Finanzen

KI-Sektor nicht nur Nvidia: Wo Anleger Wachstumspotenzial finden können

KI ist mehr als Nvidia – doch ohne Strom, Daten und Infrastruktur droht der Hype zu platzen, warnt Kapitalmarktprofi Mantvidas Žėkas und zeigt, wo Anleger wirklich zugreifen sollten.
11.08.2025 14:22
Lesezeit: 3 min

Strom als Nadelöhr der globalen KI-Expansion

„Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) hat in letzter Zeit besonders viel Aufmerksamkeit erhalten – und ich denke, nicht ohne Grund“, sagt Mantvidas Žėkas, Leiter des Bereichs Kapitalmärkte bei Orion Securities. Er verweist auf Segmente und Unternehmen in diesem Sektor, die über Wachstumspotenzial verfügen und von denen Investoren profitieren könnten. Über diese Perspektiven sprach Žėkas im Juni auf dem von Verslo žinios organisierten Investorenfestival „Mano pinigai“.

„Früher war der Begriff KI eher aus der Science-Fiction bekannt – heute nutzen wir verschiedenste KI-Tools täglich“, so der Kapitalmarktprofi. Im weitesten Sinne sei KI der Versuch eines Computers, menschliches Denken zu imitieren – etwa wenn ein Smartphone die Stimme oder das Gesicht einer Person erkennt. Maschinelles Lernen ist ein Teilbereich der KI, bei dem ein Computer aus Daten lernt, ohne klare Anweisungen zu erhalten. Etwa ein System, das große Mengen an E-Mails analysiert und Spam erkennt. Am tiefsten und komplexesten ist das sogenannte Deep Learning, das auf künstlichen neuronalen Netzen basiert – Strukturen, die vom menschlichen Gehirn inspiriert sind. Diese Technik ermöglicht etwa selbstfahrenden Autos, Verkehrsschilder, Fußgänger und Hindernisse zu erkennen.

Die Königin Nvidia

Für viele ist KI gleichbedeutend mit Nvidia – und das aus gutem Grund. Im Juli erreichte Nvidia als erstes Unternehmen der Geschichte eine Marktkapitalisierung von 4 Billionen US-Dollar. Der Aufstieg gehört zu den rasantesten an der Wall Street: Drei Jahrzehnte brauchte der Konzern für den Sprung auf 1 Billion Dollar – nur zwei Jahre später sind es bereits 4 Billionen. Heute ist Nvidia das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Wert der Aktie verfünfzehnfacht. Hauptgrund laut Žėkas: Die Chips von Nvidia sind ideal für KI-Berechnungen geeignet. Hinzu kommt, dass der Marktanteil bei diskreten Grafikprozessoren (GPU) auf 92 % gestiegen ist. Nvidia dominiert den GPU-Markt – doch KI ist mehr als nur Chips. „Ich habe ein Schema erstellt, das die verschiedenen Bausteine der KI zeigt – von Halbleitern bis zu Cloud-Infrastruktur. Nvidia deckt fast alles ab, außer Lieferketten und Labeling-Services“, so Žėkas.

Wer Chips entwirft – und wer sie fertigt

Das Fundament der KI-Wertschöpfungskette bilden Halbleiter – die „Gehirne“ der Algorithmen. An der Spitze stehen Nvidia, gefolgt von AMD, Intel, Alphabet u. a. Als Marktstandard gilt derzeit der Nvidia-Chip H100. Žėkas betont: Nvidia und AMD entwerfen Chips, gefertigt werden sie jedoch von Auftragsherstellern – allen voran TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) mit rund 68 % Marktanteil. Die niederländische ASML liefert als einziger Anbieter EUV-Lithografiemaschinen, die für die Produktion moderner Chips unverzichtbar sind. Deren Marktanteil liegt bei 80–90 %.

