Wirtschaft

Saudi-Arabien investiert Milliarden in Solarenergie

Saudi-Arabien investiert Milliarden in Solarenergie – nicht aus Klimagründen, sondern um mehr Öl exportieren zu können. Eine Strategie mit weltweiten Folgen.
24.09.2025 06:03
Lesezeit: 1 min
Saudi-Arabien investiert Milliarden in Solarenergie
Saudi-Arabien setzt auf Sonne: Milliarden fließen in neue Solarparks, um Öl für den Export freizuhalten. (Foto:dpa) Foto: Lucas Aguayo Araos

Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur und zweitgrößte Produzent nach den USA, investiert massiv in erneuerbare Energien. Innerhalb von fünf Jahren will das Königreich eine Kapazität von 100 bis 130 Gigawatt erreichen – ein ambitioniertes Ziel, das den Ölsektor sogar zusätzlich stützen könnte.

Milliarden für Solar- und Windkraft

Die staatliche Saudi Public Power Procurement Company (SPPC), größter Energieabnehmer des Landes, veröffentlichte diese Woche eine Ausschreibung für vier Solarprojekte und zwei Windkraftwerke mit insgesamt 5,3 GW, davon 3,1 GW Solar. Insgesamt hat SPPC laut Zawya bisher Ausschreibungen für über 43 GW erneuerbare Kapazitäten gestartet und Verträge über 38 GW abgeschlossen.

Während die Pläne für alternative Energien bereits 2016 angekündigt wurden, blieb die Umsetzung zunächst marginal. Erst in den letzten Jahren flossen Milliarden in den Ausbau: Im Juli wurden Verträge über 15 GW im Wert von 8,3 Milliarden Dollar geschlossen. Analysten von Rystad Energy gehen davon aus, dass derzeit ähnlich große Kapazitäten installiert werden. Bis Ende 2025 sollen 12,7 GW ans Netz gehen, bis 2026 20 GW. Zielmarke für 2030: mindestens 100 GW.

Obwohl die Wüstenbedingungen durch Sand und Staub problematisch sind, bieten bis zu 12 Sonnenstunden am Tag enorme Potenziale. Zusätzlich treiben günstige Solarmodule aus China den Boom voran.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Für Deutschland und die EU ist die Entwicklung geopolitisch und wirtschaftlich relevant. Saudi-Arabien bleibt zwar Energielieferant im Ölsektor, könnte aber durch die Nutzung von Solarstrom mehr Öl für den Export freisetzen – mit Auswirkungen auf Weltmarktpreise. Gleichzeitig drängt das Land mit ACWA Power auch in internationale Projekte vor, die den Wettbewerb um Energie- und Wasserstoffinitiativen verschärfen, an denen deutsche Unternehmen stark interessiert sind.

Erneuerbare als Stütze für den Ölsektor

Saudi-Arabien will trotz des massiven Ökostromausbaus nicht auf Öl verzichten. Vielmehr sollen die freigesetzten Mengen den Exporterlösen dienen. Laut Citibank verbrennt das Land jährlich Öl im Wert von 20 Milliarden Dollar für den Eigenbedarf, statt es gewinnbringend zu exportieren. Neue Kapazitäten sind zudem notwendig, um die Nachfrage von Städten, Fabriken und Megaprojekten wie dem Skiresort Trojena in der Wüste zu decken.

Parallel expandiert ACWA Power, größtenteils im Besitz des saudischen Staatsfonds, international. Aktuell entwickelt das Unternehmen 109 Projekte für Solar-, Wind- und Wasserstoffenergie sowie Meerwasserentsalzung in Asien und Afrika.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elon Musk: Was ist Mythos, was ist wahr?
10.09.2026

Eric Jorgenson, Autor von „Der Almanach von Elon Musk“, über den Mann hinter dem Mythos: Wie denkt Musk wirklich? Was treibt ihn an...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitsmarkt: Warum die große Jobangst falsch sein könnte
10.09.2026

Künstliche Intelligenz bedroht Millionen Jobs, so lautet die große Sorge. Googles Chefökonom Fabien Curto Millet hält dagegen und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Aktien unter Druck und Renditen steigen an turbulentem Handelstag
09.09.2026

Erfahren Sie, welche geopolitischen Ereignisse und überraschenden Kursbewegungen die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Chinas plötzliche Ölwende nach ungewöhnlichem Preisgefälle
09.09.2026

Der Ölpreis steigt nach neuen Spannungen am Persischen Golf. Gleichzeitig erhöht China wieder seine Rohölimporte und exportiert mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
09.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ist Axelera AI Europas Antwort auf Nvidia? Gründer Fabrizio Del Maffeo fürchtet, dass der Kontinent wieder denselben Fehler macht
09.09.2026

Europa mangelt es weder an Forschern, Ingenieuren noch an guten Ideen, meint Fabrizio Del Maffeo. Das Problem entsteht, wenn daraus große...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Carlsberg setzt auf Pepsi: Bier allein reicht nicht mehr
09.09.2026

Bei Carlsberg steht ausgerechnet eine amerikanische Limonade inzwischen vor der eigenen Kernmarke. Pepsi ist zum zweitgrößten Brand des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...