Wirtschaft

Flaute hält an: Deutsche Wirtschaft stagniert im Sommer

Die deutsche Wirtschaft steckt seit langem in der Krise. Auch das dritte Quartal hat nicht die erhoffte Trendwende gebracht. Volkswirte rechnen erst 2026 mit einem Aufschwung – dank staatlicher Milliarden.
30.10.2025 10:37
Lesezeit: 2 min

Schwache Nachfrage und teure Lebenshaltung

Eine schwache Nachfrage in wichtigen Branchen wie Autobau und Chemie belastet die Industrie, hohe US-Zölle bremsen den Export von Waren "Made in Germany". Im Inland halten sich Verbraucherinnen und Verbraucher beim Konsum zurück – auch weil die Menschen für Dinge des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel oft mehr zahlen müssen als vor der Corona-Pandemie.

Investitionen steigen, Exporte sinken

In den drei Monaten Juli bis einschließlich September stiegen zwar die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge, so die Statistiker. Doch die Exporte gingen gemessen am Vorquartal zurück.

Commerzbank-Chef erwartet Aufschwung erst 2026

Mit der deutschen Wirtschaft gehe es nicht wirklich bergauf, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Erst im kommenden Jahr sollte das Fiskalpaket der Bundesregierung die Konjunktur anschieben, wobei das wegen der ausbleibenden Reformen nicht nachhaltig ist."

Reformstau bremst deutsche Wirtschaft

Unternehmen ächzen unter hohen Energiepreisen und viel Bürokratie. Deutschland müsse "endlich wach werden" und "Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt der politischen Agenda" stellen, mahnte jüngst Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

Mit einem "Wachstumsbooster" für verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und einem "Bauturbo" für schnellere Genehmigungen will die Bundesregierung die Konjunktur ankurbeln. Kanzler Friedrich Merz stellte Anfang Oktober ein hohes Tempo bei weiteren Reformen in Aussicht. "Das geht jetzt Schlag auf Schlag", sagte der CDU-Chef im ZDF-"heute journal": "Der Herbst der Reformen hat längst angefangen."

Doch in der Wirtschaft ist anfänglicher Optimismus der Ernüchterung gewichen – auch wegen Streitereien in der schwarz-roten Regierungskoalition. Und die Zeit drängt: Inzwischen sehen 84 Prozent der Unternehmen die marode Verkehrsinfrastruktur als Belastung, wie kürzlich eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 1.100 Unternehmen ergab. "Die Verkehrsinfrastruktur ist ein Bremsklotz für die deutsche Wirtschaft geworden", sagt IW-Experte Thomas Puls.

Höchstens Mini-Wachstum 2025 erwartet

2025 könnte Europas größte Volkswirtschaft trotz der zwei Minus-Quartale knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeischrammen. Führende Ökonomen rechnen mit einem Mini-Plus um die 0,2 Prozent.

Zum Jahresauftakt hatte es noch ein Plus von 0,3 Prozent zum Vorquartal gegeben – allerdings maßgeblich, weil Firmen aus Angst vor den Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump Geschäfte vorzogen. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann nach neuester Berechnung um 0,2 Prozent.

Trendwende im nächsten Jahr?

2026 dürfte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung von Ökonomen etwas kräftiger zulegen, nicht zuletzt wegen der geplanten Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung. Während die Bundesregierung mit einem Plus von 1,3 Prozent rechnet, erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) allerdings nur ein Wachstum von 0,9 Prozent.

Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnten im September anlässlich der Vorlage ihrer Gemeinschaftsdiagnose: Die deutsche Wirtschaft stehe nach wie vor auf "wackeligen Beinen". Denn das für 2026 erwartete Wachstum wird vor allem durch staatliche Investitionen getragen. Damit sich der Aufwärtstrend fortsetze, brauche es grundlegende Reformen.

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