Wirtschaft

Europas Automobilindustrie im Wandel: Chinesische Autohersteller übernehmen Führung im Kampf um den Elektroauto-Markt

Die Elektromobilität verändert die globale Automobilindustrie schneller als erwartet. Alte Strukturen geraten unter Druck, neue Wettbewerber gewinnen an Einfluss und die Märkte verschieben sich rasant. Doch wer profitiert wirklich von diesem Wandel und wer droht den Anschluss zu verlieren?
24.10.2025 14:02
Lesezeit: 4 min

Chinas Autohersteller übernehmen die Führung im globalen Elektroauto-Rennen

Während mehrere europäische Hersteller ihre Elektroauto-Pläne zurückfahren, nimmt die Elektrifizierung weltweit weiter Fahrt auf. Besonders in China wächst der Markt rasant.

Nach aktuellen Zahlen liegt der chinesische Hersteller BYD inzwischen klar vor dem US-Konkurrenten Tesla, während Geely den dritten Platz unter den größten Elektroautoproduzenten der Welt belegt.

Rückschläge für Europas Autoindustrie

In den vergangenen Monaten häuften sich Meldungen über eine schwächere Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Der Stellantis-Konzern, zu dem Marken wie Fiat, Citroën und Opel gehören, hat die Produktion in mehreren Werken gestoppt, um ein Überangebot zu vermeiden.

Auch Volkswagen drosselt die Fertigung. Porsche und Ferrari richten ihre Strategien wieder stärker auf Verbrennungsmotoren aus. Mehrere Hersteller, darunter Volvo Cars, Mercedes-Benz, Opel und Ford, haben ihre Elektrifizierungsziele angepasst und rechnen nicht mehr mit einer vollständigen Umstellung bis 2030.

Trotzdem sehen Analysten darin keinen Rückschlag für die Elektrifizierung. „Elektroautos sind gekommen, um zu bleiben. Die Industrie muss sich dieser neuen Realität stellen. Nur verläuft der Wandel langsamer als erwartet“, sagt Felipe Munoz, Analyst bei Jato Dynamics.

Elektrifizierung in Europa nimmt zu

Laut Jato Dynamics erreichte der Anteil reiner Elektroautos in Europa im August ein Rekordhoch von über 20 Prozent. Die Neuzulassungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent. Noch stärker legten Plug-in-Hybride zu, deren Anteil um 59 Prozent wuchs und mittlerweile über 10 Prozent ausmacht.

Chinesische Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf Plug-in-Hybride, da die EU-Zölle nur für reine Elektroautos aus China gelten. Drei der zehn meistverkauften Plug-in-Hybride in Europa stammen bereits aus chinesischer Produktion. „Das Problem für europäische Hersteller ist, dass sie nicht so kostengünstig produzieren können wie in China“, erklärt Munoz.

China dominiert die globale E-Mobilität

Eine Auswertung des Analyseunternehmens EV-Volumes zeigt, dass die weltweite Fahrzeugflotte immer stärker elektrifiziert wird. Haupttreiber ist China, das mit 31 Millionen verkauften Autos im vergangenen Jahr der größte Automarkt der Welt ist.

Über die Hälfte der Neuwagen in China sind inzwischen elektrisch. Zwar sorgt ein harter Preiskampf für Druck auf die Gewinnmargen, doch der rasche Umstieg verändert die Machtverhältnisse in der globalen Autoindustrie grundlegend.

Auf den vorderen Rängen dominieren zunehmend chinesische Marken. Während BYD im vergangenen Jahr noch mit Tesla um Platz eins konkurrierte, hat der Konzern 2025 deutlich aufgeholt.

Tesla verzeichnete im Zuge von Modellwechseln starke Absatzrückgänge und steht wegen politischer Äußerungen von Elon Musk in der Kritik. Den dritten Platz belegt Geely, zu dem auch Volvo Cars gehört. Geely verfolgt eine klare Expansionsstrategie und ist in Europa mit Marken wie Lynk & Co, Zeekr und Geely Auto präsent.

Unter den zehn größten Elektroautoherstellern weltweit sind mittlerweile fünf chinesisch. Bei den Plug-in-Hybriden stammen sieben der zehn größten Anbieter aus China.