Cloud-Zentren und der Faktor Strom

KI benötigt enorme Rechenleistung und Datenmengen – beides bieten Cloud-Zentren. Die größten Betreiber sind Amazon, Microsoft und Alphabet. Allein 2024 wollen die vier führenden Player – Amazon AWS, Microsoft, Alphabet und Meta – insgesamt rund 300 Mrd. USD in KI und Rechenzentren investieren. „Das größte Nadelöhr in dieser gesamten Ökosphäre ist nicht der Chip, sondern der Strom. US-Rechenzentren verbrauchen etwa doppelt so viel Energie wie die in Europa – und der Bedarf dürfte sich bis 2030 verdoppeln oder verdreifachen“, sagt Žėkas. Standortwahl, mehrere Versorger und stabile Netze seien entscheidend. Unternehmen begegneten Engpässen mit erneuerbaren Energien, Mini-Reaktoren oder mehreren Lieferanten.

Modellentwickler und Enabler

Die Hauptentwickler großer KI-Modelle sind private Firmen wie OpenAI, Google DeepMind oder Anthropic – nicht börsennotiert, aber teils mit großen Konzernen verbunden. Žėkas erinnert an den Palantir-Börsengang vor fünf Jahren, als die Aktie bei 10 USD notierte und heute bei rund 170 USD steht: „Das Potenzial für einen neuen Hype ist riesig.“ Enabler sind Dienstleister, die KI-Entwicklung und -Training ermöglichen – also eine Art Zwischenstufe der Wertschöpfung. Auch Datendienste werden zugekauft – bekannt ist hier etwa Thomson Reuters.

Infrastruktur als Schlüsselfaktor

Žėkas vergleicht Unternehmen, die einfache, aber unverzichtbare Bauteile für Cloud-Infrastruktur liefern – etwa Kühlsysteme oder Steckverbinder – mit „Schaufelherstellern im Goldrausch“. Fazit: Anleger sollten bei KI auf Infrastruktur achten. „So langweilig es klingen mag – fehlt die Infrastruktur, bremst das die Expansion. Strompreise können entscheiden, ob ein Unternehmen Gewinne erzielt oder hinter den Erwartungen zurückbleibt.“ Žėkas’ Prioritätenliste: 1. Strom, 2. Daten, 3. Hardware, 4. Software.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter
10.03.2026

Die Angriffe im Iran eskalieren weiter, während Trump ein baldiges Kriegsende signalisiert. Gleichzeitig spitzt sich die Lage für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boom der Abnehmmedikamente: Trend verstärkt soziale Ungleichheit in der Gesundheitsbranche
10.03.2026

Abnehmmedikamente wie Ozempic verändern die Behandlung von Adipositas und verschärfen zugleich die Debatte über soziale Ungleichheit im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
10.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...

DWN
Technologie
Technologie Von der Leyen kündigt Strategie für Kernenergie-Ausbau an
10.03.2026

Europa will bei der Kernenergie aufholen: Eine neue Strategie für kleine Reaktoren soll Innovationen vorantreiben und die Stromversorgung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spannungen im Persischen Golf: Wie der Iran-Krieg die Energiemärkte belastet
10.03.2026

Der Iran-Krieg erhöht den Druck auf Energiepreise, Finanzmärkte und globale Kapitalströme. Welche Märkte, Branchen und Regionen sind...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab
10.03.2026

Die Gründer von Biontech treten ab und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Für die Biontech-Aktie beginnt eine neue Phase, geprägt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kreditvergabe: Banken werden strenger – wie Unternehmen dennoch an Geld kommen
10.03.2026

Banken verschärfen derzeit die Kreditvergabe – und ausgerechnet innovative Unternehmen geraten dabei nicht selten ungewollt ins...

DWN
Panorama
Panorama Evakuierungsflüge: Vollkasko oder staatliche Pflicht?
10.03.2026

Nach dem US-israelischen Angriff auf Iran sitzen tausende Urlauber in der Krisenregion Nahost fest. Nicht wenige hoffen auf staatliche...