Wirtschaft

Zeitarbeit in Deutschland: Schwierige Zeiten stehen bevor

Die Zeitarbeitsbranche leidet besonders stark unter der schwierigen Wirtschaftslage in Deutschland. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.
21.10.2025 14:48
Lesezeit: 1 min
Zeitarbeit in Deutschland: Schwierige Zeiten stehen bevor
Die Zeitarbeitsbranche in Deutschland leidet unter sinkenden Umsätzen, steigenden Insolvenzen und rückläufigen Beschäftigtenzahlen durch die Rezession (Foto: dpa)

Schwierige Zeiten für Zeitarbeiter in Deutschland

Die Zeitarbeitsbranche spürt die Auswirkungen der angespannten Wirtschaftslage in Deutschland besonders stark. Eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt, dass Personaldienstleister unter dem rückläufigen Bedarf ihrer Kunden leiden.

„Die Industrie als einer der Hauptkunden der Zeitarbeit steckt im Krisenmodus und reduziert den Personalbestand. Das trifft die Personaldienstleister unmittelbar“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Zunächst werde bevorzugt auf externes Personal wie Leiharbeiter verzichtet, während die Stammbelegschaft weitgehend bestehen bleibt. Die Branche gehört daher zu den Verlierern der Rezession.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits messbar. Im zweiten Quartal 2025 sank der Umsatz der Leiharbeitsfirmen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent.

Schon im ersten Quartal lagen die Erlöse 11 Prozent niedriger. Hantzsch bezeichnet die Entwicklung der Branche als Frühindikator für bevorstehende konjunkturelle Veränderungen.

Außerordentlich hohe Insolvenzquote

Die Zahl der Insolvenzen steigt, insbesondere bei kleinen und mittleren Leiharbeitsfirmen. Im vergangenen Jahr stellten 120 Unternehmen einen Insolvenzantrag, im ersten Halbjahr 2025 folgten weitere 63, wie die Studie zeigt.

Die Branche weist damit eine überdurchschnittlich hohe Insolvenzquote auf. „Für Investoren, Kreditgeber und Lieferanten ist das ein Warnsignal“, betont Hantzsch.

Viele Unternehmen stehen finanziell unter Druck: Bei 28 Prozent der Betriebe liegt die Eigenkapitalquote unter 10 Prozent, nur die Hälfte erreicht mindestens 30 Prozent.

Ein Bericht der Bundesagentur für Arbeit zeigt zudem einen Rückgang der Zeitarbeiterzahlen in den meisten Berufssektoren. Im Juni 2024 waren rund 675.000 sozialversicherungspflichtige Leiharbeitnehmer beschäftigt, davon etwa 70 Prozent männlich, was vor allem an der starken Präsenz von Produktionsberufen liegt. Insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt rund 40.000 Verleihbetriebe in Deutschland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Festkörperbatterien lassen auf sich warten – könnte die Halbfestkörper-Technologie zur Brückentechnologie der Energiespeicherung werden?

Die Batteriewirtschaft befindet sich derzeit in einer bemerkenswerten Übergangsphase. Während nahezu alle großen Hersteller langfristig...

DWN
Panorama
Panorama Imperien abseits des Rasens: Das verdienen die WM-Stars als Unternehmer
26.06.2026

Die bestbezahlten Fußballer der Welt definieren Reichtum neu. Längst reicht das Einkommen aus ihren Profiverträgen nicht mehr aus –...

DWN
Technologie
Technologie IT-Riese zerstreut Panik wegen gefürchtetem KI-Modell
26.06.2026

Der US-amerikanische IT-Riese Cisco ist eines der wenigen Unternehmen, denen es gestattet wurde, das berüchtigte KI-Modell Mythos zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (07/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
26.06.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Sensoren-Hersteller Balluff: „Es braucht Mut zu unbequemen Entscheidungen.“
26.06.2026

Balluff hat sich in über 100 Jahren von einer Reparaturwerkstatt zum Global Player für Sensoren und Automatisierungslösungen entwickelt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schluss mit Billig-Importen: EU stoppt Zoll-Ausnahme für Temu, Shein und Co.
26.06.2026

Wer schnellen Schnäppchen aus Fernost nachjagt, muss sich ab Sommer auf höhere Preise einstellen. Die Europäische Union schafft die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenspritze für Galeria: Rettung auf Zeit oder echte Kehrtwende?
26.06.2026

Galeria steht vor der nächsten Sanierungswelle. Nach zähen Verhandlungen erhält die angeschlagene Warenhauskette einen neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld bedroht? Bundesfinanzministerium kündigt Gesetze gegen Steuerbetrug an
26.06.2026

Das Bundesfinanzministerium geht gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche vor. Wie Staatssekretär Michael Schrodi (SPD) nach einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Aktie: Unternehmen auf Sparkurs - 90.000 Mitarbeiter müssen auf Sonderzahlung warten
26.06.2026

Harte Einschnitte für die Belegschaft des Stuttgarter Autobauers: Mercedes-Benz verschärft angesichts des anhaltenden wirtschaftlichen...