Politik

Fed senkt Leitzins: Trump drängt auf geldpolitischen Kurswechsel

Die US-Notenbank senkt erstmals seit Ende 2024 den Leitzins – ein Schritt, der tief in die innenpolitische Auseinandersetzung hineinragt. Arbeitsmarktsorgen, steigende Preise und ein unberechenbarer Präsident machen die Entscheidung brisant. Doch wie unabhängig kann die Fed noch agieren, wenn Donald Trump Druck aufbaut und eigene Vertraute in Schlüsselpositionen setzt?
18.09.2025 08:37
Aktualisiert: 18.09.2025 08:37
Lesezeit: 4 min

Trump und Arbeitsmarktsorgen: Warum die Fed den Zins senkt

Erstmals seit Dezember 2024 rührt die US-Notenbank wieder am Leitzins. Warum gerade jetzt – und was hat der Präsident damit zu tun?

Die US-Notenbank hat erstmals seit Dezember 2024 den Leitzins gesenkt. Dieser liegt nun in der Spanne von 4,0 bis 4,25 Prozent und damit an beiden Enden 0,25 Prozentpunkte niedriger als bisher. Viele Analysten hatten sich bereits darauf eingestellt: Zuletzt bereitete die Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt Experten Sorgen. US-Präsident Donald Trump hatte zudem vehement auf einen niedrigeren Zins gedrängt – welche Rolle spielte das bei der jetzigen Entscheidung und ist der Machtkampf zwischen dem Republikaner und der Fed entschieden? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie wirkt sich die Entscheidung auf den US-Arbeitsmarkt aus?

Der US-Arbeitsmarkt blieb zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Zudem wurde das Beschäftigungswachstum in den zwölf Monaten bis März 2025 um 911.000 Jobs nach unten revidiert – eine ungewöhnlich große Korrektur. All das ließ aufhorchen, die Angst vor einer steigenden Arbeitslosigkeit in den USA wuchs. Genau dem will die Fed mit einer Zinssenkung entgegenwirken.

Niedrigere Zinsen machen Kredite für Firmen und Verbraucher tendenziell günstiger. Mehr Geld im Umlauf kann wiederum die Wirtschaft ankurbeln und dadurch Arbeitsplätze schaffen. Vor allem für jüngere Erwachsene und Minderheiten sieht Fed-Chef Jerome Powell Herausforderungen bei der Suche nach Arbeit. "Die Gesamtquote, einen Job zu finden, ist äußerst niedrig", sagte er am Mittwoch (Ortszeit). Zugleich gebe es weniger Entlassungen, betonte er. Mit Blick auf das verlangsamte Beschäftigungswachstum sah der Fed-Chef eine Verbindung zu "Veränderungen in der Immigration", die zu geringerer Einwanderung führten.

Neben der schwächelnden Migration sieht Powell auch Trumps erratische Zollpolitik als Hindernis für die Arbeitsmarktentwicklung: Unternehmen sind zunehmend verunsichert darüber, in welchem Umfang sie in den USA überhaupt noch investieren können – und sollten.

Welche Rolle spielt die steigende Inflation?

Die hohe Teuerungsrate könnte sich nach der Zinssenkung weiter verstärken. Sie hatte sich ohnehin zuletzt unter anderem wegen der US-Zölle auf Importe verschärft. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im August um 2,9 Prozent. Um die Rate dennoch in den Griff zu bekommen, befürwortete Powell einen restriktiveren Kurs. Die US-Notenbank nehme mit einer aktuellen Zinssenkung "Risiken für die Preisstabilität in Kauf", kommentierte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust.

Welchen Einfluss hatte Trumps Berater?

Der Trump-Verbündete Stephen Miran hat sich zwar ebenfalls für eine Zinssenkung ausgesprochen – die 0,25 Prozentpunkte waren ihm jedoch nicht genug. Er votierte als einziger von insgesamt zwölf stimmberechtigten Mitgliedern des Zentralbankrats für einen noch größeren Schritt, ganz nach Trumps Wunsch. Der Republikaner nimmt über Miran indirekt Einfluss auf die Notenbank, die eigentlich losgelöst von politischem Druck über den geldpolitischen Kurs entscheiden soll.

