Finanzen

Rheinmetall-Aktie im Plus: Trotz starker Quartalszahlen und Rekordaufträgen bleiben Risiken

Rheinmetall überzeugt mit starken Quartalszahlen und rekordhohen Aufträgen – doch Lieferverzögerungen und Investitionen belasten die Bilanz. Wie stabil bleibt der Aufwärtstrend der Rheinmetall-Aktie? Und kann der Konzern seine ehrgeizigen Wachstumsziele trotz geopolitischer Unsicherheiten langfristig halten?
06.11.2025 12:21
Lesezeit: 4 min

Rheinmetall-Aktie steigt: Rüstungskonzern profitiert weiter von der hohen Nachfrage nach Wehrtechnik

Die Rheinmetall-Aktie zeigt sich nach Vorlage der aktuellen Geschäftszahlen mit einem Kursplus – auch dank der neuesten Analysten-Einstufungen.

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern profitiert weiterhin stark von der hohen Nachfrage nach Wehrtechnik. Im dritten Quartal konnte das Unternehmen sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich steigern. Wie der im DAX notierte Konzern mitteilte, stieg der Umsatz auf 2,780 Milliarden Euro nach 2,453 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis erhöhte sich auf 360 Millionen Euro nach 302 Millionen Euro. Damit übertraf Rheinmetall die Erwartungen der Analysten, die lediglich eine operative Marge von 12,6 Prozent prognostiziert hatten – tatsächlich erreichte der Konzern 12,9 Prozent nach 12,3 Prozent im Vorjahr.

Das operative Ergebnis kletterte somit überproportional zum Umsatz, wodurch die Rendite stärker zulegte als erwartet. Auch der Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Rheinmetall rechnet weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent und einer operativen Ergebnismarge von rund 15,5 Prozent nach 15,2 Prozent im Vorjahr.

Auftragsverzögerungen bremsen Rheinmetall nur vorübergehend

Trotz des positiven Trends wird der Rüstungskonzern derzeit noch durch Auftragsverzögerungen gebremst. Der Regierungswechsel in Deutschland führte zu Verzögerungen beim Auftragseingang. Im dritten Quartal lag die sogenannte Nomination mit 3,88 Milliarden Euro gut ein Drittel unter dem Niveau des Vorjahres. Diese Kennziffer umfasst nicht nur den klassischen Auftragseingang, sondern auch neue Rahmenverträge mit militärischen Kunden.

Konzernchef Armin Papperger sieht jedoch bereits die Weichen für ein starkes viertes Quartal gestellt. Die geplanten Großprogramme der Bundeswehr seien mittlerweile in der Finanzplanung des Bundes abgesichert und würden „zeitnah in die Beauftragung gehen“. Damit rechnet Rheinmetall in den kommenden Monaten mit einem deutlichen Auftragsplus, was auch den Rheinmetall-Aktienkurs weiter beflügeln könnte.

Rheinmetall-Bilanz zeigt Rekordwerte – aber auch Belastungen

Die Rheinmetall-Bilanz für die ersten neun Monate fällt beeindruckend aus: Der Konzern erzielte ein Umsatzwachstum von 20 Prozent auf 7,52 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg von 613 Millionen Euro auf 724 Millionen Euro. Damit bleibt Rheinmetall auf Rekordkurs. Der Auftragsbestand erreichte bis Ende September mit 64 Milliarden Euro einen neuen Höchststand – im vergangenen Jahr waren es noch knapp 52 Milliarden Euro.

Allerdings zeigen sich auch Schattenseiten: Der Ausbau der Produktionskapazitäten und steigende Vorräte belasten den Cashflow. Der operative Free Cashflow lag bei minus 813 Millionen Euro. Die Gewinnmarge fiel leicht von 9,8 auf 9,6 Prozent, was die hohen Investitionen widerspiegelt. Dennoch bleibt die Rheinmetall-Aktie robust, da der Markt auf langfristiges Wachstum im Rüstungsbereich setzt.

Rheinmetall-Aktienkurs reagiert positiv auf Quartalszahlen

An der Börse reagierten die Anleger zunächst verhalten, dann jedoch optimistischer. Im vorbörslichen Handel in Frankfurt legte die Rheinmetall-Aktie nach Veröffentlichung der Quartalszahlen um mehr als 2,2 Prozent zu und kletterte auf annähernd 1.750,00 Euro. Bei Börseneröffnung verbuchte der DAX-Wert nur noch ein leichtes Kursplus von rund 0,5 Prozent. Dieses schmolz im frühen Handelsverlauf langsam immer weiter zusammen, die Rheinmetall-Aktie rutschte sogar kurz ins Minus. Doch am späteren Vormittag legte die Rüstungsaktie wieder zu und markierte um die Mittagszeit ein vorzeitiges Tageshoch bei 1.780 Euro – ein Plus von mehr als 3 Prozent.

