Technologie

Laser gegen Putins Drohnen: Europas Hightech-Antwort auf den Krieg

Während russische Drohnen den Himmel über Europa testen, setzen die Ukraine und die EU auf eine futuristische Waffe: Laser, die für wenige Cent tödlich präzise zuschlagen – und Putins Kriegsgerät in Sekunden neutralisieren.
16.08.2025 07:17
Lesezeit: 3 min

Laserabwehr: Gezielte Energie als Gamechanger in der Drohnenabwehr

Am frühen Morgen des 28. Juli drang eine Drohne aus Belarus in den litauischen Luftraum ein – sie alarmierte nicht nur die Sicherheitsdienste, sondern auch zahlreiche Bürger, die den Überflug über Wohngebiete beobachteten. Es war bereits der zweite Luftraumverstoß im Juli. Die Suche dauerte mehr als zwei Wochen, bis die mit Sprengstoff bestückte Drohne am 5. August schließlich auf dem Truppenübungsplatz Gaižiūnai im Kreis Jonava gefunden wurde. Während der Suche sorgten Meldungen der Behörden, wonach Pilzsammler den Flugkörper entdecken könnten, für hochgezogene Augenbrauen. Verteidigungs- und Außenminister forderten den Einsatz von Anti-Drohnen-Kapazitäten im Land. „Wir werden darum bitten, über die Stationierung zusätzlicher Kapazitäten, auch experimenteller, in unserem Hoheitsgebiet zu sprechen und zu erproben, wie man unter sich verändernden Bedingungen handeln könnte“, erklärte Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė laut BNS.

In Litauen und ganz Europa wird darüber beraten, wie sich modernere Luftabwehr- und Anti-Drohnen-Systeme entwickeln und kommerziell in großem Maßstab umsetzen lassen. Dabei rücken auch Laser in den Fokus – eine Technologie, für die Litauen weltweit bekannt ist. Die Ukraine erklärte im vergangenen Jahr, ein neuartiges Waffensystem namens „Tryzub“ entwickelt zu haben, das laut Kiew in der Lage sei, mit einem Laser Ziele in über zwei Kilometern Entfernung abzuschießen. Erstmals wurde „Tryzub“ Ende vergangenen Jahres bei einer Konferenz für Verteidigungstechnologien in Kiew erwähnt – durch Oberst Vadym Sucharewskyj, den Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheiten. Kiew gibt Informationen zu „Tryzub“ nur äußerst dosiert preis. Militäranalysten erklärten gegenüber CNN, es sei trotz der knappen Informationen gut möglich, dass die Ukraine tatsächlich ein solches System entwickelt habe. „Ich wiederhole – Lasertechnologien zerstören bereits in bestimmter Höhe Objekte“, sagte Sucharewskyj im Februar zu Radio Free Europe.

Laserwaffe „TALOS-Two“

Laser gehören zu den sogenannten „directed-energy weapons“ (gerichtete Energiewaffen), die konzentrierte elektromagnetische Energie anstelle von Geschossen nutzen. Die Energie – hier aus einer Laserquelle – wird kontinuierlich auf das Ziel gerichtet und zerstört es durch Hitze oder neutralisiert entscheidende Komponenten, sodass es funktionsunfähig wird. Laut Dr. Vytautas Jukna, Professor an der Fakultät für Physik der Universität Vilnius, werden für größere Ziele mehrere Hundert Kilowatt Leistung benötigt, für Drohnen möglicherweise weniger. „Drohnen fliegen meist nicht autonom per GPS, sondern werden per Kamera gesteuert. Zerstören wir die Kamera, kann der Operator das Gerät nicht mehr steuern. Abschuss bedeutet nicht zwingend Verbrennung“, so Jukna gegenüber Verslo žinios. Anti-Drohnen-Laser entwickeln nicht nur die Ukraine, sondern auch britische und australische Firmen. Die Nachfrage steigt parallel zum massenhaften Einsatz von Drohnen im Krieg – besonders deutlich seit Beginn der russischen Großoffensive vor dreieinhalb Jahren.

