Technologie

Ladesäulen-Schutz: Neue Technik gegen Kabeldiebstahl und Vandalismus

Sabotage und Kabeldiebstähle legen E-Auto-Ladestationen lahm und verursachen Millionenverlust. Betreiber kämpfen mit vandalismusresistenter Technik, Überwachung und smarter Infrastruktur, um Ladepunkte zuverlässig verfügbar zu halten. Während Diebe weiterhin aktiv sind, testen Anbieter Tracking, Farbpatronen und KI-gestützte Systeme, um Kabeldiebstähle zu verhindern und Vertrauen in die Elektromobilität zu stärken.
14.10.2025 14:07
Lesezeit: 4 min

Neue Technik soll Vandalismus an Ladesäulen stoppen

Sabotage an Ladesäulen legt manchmal ganze Standorte lahm. Das sorgt für Ärger bei Betreibern und E-Auto-Nutzerinnen und -Nutzern. Wie sich die Zahlen entwickeln und wie clevere Technik kontern soll.

Die schwarz ummantelten Kabelstümpfe hängen zwar noch kläglich an der Ladesäule. Ein Aufladen des E-Autos ist hier jedoch im Moment nicht möglich. Mit dem Ausbau der Infrastruktur steigt auch die Zahl der Kabeldiebstähle. Worum es dabei geht und was man dagegen tun kann:

Wie viele Vorfälle gibt es?

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW als führender Anbieter von Schnellladepunkten in Deutschland spricht von bisher weit über 900 Kabeldiebstählen in diesem Jahr. Bei EWE Go aus Oldenburg liegt die Zahl im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich. Ionity mit Sitz in München verzeichnet in Deutschland rund 30 gestohlene Kabel, europaweit etwas mehr als 100.

Eine bundesweite Übersicht solcher Fälle existiert nicht. In der Polizeistatistik werden sie nicht so präzise erfasst, wie das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärten.

Wie entwickeln sich die Zahlen?

Die Anbieter berichten von teils deutlichen Anstiegen in diesem Jahr. Bei EWE Go etwa lag die Zahl der Fälle von 2022 bis 2024 "im sehr niedrigen zweistelligen Bereich". Ionity sprach für den Zeitraum von nur einer Handvoll Fälle von Kabeldiebstählen in Deutschland und Großbritannien.

Wer sind die Täter?

Zum einen könnten Diebe es auf das Kupfer abgesehen haben – je nach Dicke und Leistungsfähigkeit enthalten Schnellladekabel laut EnBW zwischen vier und zehn Kilogramm des Metalls. Beim Schrotthandel bringt das etwa 50 Euro pro Kabel, auf dem Schwarzmarkt ungefähr die Hälfte.

Da das nicht besonders lukrativ ist, werden auch andere Motive wie reiner Vandalismus oder gezielte Sabotage diskutiert, schreibt EnBW auf ihrer Internetseite. "Denn manche Taten scheinen ideologisch motiviert zu sein - etwa, weil man die Elektromobilität ablehnt: Kupferkabel, die erst hinter der Kabelführung abgeschnitten werden, wodurch noch ein Meter Ladekabel an der Säule hängt." Der Rest liegt wenige Schritte weiter im Gebüsch.

Auch wenn alle Vorfälle angezeigt werden, zeigt die Realität doch: Die Täter und Täterinnen zu fassen, ist oft alles andere als leicht.

Wie hoch ist der Schaden?

"Ein einzelner Kabeldiebstahl verursacht für uns Kosten zwischen 2.500 und 5.000 Euro", teilte eine Ionity-Sprecherin mit. Bei der EnBW liegt der Schaden derzeit im niedrigen einstelligen Millionenbereich, wie eine Sprecherin erklärte. Dabei schlagen vor allem Materialkosten für neue Kabel zu Buche, Arbeitszeit und eine technische Prüfung der Ladesäulen, die vor der Inbetriebnahme vorgeschrieben ist. "Nicht enthalten ist der Umsatzverlust, für den Zeitraum, in dem die Ladestation nicht genutzt werden kann."

Die Ionity-Sprecherin betonte, der immaterielle Schaden sei größer als die Reparaturkosten, "denn jeder Ausfall untergräbt das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur und damit in die Alltagstauglichkeit von E-Mobilität insgesamt".