Diesen kleinen Kaufrausch schoben aktualisierte Analystenmeinungen an: Die US-Bank JPMorgan beließ ihr Urteil „Overweight“ mit einem Kursziel von 2.250 Euro für die Rheinmetall-Aktie. Analyst David Perry attestierte Rheinmetall erwartungsgemäße Zahlen und lobte die solide Ergebnisentwicklung. Der Fokus der Anleger liege schon auf dem Kapitalmarkttag am 18. November. Derweil biete der jüngste Kursrückgang eine günstige Einstiegsgelegenheit vor diesem wichtigen Ereignis. Auch Jefferies-Analystin Chloe Lemarie bekräftigte am Donnerstagmorgen ihr „Buy“-Rating mit Kursziel 2.250 Euro. Auf den ersten Blick sorgten stabile Ergebnisse im dritten Quartal für etwas Erleichterung vor dem Mitte November anstehenden Kapitalmarkttag, schrieb Lemarie. Die von manchen befürchtete Anpassung der Prognose, die sich zuletzt auch im Rheinmetall-Aktienkurs widerspiegele, sei ausgeblieben.

Beide Einschätzungen signalisieren Vertrauen in die mittelfristige Stärke von Rheinmetall. Analysten werten die Zahlen insgesamt als stark, insbesondere angesichts der geopolitischen Lage in Europa und der anhaltend hohen Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten. Mit dem anhaltenden Wachstum des Rüstungsgeschäfts und der erwarteten Umsetzung der Großprojekte der Bundeswehr stehen die Zeichen für den Rüstungskonzern weiterhin auf Expansion. Sollte sich die Aufrüstung Europas weiter konkretisieren, könnte das den Rheinmetall-Aktienkurs zusätzlich stützen.

Trotz des noch relativ deutlichen Abstands zum Anfang Oktober aufgestellten Rheinmetall-Rekordhoch von rund 2.008 Euro steht im bisherigen Jahresverlauf unter dem Strich immer noch ein Kurssprung von 177 Prozent – damit führen die Rheinmetall-Aktien unangefochten die Gewinnerliste im Deutschen Aktienindex an.

Verkauf der zivilen Sparte rückt näher

Neben dem boomenden Rüstungsgeschäft arbeitet Rheinmetall auch an einer strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen will sich vollständig auf die Wehrtechnik konzentrieren und plant daher den Verkauf der Sparte Power Systems, die das zivile Geschäft zur Belieferung der Autoindustrie umfasst.

Laut Unternehmensangaben sollen die endgültigen Angebote im laufenden vierten Quartal eingereicht werden. Bis Jahresende soll Power Systems als „aufgegebener Geschäftsbereich“ neu klassifiziert werden. Eine vorläufige Unterzeichnung des Verkaufs ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen. Im dritten Quartal sank der Umsatz der Sparte auf 473 Millionen Euro nach 487 Millionen Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis blieb mit 18 Millionen Euro stabil, wodurch die Marge auf 3,9 Prozent stieg (Vorjahr: 3,6 Prozent). Damit bleibt der Bereich hinter dem margenstarken Rüstungsgeschäft deutlich zurück.

Rheinmetall-Quartalszahlen belegen klare Fokussierung

Die aktuellen Rheinmetall-Quartalszahlen zeigen deutlich, dass der Konzern seinen Fokus erfolgreich auf das Verteidigungsgeschäft verlagert. Während der zivile Bereich stagniert, wächst das militärische Segment zweistellig. Der Krieg in der Ukraine hat die Nachfrage nach Rüstungsgütern stark erhöht, insbesondere bei Artilleriemunition, gepanzerten Fahrzeugen und elektronischen Systemen.

Rheinmetall gilt mittlerweile als einer der wichtigsten Zulieferer der Bundeswehr und zentraler Akteur bei der europäischen Aufrüstung. Die beschleunigten NATO-Investitionen schaffen für den Konzern eine stabile Nachfragebasis über Jahre hinweg.

Perspektiven für die Rheinmetall-Aktie

Für Anleger bleibt die Rheinmetall-Aktie interessant, auch wenn kurzfristige Schwankungen möglich sind. Mit einem Auftragsbestand von 64 Milliarden Euro, steigenden Umsätzen und solider Profitabilität bietet das Unternehmen langfristig Wachstumspotenzial. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Bundeswehr-Aufträge tatsächlich noch im laufenden Jahr vergeben werden. Die Kombination aus solider Rheinmetall-Bilanz, ehrgeiziger Wachstumsprognose und klarer strategischer Ausrichtung stärkt das Vertrauen der Investoren. Zudem bleibt die Aktie ein zentraler Profiteur der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im Verteidigungssektor.

Die Rheinmetall-Quartalszahlen bestätigen, dass der Konzern seine Position als führender europäischer Rüstungslieferant weiter ausbaut. Trotz einzelner Verzögerungen im Auftragseingang wächst der Umsatz dynamisch, und die Profitabilität bleibt hoch. Die geplante Veräußerung des zivilen Geschäfts unterstreicht die Fokussierung auf das Kerngeschäft. Die Rheinmetall-Aktie profitiert von der Kombination aus Rekordaufträgen, robusten Margen und einem klaren Zukunftsplan. Anleger sehen in ihr weiterhin eine attraktive Möglichkeit, vom anhaltenden Rüstungsboom in Europa zu profitieren.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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