Wirtschaft

Heizkosten steigen deutlich: Experten erwarten spürbare Mehrbelastung

Nach einer aktuellen Untersuchung müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mit spürbar höheren Heizkosten rechnen. Für Gas werden Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent erwartet, doch auch andere Heizarten sollen teurer werden. Experten empfehlen einfache Maßnahmen, um die Mehrbelastung im Alltag abzufedern.
23.09.2025 15:17
Lesezeit: 3 min

Gasbeheizung steigt um 15 Prozent

Heizen wird teurer: Nach einer Prognose der Beratungsgesellschaft co2online müssen die Haushalte in Deutschland in diesem Jahr deutlich mehr für eine warme Wohnung bezahlen. Die jährlichen Heizkosten für eine gasbeheizte 70 Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus würden im Schnitt um 15 Prozent auf etwa 1.180 Euro steigen, berichtet die gemeinnützige Gesellschaft in ihrem neuen „Heizspiegel“ für 2025. Der Anstieg betrifft viele Menschen: Laut Energiewirtschaftsverband BDEW wurden im vergangenen Jahr 56 Prozent aller Wohnungen in Deutschland mit Erdgas beheizt.

Fernwärme nur um 2 Prozent teurer

Bei Fernwärme (knapp 16 Prozent aller Wohnungen) prognostizieren die Experten für das Abrechnungsjahr 2025 einen Anstieg von zwei Prozent auf 1.245 Euro, bei Heizöl (gut 17 Prozent aller Wohnungen) um drei Prozent auf 1.055 Euro. Teurer werde auch das Heizen mit Holzpellets (plus 20 Prozent auf 740 Euro) und Wärmepumpen (plus 5 Prozent auf 715 Euro). Als Hauptursachen für die Anstiege nennt der Heizspiegel höhere Energiepreise und den kalten Winter zu Jahresbeginn.

Einfache Maßnahmen können die Kosten senken

Neun von zehn Haushalten könnten ihre Kosten im Schnitt um etwa 400 Euro pro Jahr senken, erklärte co2online. In vielen Haushalten bleibe einfaches Sparpotenzial ungenutzt. „Allein durch die richtige Einstellung der Raumtemperatur und der Heizkurve, das korrekte Stoßlüften bei heruntergedrehter Heizung und einen reduzierten Warmwasserverbrauch ließen sich kurzfristig bis zu zehn Prozent Energie sparen“, hieß es.

Noch effektiver seien technische Maßnahmen wie ein hydraulischer Abgleich, ein Austausch von Pumpen oder eine Dämmung von Heizungsrohren. Die höchsten Einsparungen ließen sich aber nur durch umfangreichere Investitionen erzielen, etwa durch den Austausch von Fenstern, eine Dämmung der Gebäudehülle oder den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme.

Mieterbund: Investitionen müssen mieterfreundlich sein

„Hohe Energiekosten gibt es vor allem in alten, energetisch schlechten Gebäuden“, sagte die Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz, laut einer Mitteilung. Nachhaltige Einsparungen ließen sich daher vor allem durch Investitionen in die Gebäude selbst erzielen. „Hier muss die Politik die richtigen Weichen dafür stellen, dass solche Investitionen im vermieteten Gebäudebestand mieterfreundlich und sozialverträglich sind.“

Die Beratungsgesellschaft co2online wird unter anderem vom Bundesumweltministerium unterstützt. Beim Heizspiegel gibt es eine Partnerschaft mit dem Deutschen Mieterbund.

„Die absehbar steigenden Energiepreise sind eine schlechte Nachricht für die Menschen in unserem Land“, kommentierte die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner die neuen Heizspiegel-Zahlen. Besonders hart treffe es Menschen mit geringem Einkommen. Sie forderte die Bundesregierung unter anderem auf, Übergewinne privater Energieunternehmen abzuschöpfen. „Außerdem gehört die Energieversorgung in die öffentliche Hand“, so die Politikerin.

Gas und Öl: Experten rechnen mit dreimal so hohen Heizkosten

Die Beratungsgesellschaft geht davon aus, dass die Heizkosten auch in den kommenden Jahren steigen werden. Neben der allgemeinen Preissteigerung liege dies auch an Entwicklungen der einzelnen Energieträger. Die Kosten beim Heizen mit Gas und Öl würden am stärksten steigen. „In 20 Jahren werden sie etwa dreimal so hoch sein wie heute“, lautet die Einschätzung. Gründe seien vor allem der steigende CO2-Preis und höhere Gasnetzgebühren wegen sinkender Kundenzahlen. Bei Fernwärme und Holzpellets sei in den nächsten 20 Jahren mit einer Verdoppelung der Kosten zu rechnen.

Am günstigsten entwickeln sich laut der co2online-Prognose die Kosten beim Heizen mit Wärmepumpen. „Hier wirken bessere politische Rahmenbedingungen und eine steigende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kostendämpfend.“

Beratungskampagne der Verbraucherzentrale zum Heizungstausch

Die Verbraucherzentrale startete unterdessen eine bundesweite Kampagne zum Heizungstausch unter dem Motto „Heizung raus – Zukunft rein!“ Ziel sei es, Hauseigentümer und Vermieter bei der Modernisierung ihrer Heizungsanlagen zu unterstützen, berichtete der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Rund 70 Prozent der Heizungen in Deutschland gelten als veraltet. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel“, hieß es.

Die Verbraucherschützer verwiesen in diesem Zusammenhang auf ihr Beratungsangebot. Dabei würden Energieexpertinnen und -experten die aktuelle Heizsituation analysieren und die drei geeignetsten Heiztechniken für das jeweilige Haus empfehlen. Es gebe auch eine Einschätzung der Wirtschaftlichkeit sowie eine Übersicht über mögliche Fördermittel. Eine Beratung telefonisch, online oder in einer Beratungsstelle ist kostenlos. Kommen die Berater zum Haus, kostet sie 40 Euro.

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