Welche Folgen haben die Vorfälle für Leute, die laden wollen?

Die betroffenen Ladestationen sind nach Angaben der Anbieter meist mehrere Tage außer Betrieb, bis sie repariert sind. Falls ein frisch abgeschnittenes Kabel – und damit der Ausfall – noch nicht registriert wurde, kann es laut EnBW vorkommen, dass ein Ladepunkt umsonst angefahren wird. "Je nachdem, wie weit die nächste Ladestation entfernt ist, muss ein Umweg gefahren werden."

Sind bestimmte Regionen besonders betroffen?

Regionale Schwerpunkte liegen bei der EnBW in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Vereinzelte Fälle gab es im vergangenen Jahr auch in Thüringen und Rheinland-Pfalz. Zudem kommt es den Angaben zufolge immer wieder zu Wiederholungstaten – also erneuten Diebstählen an gerade erst reparierten Ladesäulen.

Weniger betroffen sind Standorte, die stark frequentiert sind. An Autobahnen etwa wird rund um die Uhr geladen, erläuterte die Ionity-Sprecherin. Für Kriminelle ist es dort deutlich schwieriger, unbeobachtet vorzugehen. Dazu passt, dass an Ladesäulen von Aral pulse einem Sprecher zufolge nur selten Kabel gestohlen werden. "Unsere Ladesäulen befinden sich in der Regel an Aral Tankstellen, von denen ein großer Teil 24/7 geöffnet ist."

Was machen die Anbieter, um Vandalismus zu verhindern?

Ionity stattet Kabel zunehmend mit Farbpatronen aus, die beim Aufschneiden platzen und unübersehbare Spuren hinterlassen. Die Kabel sind dadurch eindeutig als gestohlen erkennbar, die Diebinnen und Diebe ebenfalls markiert. "Erste Erfahrungen zeigen, dass Diebstahlsversuche an so gesicherten Standorten bereits abgebrochen wurden", teilte die Sprecherin mit. Zudem testet das Unternehmen verschiedene Tracking-Maßnahmen, um die Kabel verfolgen zu können und den Weiterverkauf zu erschweren.

EWE Go hingegen sieht beim Einsatz von Tinte die Gefahr, die eigene Infrastruktur zu verunreinigen. Das verursache wiederum Kosten für Reinigung und Instandhaltung – und führe dazu, dass die Ladestation nicht so schnell wieder einsatzbereit ist. Kameratechnik etwa sei wirksamer.

Auch EnBW setzt auf abschreckende Maßnahmen wie verstärkte Beleuchtung oder Videoüberwachung. Doch diese lässt sich nicht ohne weiteres an allen Standorten installieren. Und die Modifizierung von Ladekabeln braucht Zeit, bis sie marktreif ist. Zudem sollen Diebstähle technisch zunehmend erschwert und so unattraktiv gemacht werden: Dazu zählen laut EnBW-Homepage robustere Kabel mit schnittfestem Mantel gegen das Durchtrennen sowie Systeme, die Manipulationen in Echtzeit erkennen und sofort Alarm schlagen.

"Zusätzlich suchen wir den Kontakt mit den Ermittlungsbehörden, um gemeinsam nach präventiven Maßnahmen zu suchen", erklärte Volker Rimpler, Chief Technology Officer E-Mobilität. Ferner ist die Politik gefragt: "Wenn Ladekabel rechtlich als Teil der öffentlichen Energieinfrastruktur eingestuft werden, könnten strengere Strafrahmen greifen", heißt es auf der Internetseite.

Welche Schutzmaßnahmen wären noch denkbar?

Die Big. Bechtold-Gruppe unterstützt Unternehmen bei Sicherheitskonzepten und -technik. Vor Ort können beispielsweise Kameras und Lautsprecher an vorhandene Lampenmasten installiert werden, die mit einer Leitwarte der Gruppe verbunden sind. Diese schaltet sich im Fall einer Störung zu, analysiert die Situation und koordiniert mögliche Maßnahmen, erläuterte die geschäftsführende Gesellschafterin Daniela Bechtold.

"Ergänzend setzen wir auf KI-gestützte Verfahren, die Auffälligkeiten automatisch erkennen und das Sicherheitspersonal unterstützen können." Für kurzfristige Einsätze etwa auch in Ladeparks gibt es mobile Videotürme.

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