Finanzen

Commerzbank-Aktie: Unicredit baut Anteil aus – Druck auf Bundesregierung wächst

Die italienische Großbank Unicredit hat ihren Anteil an der Commerzbank-Aktie erneut aufgestockt und rückt damit einer möglichen Übernahme näher. Vorstandschef Andrea Orcel lässt sich dabei auch von politischen Vorbehalten in Deutschland nicht bremsen. Mit dem wachsenden Einfluss der Mailänder Bank steigt der Druck auf Berlin, zu einer klaren Haltung in der Zukunftsfrage der teilverstaatlichten Commerzbank zu finden.
25.08.2025 10:52
Lesezeit: 2 min
Commerzbank-Aktie: Unicredit baut Anteil aus – Druck auf Bundesregierung wächst
Die Unicredit hatte im September den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen (Foto: dpa).

Unicredit mit Kurs auf Übernahmeangebot

Die Unicredit steuert bei der Commerzbank-Aktie auf ein Übernahmeangebot zu: Die italienische Großbank hat ihren direkten Aktienanteil an Deutschlands zweitgrößter Privatbank nach eigenen Angaben auf rund 26 Prozent erhöht.

Zugleich kündigte das Mailänder Institut erneut an, ihre verbleibenden Finanzinstrumente „zu gegebener Zeit“ ebenfalls in Commerzbank-Aktien umzuwandeln, womit sich der Anteil auf etwa 29 Prozent summieren würde. Wird die 30-Prozent-Marke überschritten, wäre die Unicredit gesetzlich verpflichtet, den übrigen Anteilseignern des Frankfurter Dax-Konzerns ein offizielles Kaufangebot vorzulegen.

Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt unbeeindruckt von allen Widerständen in Deutschland seit Herbst für die Vorzüge eines grenzüberschreitenden Zusammenschlusses: Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, sieht Chancen im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden. In Deutschland sind die Sorgen groß, dass eine Fusion Stellenabbau und Filialschließungen bedeuten würde.

Die Unicredit stärke ihre Position als größter Einzelaktionär der Commerzbank, teilten die Italiener weiter mit. Obwohl das Institut derzeit nicht beabsichtige, sich in den Vorstand zu berufen, werde es die Fortschritte der Commerzbank bei der nachhaltigen Stärkung ihres Geschäfts und der Wertschöpfung weiter aufmerksam beobachten. Die bisherigen Investitionen hätten einen erheblichen Mehrwert für die Unicredit-Aktionäre geschaffen, so die Bank. „Wir sind zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzt.“

Mit Einstieg im Herbst den Bund überrascht

Die Unicredit hatte im September den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Neben einer direkten Beteiligung von zunächst knapp unter 10 Prozent sicherten sich die Italiener über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere fast 19 Prozent.

Anfang Juli wandelte die Unicredit gut die Hälfte dieser Finanzinstrumente in Aktien um und überholte mit dann rund 20 Prozent den Bund als größten Commerzbank-Aktionär. Der deutsche Staat, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile und schloss zuletzt weitere Aktienverkäufe aus.

„Feindlich“ und „unfreundlich“

Sowohl bei der Commerzbank als auch in der Bundesregierung beißt Orcel auf Granit. Vorstand und Betriebsrat der Commerzbank bezeichneten das Vorgehen der Italiener wiederholt als „feindlich“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte, die Bundesregierung setze auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“. Das Finanzministerium lehnte im Namen der schwarz-roten Koalition das „unabgestimmte und unfreundliche“ Vorgehen der Unicredit ab.

Die Commerzbank um Konzernchefin Bettina Orlopp will mit dem Abbau Tausender Jobs und steigenden Gewinnen ihre Eigenständigkeit retten. Nach einem Rekordgewinn von knapp 2,7 Milliarden Euro 2024 soll der Überschuss bis 2028 auf 4,2 Milliarden Euro wachsen. Die Eigenkapitalrendite will das Management von 9,2 Prozent 2024 auf 15 Prozent 2028 steigern. Die Aktionäre sollen zudem mit steigenden Dividenden bei Laune gehalten werden.

Rückenwind von Behörden

Widerstand gegen eine Übernahme von Aufsehern und Wettbewerbshütern muss Unicredit-Chef Orcel nicht befürchten. Das Bundeskartellamt, das wie die Europäische Zentralbank der Unicredit grünes Licht für eine Aufstockung des Commerzbank-Anteils auf knapp unter 30 Prozent gegeben hatte, zumindest würde den Italienern wohl keine Steine in den Weg legen.

Erinnerungen an frühere Großfusionen werden wach

Eine Übernahme der Commerzbank wäre der größte Deal in der Branche mit deutscher Beteiligung seit Jahren. Im Spätsommer 2008, mitten in der Finanzkrise, kaufte die Commerzbank die kriselnde Dresdner Bank - und brauchte Jahre, um das zu verdauen.

Auch die Integration der Postbank in die Deutsche Bank zog sich über Jahre - mit etlichen Höhen und Tiefen: 2008 stieg die Deutsche Bank bei der Postbank ein und sicherte sich Ende 2010 die Mehrheit. Im August 2015 wurden die verbliebenen Postbank-Aktionäre gegen Barabfindung aus dem Unternehmen gedrängt. Der von der Politik unterstützte Versuch, aus Deutscher Bank und Commerzbank einen „nationalen Champion“ zu formen, scheiterte im Frühjahr 2019.

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