aufwärtspotenzial, hält jedoch an der Einschätzung „Halten“ fest und verweist auf Unsicherheiten im Markt für orales Semaglutid sowie regulatorische Risiken bei Kopien (sogenannten Compounders).

Auf Unternehmensebene sorgt der vergangene Quartalsbericht für weitere Verunsicherung: Novo Nordisk senkte die Umsatz- und Gewinnprognosen erneut – das Umsatzwachstum für 2025 liegt nun bei 8 bis 14 Prozent statt zuvor erwarteter 13 bis 21 Prozent. Im Zuge dessen wurde Maziar Mike Doustdar zum neuen CEO ernannt (am 7. August), um die Strategie zu stabilisieren, Personalabbau nicht ausgeschlossen. Zudem intensiviert Novo Nordisk juristische Maßnahmen gegen Anbieter von Wegovy‑Kopien: In den USA wurden mehr als 130 Klagen eingereicht, um Marktanteile zu verteidigen – besonders gegen Compounder, wobei Hims & Hers bislang außen vor bleibt.

Die Bewertung bleibt aktuell defensiv, mit „Halten“-Bias und reduziertem Kurspotenzial bei den meisten Analysen. Strategisch setzt das Management auf Kostensenkungen, rechtliche Abwehr gegen Wettbewerber und eine Führungsumstellung – Maßnahmen, die mittel- bis langfristig wieder Vertrauen schaffen könnten.

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