Wachsende Nachfrage in Asien und Lateinamerika

Auch in Asien und Lateinamerika steigt das Interesse an Elektrofahrzeugen. In Ländern wie Brasilien und Thailand werden laut der Internationalen Energieagentur (IEA) bereits 85 Prozent der verkauften E-Autos von chinesischen Herstellern geliefert.

„Der globale Trend zeigt klar, dass europäische, amerikanische und japanische Hersteller Marktanteile an chinesische Wettbewerber verlieren“, sagt Munoz.

Schwedischer Markt erholt sich

In Schweden schwächte sich der Absatz von Elektroautos im vergangenen Jahr vorübergehend ab, steigt nun aber wieder. „Das liegt am größeren Angebot bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden, die heute eine längere Reichweite haben“, erklärt Mattias Bergman von Mobility Sweden.

„Zudem gibt es viele Rabattaktionen, weil Hersteller ihre Fahrzeuge absetzen wollen. Der Markt ist aktuell käuferfreundlich, und Privatleasing wird wieder beliebter, seit die Zinsen gesunken sind.“

Elektroautos machen in Schweden inzwischen über 8 Prozent des Fahrzeugbestands aus, Plug-in-Hybride rund 7 Prozent. Vor zehn Jahren lagen die Anteile noch bei 0,1 beziehungsweise 0,2 Prozent, ein Beleg für den rasanten technologischen Wandel.

USA bremst den Elektroauto-Trend

In den Vereinigten Staaten geht die Entwicklung in eine andere Richtung. Die Politik von Präsident Donald Trump bevorzugt Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ende September wurden staatliche Subventionen für Elektroautos gestrichen, was den Absatz deutlich dämpfen dürfte.

Handelszölle bremsen zudem den Marktzugang chinesischer Hersteller und belasten auch europäische Unternehmen. Viele konzentrieren sich daher auf Modelle mit höheren Gewinnspannen, was Elektroautos weniger attraktiv macht.

Positive Aussichten trotz Herausforderungen

Trotz dieser Hindernisse sind die Prognosen für das weltweite Wachstum der E-Mobilität im Herbst optimistischer als noch vor dem Sommer. „Vor allem aufgrund der starken Nachfrage in China“, sagt Neil King, Prognosechef bei EV-Volumes.

„Wir erwarten, dass die Auswirkungen der US-Zölle begrenzt bleiben, da die Hersteller bei der Preisgestaltung vorsichtig agieren.“ EV-Volumes rechnet damit, dass 2025 fast jedes vierte weltweit verkaufte Auto ein Ladefahrzeug ist, rund 15 Prozent reine Elektroautos und 8,5 Prozent Plug-in-Hybride.

Bis 2030 soll der Anteil der Elektroautos auf über 30 Prozent steigen, bis 2040 sogar auf fast 80 Prozent. Der Markt für Plug-in-Hybride dürfte hingegen langfristig wieder schrumpfen.

Überleben im Wettbewerb

Der zunehmende Konkurrenzdruck wird viele Hersteller in Schwierigkeiten bringen. „Alle chinesischen Marken, die nach Europa expandieren wollen, werden es nicht schaffen. Nur Unternehmen mit einem überzeugenden Modellportfolio und wettbewerbsfähigen Preisen werden bestehen“, sagt Munoz.

Zudem ist der europäische Automarkt seit der Pandemie um etwa drei Millionen Fahrzeuge geschrumpft, während der Wettbewerb zunimmt. „Wer in der Mitte agiert und rund 100.000 Fahrzeuge verkauft, wird es schwer haben zu überleben“, warnt er.

Chancen und Risiken für Deutschland

Die Entwicklung zeigt, dass China zum globalen Taktgeber der Elektromobilität geworden ist. Für deutsche Hersteller bedeutet das wachsenden Druck, ihre Kostenstrukturen zu optimieren und zugleich Innovationen voranzutreiben.

Während die Nachfrage nach E-Autos auch in Deutschland weiter steigt, bleibt der Wettbewerb hart. Deutschland muss strategisch investieren, um technologisch Schritt zu halten und seine Schlüsselindustrie im Zeitalter der Elektrifizierung zukunftsfähig zu machen.

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