Die EU will in diesem Bereich nicht zurückfallen. Unter dem Eindruck der russischen Aggression sucht sie Wege, um die Abhängigkeit von US-Technologie zu verringern und die eigene Rüstungsindustrie zu stärken. Das EU-Projekt „TALOS-Two“ mit einem Volumen von 25 Millionen Euro hat das Ziel, bis 2030 vollständig in Europa produzierte Laserwaffen mit 100 kW Leistung zu entwickeln. In diesem Jahr gab auch das litauische Unternehmen Altechna seine Teilnahme bekannt. Altechna-Chef Antanas Laurutis erklärt, Laser-Abwehrsysteme gebe es in verschiedenen Leistungsstufen von 10 bis 100 kW. „Mit einem 100-kW-Laser kann man im Prinzip Drohnen oder sogar Raketen abschießen. Solche Systeme sind derzeit selten, sehr teuer und praktisch nur in Kriegsgebieten einsetzbar.“ Die Technik sei entwickelt, nun gehe es um Präzision und Anpassung an Bedingungen wie Regen oder Nebel. Laurutis: „Große 100-kW-Systeme existieren und werden eingesetzt. Interessant wird sein, ob kleinere, leichtere und breiter nutzbare Systeme entstehen. Das ukrainische ‚Tryzub‘ ist wohl eines der wenigen bekannten Beispiele.“

Laser ist unerschöpfliche Munition

Laserwaffen haben Vorteile: Die Kosten pro Schuss sind niedrig, Munition oder Raketen gehen nicht aus. „Die Systeme sind teuer, aber ihre Entwicklung ist eher eine Ingenieurs- als eine wissenschaftliche Aufgabe“, so Jukna. Teuer seien vor allem die ersten Prototypen, später sinken die Kosten mit der Serienfertigung. Er erwartet vor allem defensive Anwendungen. Auch Laurutis sieht Einsatzorte bei strategisch wichtigen Objekten: „Bei den aktuellen Kosten kann man nicht das ganze Land abdecken. Aber an kritischen Punkten würden solche Waffen Vorteile bringen und Ressourcen sparen.“

Die australische Rüstungstechnologiefirma Electro Optic Systems (EOS) erhielt kürzlich einen Auftrag über 71,4 Millionen Euro von einem NATO-Staat für Anti-Drohnen-Laser – der weltweit erste Exportauftrag für ein 100-kW-System. EOS-Chef Andreas Schwer erklärte, das System könne bis zu 20 Drohnen pro Minute abschießen, treffe in Lichtgeschwindigkeit und neutralisiere Ziele in ein bis zwei Sekunden. „Abwehrraketen kosten 0,5 bis 2 Millionen US-Dollar pro Schuss. Ein Laserschuss kostet weniger als zehn Cent“, zitierte ihn news.com.au. Kein Wunder, dass sich auch die von Munitionsmangel betroffene Ukraine verstärkt für Laser interessiert. Litauens Lasersektor genießt seit Jahren Weltruf, wurde jedoch bislang vor allem für Industrie und Wissenschaft eingesetzt. Laurutis betont, dass eine Umorientierung möglich sei – er verweist auf vorhandene Mechanik-, Elektronik- und Optikkompetenz im Land, aber fehlendes Know-how bei Integration, Software und Systementwicklung. Große Projekte entstehen selten allein – auch im „TALOS-Two“-Programm arbeiten Konzerne wie Rheinmetall oder Leonardo mit. Jukna begrüßt solche Initiativen und hofft, dass Litauen künftig nicht nur Optik, sondern auch Laserquellen selbst herstellt. „Der Abschussradius ist klein, aber die Systeme könnten effektiv sein. Wir wollen zeigen, dass wir ein Laserland sind“, so Jukna.

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