Das Fed-Vorstandsmitglied Adriana Kugler war im August vorzeitig zurückgetreten und hatte damit überraschend Trump die Möglichkeit eröffnet, den freien Platz nach seinen Vorstellungen neu zu besetzen. Der Präsident installierte seinen Wirtschaftsberater, dem Kritiker vorwerfen, nicht unabhängig vom Weißen Haus zu handeln. Marktbeobachter gehen davon aus, dass Miran auch bei den nächsten Zinssitzungen auf Absenkungen drängen wird.

Wie versucht Trump sonst noch auf die Fed Einfluss zu nehmen?

Der Präsident ist emsig dabei, den Fed-Vorstand umzubauen. Er sieht in Fed-Chef Powell den Hauptgrund dafür, dass der Leitzins seit Monaten stagniert. Wiederholt forderte er den Rücktritt von Powell und beschimpfte ihn unter anderem als "Mr. zu spät" und "sturen Dummkopf". Ob ein US-Präsident den Chef der Fed überhaupt entlassen kann, ist juristisch nicht abschließend geklärt.

Eine Niederlage erlitt Trump indes beim Versuch, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu feuern. Anfang der Woche wies ein Berufungsgericht einen entsprechenden Antrag ab und blockierte damit ihre Absetzung. Trump wollte Cook wegen angeblichen Hypothekenbetrugs loswerden.

Was steht auf dem Spiel, wenn die Fed ihre Unabhängigkeit verliert?

Trumps Attacken auf Fed-Chef Powell und die Bestätigung Mirans im Fed-Vorstand nähren weltweit Sorgen um die Unabhängigkeit der wichtigsten Notenbank der Welt. "Würde die Unabhängigkeit der Fed politisch nachhaltig untergraben, hätte das schwerwiegende Folgen", warnte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. "Dies würde die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität und den Wohlstand der USA gefährden."

Auch der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Luis de Guindos, ist alarmiert: "Was in den USA passiert, ist für uns von großer Bedeutung", sagte er der "Welt". Die US-Wirtschaft spiele eine zentrale Rolle im globalen Gefüge. "Wenn Regierungen in die Geldpolitik eingreifen, führt das später zu Inflation und steigenden Zinsen – das ist keine Theorie, sondern historisch belegt."

Warum macht Trump überhaupt so viel Druck?

Niedrigere Leitzinsen können die Wirtschaft ankurbeln. Zudem wären sinkende Zinsen für die USA vorteilhaft, um die stark wachsende Staatsverschuldung zu stemmen. Nach Ansicht von Ökonomen könnten Zinssenkungen jedoch die Inflation weiter befeuern – auch, weil die Folgen von Trumps Zollpolitik nicht absehbar sind. Einen solchen Zusammenhang will er sich allerdings nicht eingestehen.

Wie wirkt sich die Zinssenkung auf Verbraucher und Exporteure aus?

Europäische Touristen in den USA profitieren von der Zinssenkung: Sie mindert die Attraktivität des US-Dollars und wertet den Euro auf. Nach dem Zinsentscheid stieg die Gemeinschaftswährung der Europäischen Union kurz über 1,19 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2021. Zuletzt war ein Euro noch 1,18 Dollar wert. Wer also üblicherweise in Euro zahlt, erhält beim Umtausch in Dollar zurzeit mehr für sein Geld.

Für die deutschen Exporteure ist die Euroaufwertung dagegen nachteilig: US-Unternehmen und die Bevölkerung müssen mehr Geld für importierte Produkte ausgeben. Ein zu starker Euro dämpft also tendenziell die Kauflaune der Amerikaner – und macht damit Geschäfte zunichte.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum Jahresende stellte die Fed weitere Zinssenkungen in Aussicht – bis zu zwei Zinsschritte nach unten seien möglich. "Es ist davon auszugehen, dass auf jede der noch verbleibenden zwei Sitzungen der Leitzins um 25 Basispunkte reduziert wird", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. 2026 könnte nach Fed-Angaben dann noch eine weitere Senkung erfolgen.

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