Finanzen

Finanzielles Notfallpaket: So sichern Sie Ihr Vermögen in Krisenzeiten

In Zeiten wachsender Unsicherheiten rückt neben Notvorräten und Fluchtplänen auch die finanzielle Absicherung in den Fokus. Marek Rybiec, Vorstand von iWealth Family, erklärt, wie sich Vermögen für den Ernstfall von Krieg oder anderen Krisensituationen sinnvoll vorbereiten lässt.
15.11.2025 12:13
Lesezeit: 2 min
Finanzielles Notfallpaket: So sichern Sie Ihr Vermögen in Krisenzeiten
Bargeld allein reicht nicht, ein finanzielles Notfallpaket besteht auch aus Vorsorge und Investitionen (Foto: istockphoto.com/ModernNomadsdpa) Foto: ModernNomads

Ein Notfallpaket umfasst weit mehr als nur die Grundausstattung

Bei Gedanken an eine mögliche Kriegssituation fallen den meisten zunächst Vorräte an Lebensmitteln und Wasser, ein Erste-Hilfe-Set, ein Fluchtrucksack, Kommunikationsmittel oder geladene Powerbanks ein. Rybiec betont jedoch, dass die Vermögensplanung häufig unterschätzt wird. Bestimmte Grundregeln seien nicht nur für militärische Konflikte relevant, sondern auch für Krisen infolge von Naturkatastrophen, technischen Ausfällen oder hybriden Angriffen.

Als vorrangige Maßnahme nennt Rybiec die Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Zwar seien Banken in Polen modern und gut geschützt, dennoch könnten Hackerangriffe oder Stromausfälle den Zugriff auf Guthaben zeitweise unmöglich machen. Deshalb empfiehlt er, stets eine eiserne Reserve in bar bereitzuhalten. Als Mindestbetrag nennt er rund 230 Euro, verweist aber darauf, dass sich in Krisenzeiten Preise für Grundbedarfsartikel vervielfachen können. Für Familien könne eine realistische Sicherheitsreserve daher mehrere tausend Euro betragen, also im Bereich von etwa 460 bis 1150 Euro oder mehr.

Inländische und ausländische Rücklagen

Bargeld sollte nach Ansicht von Rybiec nicht nur im Inland, sondern auch in Form einer „Auslandsreserve“ verfügbar sein. Diese sollte mehrere Währungen wie Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken umfassen. Ergänzend könnten auch leicht transportierbare Vermögenswerte wie Gold oder Diamanten sinnvoll sein. Während Gold aus Anlagesicht derzeit mit Vorsicht zu betrachten sei, bleibe es im Krisenfall ein bewährtes Mittel, Vermögen unabhängig von Finanzsystemen zu sichern. Empfehlenswert seien kleine Stückelungen für Alltagsausgaben, größere Barren oder Werte hingegen für die Vermögensübertragung ins Ausland. Nach Rybies Einschätzung bedeutet die bloße Flucht aus einem Kriegsgebiet noch keine Sicherheit. Erst wer im Ausland Zugang zu seinem Vermögen habe, sei tatsächlich abgesichert. Ein Teil der von iWealth betreuten Kunden halte bereits Anteile an internationalen Fonds, auf die im Ernstfall auch aus dem Ausland zugegriffen werden könne.

Immobilien als Rückzugsort

Ein weiterer Baustein könne der Erwerb einer Immobilie im Ausland sein. Diese könne als Kapitalanlage genutzt werden, aber auch als Zufluchtsort im Konfliktfall dienen. Rybiec erinnert an die Situation nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, als der polnische Mietmarkt binnen Tagen leergefegt war. Wichtig seien bei einer solchen Entscheidung neben rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen vor allem Lage und Erreichbarkeit. Im Ernstfall könne eine Anreise mit dem Auto deutlich realistischer sein als mit dem Flugzeug.

Wer eine Immobilie etwa in Spanien, Portugal, Italien oder Dubai erwerbe, sollte zugleich ein lokales Bankkonto eröffnen, um dort einen Teil seines Vermögens zu hinterlegen. Während Privatpersonen vergleichsweise einfach Zugang zu ausländischen Finanzdienstleistungen erhalten, gestaltet sich dies bei Familienstiftungen schwieriger. In Ländern wie der Schweiz sei es möglich, ein Konto für eine Stiftung zu eröffnen, allerdings nicht bei allen Instituten. Die rechtliche Neuheit solcher Stiftungen auf europäischem Boden erfordere hier noch Lernprozesse.

Planung als entscheidender Faktor

Als Kern eines finanziellen Notfallpakets nennt Rybiec Bargeldreserven im In- und Ausland, eine breite Währungsstreuung, transportable Sachwerte sowie den Besitz von Auslandsimmobilien. Den größten Fehler sieht er im Verzicht auf einen Notfallplan, in der ausschließlichen Bindung des Vermögens an ein Land und eine Währung sowie in der panischen Veräußerung von Werten im Krisenfall. Auch wenn Polen im Zentrum der Ausführungen von Marek Rybiec steht, sind seine Empfehlungen auch auf andere europäische Länder übertragbar. Für Deutschland, das als führende Volkswirtschaft in der EU auf Stabilität und Sicherheit setzt, ist die Frage der Vermögenssicherung in Krisenzeiten von zentraler Bedeutung. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben gezeigt, dass Vorsorgekonzepte nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene notwendig sind. Eine kluge Diversifizierung kann auch hierzulande entscheidend sein, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

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