Panorama

Analyse: Fossile Förderpläne gefährden Klimaziele

Trotz weltweiter Versprechen wächst die Förderung fossiler Energien weiter. Der neue Bericht zeigt, wie sehr Kohle, Öl und Gas die Klimaziele bedrohen.
22.09.2025 10:21
Lesezeit: 1 min
Analyse: Fossile Förderpläne gefährden Klimaziele
Das Schaufelrad eines Kohlebaggers vor dem Kraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig (Foto: dpa). Foto: Sebastian Willnow

Fossile Förderpläne gefährden Klimaziele Überschreitung der Grenzen

Zehn Jahre nach dem Pariser Weltklimaabkommen übersteigen die weltweit vorgesehenen Fördermengen an Kohle, Öl und Gas weiterhin deutlich das zur Begrenzung des Klimawandels akzeptable Maß. Ein Bericht führender Forschungsinstitute, koordiniert vom Stockholm Environment Institute (SEI), zeigt: 20 große Förderländer planen für 2030 zusammen mehr als die doppelte Menge an fossilen Energieträgern, die mit der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius vereinbar wäre. Konkret sind es laut Report 120 Prozent mehr.

Bezogen auf das 2-Grad-Ziel liegt das Produktionsniveau rund 77 Prozent über dem Zielwert. Damit überschreiten die Werte sowohl für die 1,5- als auch für die 2-Grad-Schwelle die Befunde des Berichts von 2023. Verglichen mit jener Analyse wollen die Staaten insgesamt eine noch größere Kohleförderung bis 2035 und Gasförderung bis 2050 als damals vorgesehen. Dies bedrohe die globalen Klimaziele, warnen die beteiligten Wissenschaftler. Die Fossilen Förderpläne widersprechen zudem den Prognosen, wonach die weltweite Nachfrage nach Kohle, Öl und Gas unter den aktuellen politischen Maßnahmen bereits vor 2030 ihren Höhepunkt erreichen sollte.

Warnung der UN-Klimachefin, Kritik an Subventionen

"Dieser Bericht soll zugleich Warnung und Wegweiser sein", erklärte die frühere UN-Klimachefin Christiana Figueres. Unweigerlich würden erneuerbare Energien wie Wind- und Solarkraft die fossilen Brennstoffe vollständig verdrängen. Man brauche jedoch jetzt entschiedenes Handeln, um die Lücke rechtzeitig zu schließen und einen fairen Übergang zu den Erneuerbaren einzuleiten, wurde Figueres in einer Mitteilung zitiert.

Als kritisch sehen die Autoren des Reports insbesondere höhere staatliche Förderquoten für Kohle- und Gasproduktion. Öffentliche Finanzmittel für fossile Projekte seien "Fehlinvestitionen", die zudem menschliche und ökologische Kosten nach sich zögen, monierte Co-Autor Neil Grant.

Pariser Weltklimaabkommen als Maßstab: Deutschland als Positivbeispiel

Im 2015 geschlossenen Pariser Weltklimaabkommen haben sich Staaten verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad und möglichst auf 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) drastisch und kontinuierlich sinken. Diese Emissionen stammen überwiegend aus der Verbrennung der fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Erdgas. Die nächste Weltklimakonferenz findet Mitte November in Belém in Brasilien statt.

Die 20 analysierten Staaten sind für etwa 80 Prozent der weltweiten Produktion fossiler Brennstoffe verantwortlich. Unter ihnen auch Deutschland, dessen geplanter schnellerer Kohleausstieg und der Weg zu einem 80-prozentigen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2030 im Bericht als positives Beispiel für den Übergang zu sauberer Energie genannt wird. Schon 2023 zählte die Bundesrepublik demnach zu den wenigen Ländern, die konkrete Szenarien zur fossilen Förderung veröffentlicht hatten, welche mit nationalen und internationalen Klimazielen vereinbar waren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Energieverbrauch: Wann sich eine Wärmepumpe rechnet
23.10.2026

Eine Wärmepumpe kostet beim Kauf mehr als eine Gasheizung – doch mit Förderung kann sich der Aufpreis auszahlen. Der WWF hat...

DWN
Technologie
Technologie Batteriespeicher boomen: Deutschland baut Kapazität massiv aus
23.10.2026

Der Ausbau von Batteriespeichern nimmt in Deutschland deutlich Fahrt auf. In den ersten neun Monaten des Jahres gingen bereits rund eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Seltene Erden: Europa bricht mit Russland, doch der Plan hat einen Haken
23.10.2026

Europa will sich bei Seltenen Erden aus der Abhängigkeit von Russland befreien. Ein Werk in Estland soll dabei eine Schlüsselrolle...

DWN
Politik
Politik Elektronische Patientenakte: Hausärzte warnen vor Kassen-Zugriff auf Patientenakten
22.10.2026

Werden Patienten mit einem neuen Digitalgesetz besser vor Krankheiten geschützt - oder werden sie neuen Risiken anderer Art ausgesetzt?...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: CoreWeave und Sandisk im Tech-Ausverkauf schwer getroffen
22.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Auslöser die Wall Street in Aufruhr versetzen und was das für die Märkte bedeutet.

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
22.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...