Finanzen

Fed-Zinsentscheid: US-Notenbank senkt Leitzins – was das für Investoren bedeutet

Die US-Notenbank hat erneut an der Zinsschraube gedreht. Mitten in einer Phase politischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit senkt die Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen für die USA. Die Anleger nehmen den Fed-Zinsentscheid mehr oder weniger erfreut zur Kenntnis, die US-Börsen tendieren im späten Mittwochshandel weiter auf hohem Niveau. Welche Auswirkungen der Fed-Zinsentscheid sonst noch hat.
29.10.2025 20:28
Aktualisiert: 29.10.2025 20:28
Lesezeit: 2 min

Fed-Zinsentscheid: US-Notenbank senkt erneut die Leitzinsen

Am Mittwoch hat die Fed die Erwartungen nicht enttäuscht. Wie erhofft senkte die US-Notenbank den US-Leitzins. Zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum zweiten Mal in Folge beschloss die Federal Reserve (Fed), den geldpolitischen Schlüsselsatz um 25 Basispunkte zu senken – auf eine neue Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Der Schritt fiel angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und fehlender Konjunkturdaten bemerkenswert aus. Es war ein Fed-Zinsentscheid, der sowohl durch interne Uneinigkeit als auch durch massiven politischen Druck geprägt war.

Uneinigkeit im Offenmarktausschuss

Der Fed-Leitzinsentscheid war keineswegs einstimmig. Fed-Direktor Stephen Miran, ein Vertrauter von US-Präsident Donald Trump, forderte eine stärkere Zinssenkung, während Jeffrey Schmid, Chef des Notenbankbezirks Kansas City, gegen jede Lockerung stimmte. Damit spiegelte der Fed-Zinsentscheid auch den aktuellen Konflikt zwischen restriktiven und expansiven Kräften innerhalb der US-Notenbank wider.

Gleichzeitig beschloss das geldpolitische Gremium, die Politik der Quantitativen Straffung – also den Abbau der Fed-Bilanz – zum 1. Dezember auslaufen zu lassen. Dieser Schritt signalisiert eine vorsichtige Wende hin zu einer weniger restriktiven Geldpolitik, auch wenn die Fed betont, dass der Kurs weiter von den Konjunkturdaten abhänge.

Fed-Zinsentscheidung fällt unter politischem Druck aus dem Weißen Haus

Die Notenbanker fassten den jüngsten Fed-Zinsentscheid unter ungewöhnlich schwierigen Umständen. Wegen des von der US-Regierung verursachten Shutdowns lagen keine aktuellen Wirtschaftsdaten vor. Die US-Notenbank musste daher, wie Beobachter sagen, „im Blindflug“ entscheiden. Nur die Verbraucherpreisdaten für September waren verfügbar und zeigten einen leichten Anstieg der Inflation auf 3,0 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell sprach von einem Balanceakt: Es gebe derzeit „keinen risikolosen Weg“ für die Geldpolitik. Vielmehr müsse die Fed auf Basis der wirtschaftlichen Lage und Risiken abwägen, statt einem festen Kurs zu folgen. Diese Aussage unterstreicht, wie schwer der jüngste Fed-Leitzinsentscheid zu fällen war.

Seit Monaten steht Powell unter Druck von US-Präsident Donald Trump, der ihn immer wieder wegen eines angeblich zu zögerlichen Kurses attackiert. Auf seiner Asienreise nannte Trump den Notenbankchef sogar einen „schlechten Fed-Mann“. Der Präsident fordert seit Langem kräftigere Zinssenkungen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Trotz dieser Angriffe hat Powell bislang Standhaftigkeit bewiesen. Lena Dräger vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel lobte seine Haltung: „Er könnte den Datenblackout, der eine direkte Folge des von der Regierung verursachten Shutdowns ist, als Argument nutzen, um die Zinsen vorerst konstant zu halten.“ Dass er dennoch handelte, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird.

Trump möchte Powell am liebsten absetzen. Ob ein Präsident den Fed-Chef entlassen darf, ist juristisch jedoch unklar. Powells Amtszeit läuft bis Mai 2026. Finanzminister Scott Bessent will dem Präsidenten nach dem Erntedankfest am 27. November eine Liste mit möglichen Nachfolgern vorlegen.

Einschätzung: Weitere Zinssenkungen wahrscheinlich

Die jüngste Entscheidung wurde von vielen Marktteilnehmern erwartet. Laut Einschätzungen von Analysten war der Fed-Zinsentscheid durch die Kommunikation der letzten Wochen gut vorbereitet. Die geldpolitische Haltung gilt trotz der jüngsten Schritte weiterhin als moderat restriktiv.

Mehrere Faktoren sprechen für weitere Zinssenkungen: Erstens sieht die US-Notenbank Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt. Zweitens bleibt die Inflation unter den Erwartungen. Drittens ist der Einfluss der von Trump verhängten Zusatzzölle auf die Preise bislang begrenzt. Daher gilt eine weitere moderate Senkung der US-Leitzinsen im Dezember als wahrscheinlich.

Hintergrund: Struktur und Aufgabe der Fed

Das Federal Reserve System wurde am 23. Dezember 1913 gegründet und besteht aus zwölf regionalen Federal Reserve Banks. Es wird von einem siebenköpfigen Board of Governors und dem Federal Open Market Committee (FOMC) geleitet, das über Offenmarktgeschäfte und Leitzinsen entscheidet. Die US-Notenbank hat das Ziel, Preisstabilität zu sichern, die Inflation zu kontrollieren und das Wirtschaftswachstum zu fördern.

Der aktuelle Fed-Zinsentscheid zeigt, wie sensibel dieses Gleichgewicht ist: Zwischen politischen Spannungen, fehlenden Daten und globalen Unsicherheiten bleibt die Fed gefordert – und die Märkte bleiben gespannt, wohin die Reise der US-Leitzinsen als Nächstes geht.

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