Wirtschaft

Große Unterschiede bei Alterseinkünften – Viele Rentner mit weniger als 1.400 Euro im Monat

Knapp jeder fünfte Ruheständler in Deutschland muss mit einem monatlichen Nettoeinkommen von höchstens 1.400 Euro auskommen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, liegt ein weiteres Fünftel nur geringfügig darüber. Gleichzeitig verfügen die einkommensstärksten 20 Prozent der Rentner über mehr als 2.870 Euro im Monat – ein deutlicher Hinweis auf die wachsende Kluft bei den Alterseinkünften.
02.10.2025 10:31
Aktualisiert: 02.10.2025 10:31
Lesezeit: 3 min
Große Unterschiede bei Alterseinkünften – Viele Rentner mit weniger als 1.400 Euro im Monat
Eine Szene, die sich so wohlmöglich auch bald in Deutschland abspielen könnte. Rentner protestieren auf den Straßen (Foto: dpa). Foto: Virginia Chaile

Methoden der Datenerhebung

Laut der Statistik haben weitere 20 Prozent der Ruheständler mehr als 1.400 Euro, aber höchstens rund 1.790 Euro im Monat zur Verfügung. Die einkommensstärksten 20 Prozent der Menschen im Ruhestand konnten monatlich über mehr als rund 2.870 Euro netto verfügen. Generell kommen die Einkommen der Ruheständler zu 92 Prozent aus Alterseinkünften, Vermögen und Erwerbstätigkeit spielen kaum eine Rolle.

Betrachtet hat das Statistische Bundesamt Rentnerinnen und Rentner sowie Pensionäre im Alter von mindestens 65 Jahren – zuletzt 16,3 Millionen Menschen. Für die Einkommensberechnung nutzten die Statistiker das Nettoäquivalenzeinkommen - ein gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen. Dadurch werden die Einkommen von Personen, die in unterschiedlichen Haushalten leben, vergleichbar, da es in größeren Haushalten Einspareffekte etwa bei Wohnraum gibt.

Einkommen der Rentner gestiegen

Die Zahlen zeigen auch, dass die Einkünfte der Ruheständler in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, aber weniger als die der Gesamtbevölkerung. So betrug 2021 das mittlere Einkommen der Rentner und Pensionäre 1.820 Euro monatlich und wuchs bis 2024 um neun Prozent. Das Einkommen der Gesamtbevölkerung kletterte in dem Zeitraum jedoch um 11 Prozent und auf zuletzt im Mittel 2.300 Euro.

Positiv sei, dass der Einkommenszuwachs der Rentner auch in Zeiten hoher Inflation von 2021 bis 2024 weitgehend mit dem Plus der Erwerbstätigen mithielt, meint Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. „Da Mitte 2024 die gesetzlichen Renten noch einmal um rund 4,6 Prozent und Mitte 2025 um 3,8 Prozent gestiegen sind, dürfte diese Lücke sich noch ein bisschen weiter schließen.“

Regierung plant „Aktivrente“

Auch angesichts der hohen Kosten für die Rente fordert Kanzler Friedrich Merz (CDU) Reformen. Seiner Ansicht nach sind die Sozialsysteme nicht mehr finanzierbar. So will die Bundesregierung mit der „Aktivrente“ die Rentenkasse entlasten. Rentner sollen bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei dazuverdienen können und damit motiviert werden, freiwillig länger zu arbeiten.

Der Deutschen Rentenversicherungen zufolge gingen Ende 2023 schon 1,46 Millionen Rentner einer Beschäftigung nach - Tendenz steigend. Der CDU-Wirtschaftsrat forderte unlängst zudem ein späteres Renteneintrittsalter, das an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden müsse.

