Politik

Gegen Vermögensungleichheit: Ostbeauftragte für neue Verteilung von Vermögen

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser macht einen neuen Vorstoß zur gerechteren Verteilung der Vermögen in Ost und West. Ein „Grunderbe“ sei eine „spannende Idee“, ebenso die Debatte über die Vermögens- und Erbschaftssteuer und die geplante Frühstartrente, sagte die SPD-Politikerin.
01.10.2025 13:18
Lesezeit: 2 min

Ostbeauftragte für neue Verteilung von Vermögen

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser macht einen neuen Vorstoß zur gerechteren Verteilung der Vermögen in Ost und West. Ein „Grunderbe“ sei eine „spannende Idee“, ebenso die Debatte über die Vermögens- und Erbschaftssteuer und die geplante Frühstartrente, sagte die SPD-Politikerin der DPA. Sie stellt heute Nachmittag ihren Jahresbericht vor, kurz vor dem 35. Jahrestag der Vereinigung.

„35 Jahre nach der Deutschen Einheit haben wir immer noch verkrustete Vermögensverhältnisse in Deutschland“, sagte Kaiser. „Das betrifft nicht nur Ost-West, sondern eben wirklich eine große Schere zwischen Arm und Reich.“ Deshalb gehe es um die Frage: „Wie können wir Vermögensgleichwertigkeit hinbekommen?“

Ein „Grunderbe“ wäre eine Art staatlich finanziertes Startkapital für junge Erwachsene. Bei der Frühstartrente wird mit staatlicher Hilfe von Kindheit an fürs Alter gespart.

Ungleichheit und schlechte Stimmung

Kaiser sieht ungleiche Lebensverhältnisse als Grund für eine Entfremdung zwischen Ost und West. In einer Forsa-Umfrage hatten drei von vier Ostdeutschen gesagt, sie sähen eher das Trennende zwischen beiden Landesteilen.

Dazu sagte die Ostbeauftragte, bei Vermögen, Löhnen und der Ansiedlung großer Unternehmen gebe es Nachholbedarf im Osten, ebenso bei der Besetzung von Führungsposten. „Das wirkt sich natürlich auch auf die Menschen aus, gerade in Zeiten der vielen Krisen. Das spüren natürlich Menschen besonders, wenn ihre Möglichkeiten, damit umzugehen, weniger gut ausgeprägt sind als zum Beispiel in Westdeutschland.“

Zukunftszentrum soll helfen

Um die Stimmung zwischen Ost und West zu verbessern, sei es wichtig, die Perspektive des anderen zu kennen und ins Gespräch zu kommen, sagte die Thüringerin der dpa.

Ein Ort dafür werde das Zukunftszentrum in Halle an der Saale. Das geplante Gebäude wird zwar sicher erst in einigen Jahren fertig. In provisorischen Räumen soll aber bereits Programm gemacht werden. „Das soll nächstes Jahr wirklich noch an Fahrt gewinnen“, sagte Kaiser.

Vor AfD „nicht wie Kaninchen vor der Schlange“

Mit Blick auf mögliche Wahlerfolge der AfD in ostdeutschen Ländern wie Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sagte die SPD-Politikerin: „Natürlich sehe ich das auch mit großer Besorgnis, dass möglicherweise eine Partei in Verantwortung kommt, die einschlägig rechtsextrem ist, meiner Auffassung nach.“

Wichtig sei aber, „dass wir nicht nur wie die Kaninchen vor der Schlange stehen“. Die Regierung müsse ins Handeln kommen, Gründe für das Misstrauen in politische Parteien analysieren und Erwartungsmanagement betreiben, also nicht zu viel versprechen und Kompromisse verteidigen. „Ich glaube, diese Klarheit braucht es für viele Menschen, um Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte Kaiser, schränkte aber ein: „Wir werden sicherlich auch nicht alle wieder gewinnen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik WEF 2026: Europas Außenpolitik nach dem Weltwirtschaftsforum mit neuer Entschlossenheit
27.01.2026

Europa sieht sich zunehmenden außenpolitischen Unsicherheiten gegenüber, die etablierte Machtverhältnisse infrage stellen. Welche...

DWN
Technologie
Technologie Wie innovationsfähig sind deutsche Unternehmen wirklich?
27.01.2026

Innovation klingt nach Durchbruch, Disruption und großen Namen. In der Praxis beginnt sie oft leiser: mit kleinen Veränderungen, neuen...

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform: Startsignal für die Zuerst-zum-Hausarzt-Reform – was dahinter steckt
27.01.2026

Lange Wartezeiten bei Fachärzten sorgen seit Jahren für Frust. Nun will die Politik mit der Zuerst-zum-Hausarzt-Reform gegensteuern und...

DWN
Finanzen
Finanzen Aumovio-Aktie unter Druck: Anleger durch Aumovio-Stellenabbau verunsichert – wie geht's weiter?
27.01.2026

Der Autozulieferer Aumovio sorgt kurz nach seiner Börsenpremiere für Unruhe. Geplante Einschnitte, ein schwieriges Marktumfeld und ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bundesagentur für Arbeit: Ohne Zuwanderung kein Wachstum für den Arbeitsmarkt in Deutschland
27.01.2026

Ausländische Arbeitskräfte tragen Deutschlands Beschäftigungswachstum, während die Zahl deutscher Erwerbstätiger sinkt. Neue Daten...

DWN
Technologie
Technologie Solarausbau stockt: Weniger neue Photovoltaik auf deutschen Dächern – Ausbauziele in weiter Ferne
27.01.2026

Der Solarausbau in Deutschland verliert spürbar an Tempo. Neue Zahlen zeigen deutliche Rückgänge bei Installationen auf Hausdächern und...

DWN
Politik
Politik Sozialstaat vor Reform: Weniger Bürokratie, mehr Effizienz und mehr Bürgernähe – es bleiben Fragen
27.01.2026

Der deutsche Sozialstaat steht vor einer tiefgreifenden Neuordnung. Weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und klare Zuständigkeiten...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie vor Zahlen: Analysten erwarten solides Wachstum – jetzt SAP-Aktie kaufen?
27.01.2026

Die SAP-Aktie steht vor entscheidenden Tagen: Am Donnerstag legt der Softwarekonzern Zahlen vor, bereits jetzt treffen Cloud-Dynamik und...