Politik

Lecornu-Rücktritt: Warum der Premierminister hinwirft – und was das für Macron bedeutet

Nur vier Wochen nach Amtsantritt steht Frankreichs Regierung erneut am Abgrund: Der Lecornu-Rücktritt erschüttert Paris und wirft Fragen über Macht, Stabilität und Vertrauen auf.
06.10.2025 10:32
Aktualisiert: 06.10.2025 10:32
Lesezeit: 1 min

Lecornu-Rücktritt erschüttert Frankreichs Regierung

Nach nur vier Wochen im Amt sorgt der Lecornu-Rücktritt für Aufsehen – die Regierungskrise in Paris verschärft sich. Welche Folgen hat das für Präsident Macron und die politische Zukunft Frankreichs?

Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu ist nach nur vier Wochen im Amt wegen einer tiefen Regierungskrise überraschend zurückgetreten. Der Lecornu-Rücktritt wurde vom Premier selbst eingereicht und von Präsident Emmanuel Macron angenommen, wie der Élysée-Palast mitteilte.

Noch am Vorabend hatte Lecornu die Aufteilung der wichtigsten Ressorts in der neuen Regierung bekannt gegeben und damit die Konservativen verärgert, die umgehend mit einem Ausstieg aus der Koalition drohten. In dieser arbeiten die Républicains mit dem Mitte-Lager von Präsident Macron zusammen, doch die Regierung besitzt im Parlament keine Mehrheit.

Konservative drohten mit Koalitionsausstieg

Der im Amt bestätigte Innenminister und Républicain-Chef Bruno Retailleau hatte sich am Sonntagabend kritisch über die Zusammensetzung der neuen Regierung geäußert und eine Krisensitzung seiner Partei für Montag angekündigt. Noch vor deren Beginn erklärte der Premierminister, der aus Macrons Lager stammt, seinen Rücktritt – der Lecornu-Rücktritt war nach so kurzer Amtszeit kaum denkbar gewesen.

Retailleau forderte zuvor ein Drittel der Ministerposten für seine Partei und zeigte sich unzufrieden mit dem Einfluss der Konservativen, berichteten Medien. Empörung löste auch aus, dass der 2024 ausgeschiedene frühere Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire, ein Vertrauter Macrons, überraschend Verteidigungsminister wurde.

Frankreich in Haushalts- und Regierungskrise

Frankreich steckt nun in einer tiefen politischen und finanziellen Krise, die Präsident Macron erheblich unter Druck setzt. Er muss zum dritten Mal in diesem Jahr einen neuen Premierminister finden. Alternativ könnte er das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen. Die Vorgängerregierung unter François Bayrou scheiterte an einer Vertrauensfrage über den geplanten Sparhaushalt. Das Land weist mit rund 3,3 Billionen Euro die höchsten Schulden in der Europäischen Union auf.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen nach Tech-Rücksetzer im Minus
23.09.2026

Welche geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren die Wall Street zur Wochenmitte aus der Bahn warfen.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
23.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...