Politik

EU-Asylagentur: Deutschland bei Asylanträgen nicht mehr führend

Seit mehr als zehn Jahren lag Deutschland bei Asylanträgen in Europa unangefochten an der Spitze. Nun übernehmen Frankreich und Spanien die Führung. Welche Ursachen haben den Rückgang ausgelöst, und welche politischen Fragen zur Migration stellen sich Europa jetzt dringlicher denn je?
08.09.2025 13:37
Lesezeit: 2 min
EU-Asylagentur: Deutschland bei Asylanträgen nicht mehr führend
Beamte der Bundespolizei überwachen die Einreise an einem Grenzübergang: Deutschland ist nicht mehr führend bei Asylanträgen (Foto: dpa).

Deutschland bei Asylanträgen nicht mehr führend

Seit 2012 lag die Bundesrepublik in der EU jedes Jahr an der Spitze. Jetzt sind Frankreich und Spanien vorn. Nach dem politischen Wechsel in Syrien sinken die Zahlen insgesamt deutlich.

Deutschland nimmt erstmals seit mehr als zehn Jahren in Europa nicht mehr den Spitzenplatz bei neuen Asylanträgen ein. Im ersten Halbjahr registrierte die EU-Asylagentur 70.000 Anträge von Migranten in Deutschland. Damit liegt die Bundesrepublik auf Rang drei innerhalb der EU hinter Frankreich (78.000) und Spanien (77.000).

Die Behörde führt den Rückgang insbesondere darauf zurück, dass nach dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember weniger Menschen aus Syrien fliehen. Die Gesamtzahl neuer Asylbewerber in der Europäischen Union sowie in Norwegen und der Schweiz nahm ebenfalls ab. Die EU-Asylagentur EUAA hat ihren Sitz auf Malta.

Asylanträge in Deutschland: Rückgang um 43 Prozent

Von Januar bis Ende Juni wurden in der Gruppe von 29 Ländern (EU+) insgesamt 399.000 neue Anträge gestellt. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2024 ist das ein Minus von 114.000 beziehungsweise 23 Prozent. Hinter Frankreich, Spanien und Deutschland folgt Italien mit 64.000 neuen Asylanträgen. Seit 2012 hatte Deutschland diese Statistik stets angeführt.

Mit Ausnahme von Frankreich gingen die Zahlen in allen großen Zielländern zurück: besonders stark in Deutschland (minus 43 Prozent), dazu in Italien (minus 25 Prozent) und Spanien (minus 13 Prozent). Von den Migranten aus Venezuela stellten fast alle ihren Antrag in Spanien, wo die gleiche Sprache gesprochen wird. Großbritannien ist nach dem EU-Austritt nicht mehr in dieser Statistik vertreten.

Meiste Neuanträge aus Venezuela

Der Sturz des syrischen Machthabers al-Assad im Dezember wirkte sich auch auf die gesamte Entwicklung aus. Erstmals seit einem Jahrzehnt kamen die meisten neuen Asylbewerber (25.000) nicht aus Syrien, sondern aus Venezuela (49.000) in Südamerika. Aus Afghanistan beantragten 42.000 Personen Asyl.

Der Umgang mit Migration ist seit Jahrzehnten ein zentrales Streitthema der europäischen Politik. Die EU arbeitet inzwischen mit nordafrikanischen Staaten zusammen, um Migranten von der Überfahrt nach Europa abzuhalten. Immer wieder kommt es dabei zu tragischen Katastrophen, wenn kaum seetüchtige Boote das Mittelmeer erreichen wollen.

EU-Kommissar Magnus Brunner sprach in Brüssel von einem "Ergebnis einer konsequenteren Politik". Effizientere Verfahren erlaubten es, aussichtslose Asylanträge schneller zu bearbeiten. Nun müsse die Kooperation mit Drittstaaten verbessert werden, "damit Rückführungen tatsächlich greifen und unsere Asylsysteme entlastet werden".

Nur jeder vierte Asylantrag erfolgreich

Die sogenannte Anerkennungsquote fiel laut der EU-Asylagentur EUAA auf den niedrigsten Wert überhaupt: Nur jeder vierte Erstantrag (25 Prozent) erhielt Zustimmung. Dennoch besteht ein riesiger Rückstand: Ende Juni waren über mehr als 900.000 Asylanträge in erster Instanz noch nicht entschieden. Weil Rechtsmittel möglich sind, stehen insgesamt rund 1,3 Millionen Verfahren aus.

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