Technologiewerte verlieren an Schwung – Realitätscheck an den Märkten
Die vergangene Woche war für Technologiewerte die schwächste seit dem Markteinbruch im April. Der Nasdaq-Index verlor drei Prozent, der Technologiesektor im S&P 500 gab um sechs Prozent nach. Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz kühlte merklich ab, da Anleger die hohen Bewertungen zunehmend hinterfragten. Beobachter sprechen weniger von einer Krise als vielmehr von einer gesunden Marktbereinigung, die nötig war, um überhitzte Erwartungen zu korrigieren.
Die Quartalsergebnisse großer US-Konzerne fielen überwiegend positiv aus, während die Finanzwelt gespannt auf die Nvidia-Zahlen blickt, die am 19. November veröffentlicht werden. Der anhaltende Stillstand der US-Regierung belastet zusätzlich. Da keine neuen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden konnten, wächst die Nervosität an den US-Börsen. Es ist die längste Regierungsschließung in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Auch Kryptowährungen gerieten unter Druck: Der Bitcoin-Kurs notiert zwar noch über 100.000 Dollar, verlor im Monatsvergleich aber 16 Prozent.
Marktstreit an der Wall Street: Palantir, Nvidia und die KI-Blase
Der bekannte Börsenspekulant Michael Burry hat mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Dollar – rund 80 Prozent seines Portfolios – auf fallende Kurse der Palantir- und Nvidia-Aktien gesetzt. Palantir-CEO Alex Karp reagierte scharf: „Zwei Unternehmen, gegen die er wettet, sind jene, die tatsächlich Gewinne erzielen. Das ist völlig irrational“, sagte Karp gegenüber CNBC. „Er setzt im Grunde gegen Künstliche Intelligenz, gegen uns und gegen Nvidia.“ Palantir wies für das dritte Quartal bessere Zahlen als erwartet aus, dennoch fiel die Palantir-Aktie um 13 Prozent. Karp warf Burry sogar Marktmanipulation vor: „Wir liefern Rekordergebnisse, und doch sinkt der Kurs. Es ist nicht auszuschließen, dass solche Wetten Teil gezielter Marktbewegungen sind.“
Auch OpenAI-Chef Sam Altman meldete sich zu Wort. Er stellte klar, dass sein Unternehmen keine staatliche Rettung anstrebe, nachdem die Finanzchefin zuvor über mögliche Staatsgarantien für KI-Infrastruktur spekuliert hatte. Altman betonte, Regierungen sollten eigene KI-Kapazitäten aufbauen – „aber auch deren Gewinne einbehalten“. Auf dem Global Financial Leaders Investment Summit in Hongkong diskutierten mehrere Topmanager über die Überbewertung an den US-Börsen. Citadel-Chef Ken Griffin erklärte, die Märkte seien derzeit „so irrational wie selten zuvor“: Der S&P 500 wird mit dem 23-Fachen der prognostizierten Gewinne bewertet, der Nasdaq 100 sogar mit dem 28-Fachen – deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt. Morgan-Stanley-CEO Ted Pick erwartet in den kommenden Monaten eine Korrektur um 10 bis 15 Prozent, hält diese aber für gesund. „Solche Rückgänge gehören zu einem normalen Zyklus und signalisieren kein systemisches Risiko“, sagte Pick. Goldman-Sachs-Chef David Solomon sieht die Situation ähnlich: Anleger sollten sich nicht zu hektischen Verkäufen hinreißen lassen. „Bleiben Sie investiert und passen Sie Ihr Portfolio an. Wer versucht, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen, liegt meist falsch“, so Solomon.
Nvidia-Aktie im Fokus: Starkes Chipgeschäft trotz politischer Hürden
Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigte, dass die Nachfrage nach den neuen Blackwell-Chips außergewöhnlich hoch sei. Der taiwanesische Partner TSMC könne kaum Schritt halten. Nvidia produziere nicht nur Grafikprozessoren, sondern auch zentrale Recheneinheiten, Netzwerke und Schaltkomponenten, erklärte Huang. Auf die Frage nach möglichen Verkäufen an China sagte er, es gebe „derzeit keine aktiven Gespräche“. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump habe derartige Exporte untersagt, um zu verhindern, dass chinesische Unternehmen militärische Vorteile aus amerikanischer Chiptechnologie ziehen. Die Nvidia-Aktie verlor im Wochenverlauf fast zehn Prozent – ein Indikator dafür, dass die hohen Bewertungen vieler Technologietitel an den US-Börsen zunehmend unter Druck geraten.
Auch deutsche Investoren verfolgen die Entwicklungen an den US-Börsen aufmerksam. Da viele DAX-Konzerne enge Geschäftsbeziehungen zu US-Technologiefirmen unterhalten – etwa im Bereich Halbleiter, Cloud-Dienste oder KI-Software – könnten starke Kursbewegungen in New York unmittelbare Auswirkungen auf europäische Märkte haben. Sollte sich die erwartete Korrektur fortsetzen, wäre auch hierzulande mit erhöhter Volatilität zu rechnen.


