Wirtschaft

Deutsche Automobilindustrie steigt wieder auf den Innovationszug auf, hinken den Chinesen in manchen Bereichen aber noch hinterher.

Die Automobilindustrie zeigt neue Stärke: BMW, Mercedes und Renault setzen auf Hightech, doch China bleibt bei Batterien und Ladeleistung voraus.
22.09.2025 15:13
Lesezeit: 2 min

Deutsche Automobilbranche bietet chinesische Automarken Paroli

Die IAA in München demonstrierte die verbesserte Verfassung der deutschen und europäischen Automobilindustrie, die langsam aus dem Schatten der chinesischen Hersteller heraustritt. 2023 und 2024 waren davon geprägt, dass chinesische Automarken nahezu monatlich neue Technologien präsentierten und den europäischen Markt eroberten. Gleichzeitig wehrten sie sich gegen zusätzliche Zölle auf in China produzierte Elektroautos und bauten Fabriken in Europa, um Abgaben zu umgehen. Der Marktanteil chinesischer Marken liegt inzwischen bei 4,8 Prozent in Europa, doppelt so viel wie im Vorjahr. Bis 2030 könnte er auf 10 Prozent steigen.

Europäische Hersteller mussten in dieser Zeit Umsatzrückgänge und schwache Ergebnisse hinnehmen. Die IAA in München, die am Wochenende endete, zeigte jedoch neue Zuversicht und Innovationskraft. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sprach von Deutschland als „Innovationsmeister“ und „Europameister“ der Elektromobilität. Auch wenn diese Worte überzogen klingen, deutet vieles darauf hin, dass die Automobilindustrie in Deutschland und Europa wieder auf den Innovationspfad zurückkehrt und den Kampf gegen die chinesische Konkurrenz annimmt.

Deutsche Marken mit Hightech-Offensive

Die Stars der Messe waren der elektrische BMW iX3 und der Mercedes-Benz GLC EQ. BMW stellte das Konzept des softwaredefinierten Autos vor, gesteuert von vier Supercomputern mit 20-facher Rechenleistung gegenüber der aktuellen Generation. Ergänzt wurde dies durch ein Panorama-Vision-Display über die gesamte Windschutzscheibe, das Fahrdaten ohne Ablenkung liefert. Mercedes präsentierte ein 39-Zoll-Breitbild-Display und das Betriebssystem MB.OS, das mit künstlicher Intelligenz arbeitet und 254 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde ermöglicht. CEO Ola Källenius bezeichnete den GLC als „intelligente Denkmaschine“.

Deutschland spielt damit eine Schlüsselrolle. Die Investitionen in Supercomputer, KI-Betriebssysteme und digitale Displays verdeutlichen, dass die deutsche Automobilindustrie trotz Rückschlägen den Anspruch erhebt, wieder Maßstäbe zu setzen. In einem Umfeld, in dem chinesische Hersteller die Lade- und Batterietechnik dominieren, wollen deutsche Unternehmen bei Software, Design und Nutzererlebnis punkten. Für die deutsche Wirtschaft ist dies zentral, da die Automobilindustrie einen der bedeutendsten Industriezweige darstellt und Millionen Arbeitsplätze sichert.

Europäische Hersteller und chinesischer Druck

Auch Renault nutzte die IAA, um den neuen Clio mit Google-gestütztem Infotainment zu präsentieren. Ziel ist, die Entwicklungszeit auf 21 Monate zu halbieren und so preislich mit China mithalten zu können. Chinesische Hersteller waren ebenfalls stark vertreten, präsentierten aber vor allem bekannte Modelle. Der Xpeng P7 stach mit innovativer Ladetechnologie hervor, die in zehn Minuten über 500 Kilometer Reichweite ermöglicht. In puncto Ladeleistung bleiben die Chinesen vorn: BYD setzt auf eine 1000-Volt-Infrastruktur mit einer Ladeleistung von 1000 Kilowatt, während BMW und Mercedes mit 800-Volt-Systemen arbeiten.

Die Digitalisierung der Innenräume wurde zum Symbol des Wandels. Wer in einen Mercedes oder BMW einstieg, konnte Fahrdynamik, Klimatisierung, Musik und autonome Funktionen über ein einziges Display steuern. Experten sehen europäische Modelle inzwischen auf Augenhöhe mit chinesischen Fahrzeugen. Berater Andrew Bergbaum von AlixPartners betont, dass europäische Hersteller beim Nutzererlebnis stark aufgeholt haben. Der Innovationswettbewerb in der Automobilindustrie ist damit offener denn je.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Inflation und Konsumzurückhaltung: Wie Deal-Plattformen die Kaufkraft der Verbraucher stärken

Angesichts einer persistenten Inflation und steigender Lebenshaltungskosten sehen sich private Haushalte in Deutschland einem erheblichen...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg verschärft Risiken: Investoren senken Wachstumserwartungen
16.04.2026

Die Erwartungen globaler Investoren an das Wirtschaftswachstum geraten unter Druck, während Inflation und geopolitische Risiken wieder...

DWN
Technologie
Technologie Experte warnt: Mittelstand unterschätzt Datensouveränität
16.04.2026

Für den Mittelstand wirkt Datensouveränität oft wie ein Randthema. Tatsächlich entscheidet sie über Kontrolle und Unabhängigkeit. Wer...

DWN
Panorama
Panorama Lufthansa-Streik: Diese Rechte haben Passagiere bei einem Pilotenstreik
16.04.2026

Der Lufthansa-Streik bringt den Flugverkehr in Deutschland ins Wanken und sorgt bei Tausenden Reisenden für Unsicherheit. Flugausfälle,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 1.000 Euro steuerfrei: Wer kriegt sie?
16.04.2026

Die geplante 1.000-Euro-Prämie sorgt für neuen Streit zwischen Politik, Wirtschaft und Union. Während Arbeitgeber vor Überlastung...

DWN
Technologie
Technologie Atomausstieg: Spahns will Debatte über Rückkehr zur Kernenergie
16.04.2026

Unionsfraktionschef Jens Spahn greift die Sehnsucht in CDU und CSU nach einer Rückkehr zur Atomkraft auf und bringt die Reaktivierung...

DWN
Technologie
Technologie Anthropic hält neues KI-Modell zurück: Warum die Öffentlichkeit außen vor bleibt
16.04.2026

Anthropic hält ein besonders leistungsfähiges KI-Modell bewusst zurück und stellt es nur ausgewählten Unternehmen zur Verfügung, da...

DWN
Politik
Politik Weniger zahlen bei miesem Handynetz: Staat legt Regeln fest
16.04.2026

Die Handynetze werden besser, doch mancherorts gibt es noch immer Defizite. Sind die groß, kann der Verbraucher im Streit mit dem...