Politik

Nato rüstet auf: Bündnis verstärkt Luftabwehr wegen russischer Drohnen

Angesichts wiederholter mutmaßlicher Verletzungen des Nato-Luftraums durch russische Militärdrohnen intensivieren die Bündnisstaaten ihre Planungen für eine stärkere Sicherung der Ostflanke. Militärstrategen prüfen derzeit eilig zusätzliche Schutzmaßnahmen – darunter Konzepte wie „Himmelsfestungen“ und Abfangdrohnen –, um die Luftverteidigung zu modernisieren und flexibler auf Bedrohungen reagieren zu können.
15.09.2025 09:03
Aktualisiert: 15.09.2025 09:03
Lesezeit: 2 min
Nato rüstet auf: Bündnis verstärkt Luftabwehr wegen russischer Drohnen
Der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa (SACEUR), General Alexus G. Grynkewich, spricht zu den Medien im NATO-Hauptquartier (Foto: dpa). Foto: Virginia Mayo

Zunehmende Drohnengefahr

Hintergrund sind nicht nur die zunehmenden russischen Aktivitäten an den Grenzen, sondern auch die Erfahrungen aus dem ukrainischen Abwehrkampf, aus denen kurzfristig weitere Lehren gezogen werden sollen.

Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur), Alexus Grynkewich, und Generalsekretär Mark Rutte hatten am Freitag auf einer Pressekonferenz die Operation mit dem Namen "Eastern Sentry" (deutsch etwa: Wächter des Ostens) ausgerufen. Ziel ist es, mit einer gemeinsamen Anstrengung zusätzliche Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten zum Einsatz zu bringen.

Schon am Wochenende gab es weitere Vorfälle: Nach dem Abschuss russischer Drohnen mussten in Polen sowie in Rumänien Kampfflugzeuge wegen Drohnengefahr zu Alarmstarts aufsteigen, Luftverteidigungsstellungen wurden in höchste Bereitschaft versetzt.

Die Planer prüfen nun eine Reihe von Optionen:

Von der Ukraine lernen mit dem "Sky Fortress"

Die Ukraine hat mit dem System "Himmelsfestung" auf russische Angriffsdrohnen reagiert, deren Zahl immer mehr zugenommen hat. Die russischen Einwegsysteme - billig, klein, langsam und tieffliegend - werden über ein Netzwerk aus tausenden Mikrofonen geortet und über ihre akustische Signatur für den Abschuss lokalisiert.

In der Ukraine kommen dabei auch mobile Trupps auf Pritschenwagen zum Einsatz, die aus Maschinengewehren und Maschinenkanonen mit Nachtsichtoptiken feuern.

Die Nato hat das System "Sky Fortress" bereits 2024 getestet. In Estland sind noch Erprobungsgeräte eingelagert. Denkbar sind auch andere oder zusätzliche Sensoren, um frühzeitig und genauer ein Lagebild über anfliegende Drohnen zu haben.

Start-ups: Mit Drohnen gegen Drohnen kämpfen

In mehreren europäischen Staaten gibt es junge Unternehmen, die Abfangdrohnen entwickelt haben. Zivile Technologien, die auf Risikominimierung setzen müssen, werfen Netze auf gegnerische Drohnen ab. Technisch möglich sind auch Waffen, die angreifende Flugkörper durch Störsender neutralisieren oder in der Luft zerstören.

So hat das schwedische Start-up Nordic Air Defence seine Abfangdrohne Krueger100 vorgestellt, die KI-unterstützt und mit Infrarotsucher ausgestattet mehr als Tempo 270 km/h im Anflug auf das Ziel erreichen soll.

Überlegt wird, ob es in der Nato Geldgeber für eilige Käufe neuer Waffentechnologien gibt. Das Bündnis hat einen Zahlungsmechanismus für Sofortbedarf zur kurzfristigen Beschaffung neuer Technologien ("crisis urgent requirement").

Drohnenabwehr der neuen Generation:

Tieffliegende Bedrohungen zu bekämpfen war das Geschäft der Heeresflugabwehr, die in der Bundeswehr abgeschafft und nun wieder aufgebaut werden soll. Für die Bundeswehr wurden dafür zunächst 18 Flugabwehrsysteme vom Typ Skyranger bestellt.

Das mobile Flugabwehrsystem ist auf Fahrzeugen montiert. Drohnen werden erfasst und können aus einem Bedienraum mit einer 30-Millimeter-Revolverkanone bekämpft werden. Die Technik gibt es auch in Modulen, die abgesetzt werden können. Vertraglich vereinbart ist eine Lieferung bis 2028, zudem gibt es in der Bundeswehr ein Erprobungsmodell. Die SPD fordert, die Bestellung jetzt auszuweiten.

Wie geht es weiter?

Dass Nato-Staaten russische Kamikaze-Drohnen mit Hochwertsystemen - Kampfjets und Lenkflugkörpern - bekämpfen müssen, zeigt, dass das Bündnis auf derartige Bedrohungen nicht optimal vorbereitet ist. Vor allem die teuren Lenkflugkörper sind eine Mangelware, bei der militärökonomisch verhindert werden muss, dass Streitkräfte sich "leer schießen".

Die Planung für den weiteren Aufbau der Flugabwehr gegen Drohnen und auch ganze Drohnenschwärme aus Russland läuft im zentralen Luftwaffenhauptquartier der Nato (Aircom) im rheinland-pfälzischen Ramstein.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen forderte ein Beschaffungsprogramm für Abwehrdrohnen. Er sagte der "Rheinischen Post", Deutschland sei auf dem Gebiet "nahezu blank". Röttgen forderte: "Die Bundesregierung muss hier schnellstens ein Beschaffungsprogramm auflegen."

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterstrich die Bedeutung von Drohnen bei der Verteidigung und bot der Nato Unterstützung an. Die Ukraine sei bereit, ihre Erfahrungen zu teilen. "Wir sind bereit, alle Partner in dieser Verteidigung zu schulen", sagte Selenskyj. "Alle sehen, dass die Russen nach Möglichkeiten suchen, den Krieg auf das Gebiet Polens und der baltischen Staaten auszuweiten, die russische Armee testet auch Rumänien." Zwar habe die Nato effektive Abwehrwaffen, doch habe die Ukraine "wesentlich kostengünstigere, massivere und systematischere Lösungen" entwickelt.

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