Der Sozialverband Deutschland warnt hingegen vor Einschnitten. So müsse etwa ein „echter Freibetrag“ in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung eingeführt werden, fordert die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Die Aktivrente werde die Schere zwischen Arm und Reich dagegen weiter öffnen. „Denn sie wird aller Voraussicht nach Menschen mit höheren Renten, die noch in der Lage sind hinzuzuverdienen, ein steuerfreies Plus ermöglichen.“

Große Rentenlücke zwischen Mann und Frau

Die Statistik zeigt ferner, dass Frauen im Ruhestand mit deutlich weniger Geld auskommen müssen als Männer. Frauen ab 65 Jahren in Rente oder Pension erhielten demnach im Schnitt brutto rund 1.720 Euro im Monat. Bei Männern waren es rund 2.320 Euro. Die Alterseinkünfte von Frauen waren damit im Schnitt gut ein Viertel niedriger als die der Männer. Ein Grund sei die niedrigere Erwerbstätigkeit von Frauen. Klammere man Hinterbliebenenrenten und -pensionen aus, wachse die Rentenlücke sogar auf 36,9 Prozent.

Immer mehr auf Grundsicherung angewiesen

Zugleich sind immer mehr Rentnerinnen und Rentnern auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 739.000 Menschen bekamen Ende 2024 Grundsicherung im Alter. Das sind gut sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 31 Prozent mehr als Ende 2020, als es erst 564.000 waren. Ein Grund für den Anstieg ist demnach die gestiegene Zahl geflüchteter und leistungsberechtigter Menschen aus der Ukraine. Ende 2024 bezogen damit gut vier Prozent der Bevölkerung jenseits der Altersgrenze Grundsicherung.

Einschnitte bei der Rente könnten schnell die Altersarmut erhöhen, meint IMK-Ökonom Dullien. Eine Kürzung oder Abschaffung der Hinterbliebenenrenten - wie von manchen Volkswirten gefordert - hätte „gravierende Nebenwirkungen“. Er warnt: Mit Kürzungen beim Rentenwert, etwa durch eine Erhöhung der Regelaltersgrenze, könnten mehr Menschen auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein. „Solche Kürzungen könnten am Ende den Bundeshaushalt an anderer Stelle wieder belasten.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Glücksspielregulierung 2026: Wie OASIS und LUGAS den Wirtschaftsstandort prägen

Wer die Entwicklung des deutschen Glücksspielmarktes über die vergangenen zwei Jahrzehnte verfolgt, erkennt eine Branche im radikalen...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Gentechnik ohne Label: EU macht den Weg für neue Züchtungen frei
18.06.2026

Genverändertes Obst und Gemüse landet in der EU bald ohne spezielle Kennzeichnung im Supermarktregal. Das Europäische Parlament hat den...

DWN
Politik
Politik Verfassungszoff ums neue Heizgesetz: Droht der Koalition eine Klatsche in Karlsruhe?
18.06.2026

Das geplante Heizgesetz der schwarz-roten Koalition wackelt: Ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags bescheinigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation bleibt hartnäckig: Ifo sieht nur kurze Erholung
18.06.2026

Die deutsche Wirtschaft steckt in der längsten Stagnationsphase seit 1949 fest. Mit dem erhofften Kriegsende im Iran hellen sich die...

DWN
Politik
Politik Nato 3.0: Weniger USA, mehr Europa
18.06.2026

Die USA ziehen sich militärisch weiter aus Europa zurück und erhöhen den Druck auf ihre Verbündeten. Vor dem Nato-Gipfel wachsen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditklemme 2026: Wird Finanzierung zum Problem?
18.06.2026

Nicht der abgelehnte Kredit ist das größte Risiko für Deutschlands Mittelstand – sondern der Antrag, der gar nicht mehr gestellt wird....

DWN
Politik
Politik Ukraine greift Putin an: Drohnen schlagen tief in Moskau ein
18.06.2026

Mitten während eines internationalen Gipfels trifft die Ukraine eine der wichtigsten Ölraffinerien Moskaus und setzt damit ein deutliches...

DWN
Politik
Politik Pistorius zu Hormus-Mission: "Wir sind jedenfalls ready"
18.06.2026

Zwei Schiffe der Deutschen Marine haben den Suezkanal passiert. Im Roten Meer sollen sie sich bereithalten, um bei Bedarf schnell in der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht weitere 3.200 Jobs und schließt Werk
18.06.2026

Evonik verschärft seinen Sparkurs und streicht bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen. Gleichzeitig zieht das Unternehmen die Reißleine bei...