Finanzen

US-Börsen uneinheitlich: Die Angst vor dem Absturz wächst – und Trump schaut zu

Die Rally an den US-Börsen wankt: Während der Leitindex Dow Jones am Dienstag stabil bleibt, dominieren beim Nasdaq Composite Index die roten Vorzeichen. Tech-Aktien verlieren kräftig, Starinvestoren warnen vor Marktmanipulationen. Während die Nvidia-Aktie sowie die Papiere von Palantir und OpenAI im Zentrum stehen, wächst die Angst vor einer überfälligen Korrektur.
11.11.2025 19:50
Lesezeit: 2 min
US-Börsen uneinheitlich: Die Angst vor dem Absturz wächst – und Trump schaut zu
Wall Street im Realitätscheck: Nach Rekordjahren droht die Korrektur an den US-Börsen (Foto: dpa). Foto: Sven Hoppe

Technologiewerte verlieren an Schwung – Realitätscheck an den Märkten

Die vergangene Woche war für Technologiewerte die schwächste seit dem Markteinbruch im April. Der Nasdaq-Index verlor drei Prozent, der Technologiesektor im S&P 500 gab um sechs Prozent nach. Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz kühlte merklich ab, da Anleger die hohen Bewertungen zunehmend hinterfragten. Beobachter sprechen weniger von einer Krise als vielmehr von einer gesunden Marktbereinigung, die nötig war, um überhitzte Erwartungen zu korrigieren.

Die Quartalsergebnisse großer US-Konzerne fielen überwiegend positiv aus, während die Finanzwelt gespannt auf die Nvidia-Zahlen blickt, die am 19. November veröffentlicht werden. Der anhaltende Stillstand der US-Regierung belastet zusätzlich. Da keine neuen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden konnten, wächst die Nervosität an den US-Börsen. Es ist die längste Regierungsschließung in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Auch Kryptowährungen gerieten unter Druck: Der Bitcoin-Kurs notiert zwar noch über 100.000 Dollar, verlor im Monatsvergleich aber 16 Prozent.

Marktstreit an der Wall Street: Palantir, Nvidia und die KI-Blase

Der bekannte Börsenspekulant Michael Burry hat mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Dollar – rund 80 Prozent seines Portfolios – auf fallende Kurse der Palantir- und Nvidia-Aktien gesetzt. Palantir-CEO Alex Karp reagierte scharf: „Zwei Unternehmen, gegen die er wettet, sind jene, die tatsächlich Gewinne erzielen. Das ist völlig irrational“, sagte Karp gegenüber CNBC. „Er setzt im Grunde gegen Künstliche Intelligenz, gegen uns und gegen Nvidia.“ Palantir wies für das dritte Quartal bessere Zahlen als erwartet aus, dennoch fiel die Palantir-Aktie um 13 Prozent. Karp warf Burry sogar Marktmanipulation vor: „Wir liefern Rekordergebnisse, und doch sinkt der Kurs. Es ist nicht auszuschließen, dass solche Wetten Teil gezielter Marktbewegungen sind.“

Auch OpenAI-Chef Sam Altman meldete sich zu Wort. Er stellte klar, dass sein Unternehmen keine staatliche Rettung anstrebe, nachdem die Finanzchefin zuvor über mögliche Staatsgarantien für KI-Infrastruktur spekuliert hatte. Altman betonte, Regierungen sollten eigene KI-Kapazitäten aufbauen – „aber auch deren Gewinne einbehalten“. Auf dem Global Financial Leaders Investment Summit in Hongkong diskutierten mehrere Topmanager über die Überbewertung an den US-Börsen. Citadel-Chef Ken Griffin erklärte, die Märkte seien derzeit „so irrational wie selten zuvor“: Der S&P 500 wird mit dem 23-Fachen der prognostizierten Gewinne bewertet, der Nasdaq 100 sogar mit dem 28-Fachen – deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt. Morgan-Stanley-CEO Ted Pick erwartet in den kommenden Monaten eine Korrektur um 10 bis 15 Prozent, hält diese aber für gesund. „Solche Rückgänge gehören zu einem normalen Zyklus und signalisieren kein systemisches Risiko“, sagte Pick. Goldman-Sachs-Chef David Solomon sieht die Situation ähnlich: Anleger sollten sich nicht zu hektischen Verkäufen hinreißen lassen. „Bleiben Sie investiert und passen Sie Ihr Portfolio an. Wer versucht, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen, liegt meist falsch“, so Solomon.

Nvidia-Aktie im Fokus: Starkes Chipgeschäft trotz politischer Hürden

Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigte, dass die Nachfrage nach den neuen Blackwell-Chips außergewöhnlich hoch sei. Der taiwanesische Partner TSMC könne kaum Schritt halten. Nvidia produziere nicht nur Grafikprozessoren, sondern auch zentrale Recheneinheiten, Netzwerke und Schaltkomponenten, erklärte Huang. Auf die Frage nach möglichen Verkäufen an China sagte er, es gebe „derzeit keine aktiven Gespräche“. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump habe derartige Exporte untersagt, um zu verhindern, dass chinesische Unternehmen militärische Vorteile aus amerikanischer Chiptechnologie ziehen. Die Nvidia-Aktie verlor im Wochenverlauf fast zehn Prozent – ein Indikator dafür, dass die hohen Bewertungen vieler Technologietitel an den US-Börsen zunehmend unter Druck geraten.

Auch deutsche Investoren verfolgen die Entwicklungen an den US-Börsen aufmerksam. Da viele DAX-Konzerne enge Geschäftsbeziehungen zu US-Technologiefirmen unterhalten – etwa im Bereich Halbleiter, Cloud-Dienste oder KI-Software – könnten starke Kursbewegungen in New York unmittelbare Auswirkungen auf europäische Märkte haben. Sollte sich die erwartete Korrektur fortsetzen, wäre auch hierzulande mit erhöhter Volatilität zu rechnen.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kakaopreis rutscht ab: Ursachen und Folgen für Märkte und Industrie
16.01.2026

Der Kakaomarkt reagiert auf spürbare Veränderungen bei Nachfrage und Verarbeitung. Signalisiert der jüngste Rückgang des Kakaopreises...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche-Aktie: Absatzkrise in China – Porsche verkauft deutlich weniger Fahrzeuge
16.01.2026

Porsche spürt die anhaltende Marktschwäche in China deutlich: Der Absatz ging 2025 um rund ein Viertel auf 41.900 Fahrzeuge zurück....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise verschärft sich: Gaspreise in Europa innerhalb einer Woche um 20 Prozent gestiegen
16.01.2026

Europas Gasmarkt erlebt einen kräftigen Preissprung: In nur einer Woche stiegen die Kosten für Erdgas um rund 20 Prozent und erreichten...

DWN
Panorama
Panorama Urlaubspläne 2026: Deutsche halten trotz Wirtschaftskrise fest
16.01.2026

Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen: Rund zwei Drittel der Bevölkerung planen für 2026 eine Urlaubsreise. Dennoch ist die Zahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stromversorgung nach Kohleausstieg: Braucht Deutschland Gaskraftwerke?
16.01.2026

Die Debatte um neue Gaskraftwerke in Deutschland wird intensiver. Die Regierung sieht sie als zentral für die Versorgungssicherheit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Institut warnt: Handelspolitik der USA trifft Deutschland langfristig
16.01.2026

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump belasten dessen Strafzölle die deutsche Wirtschaft weiterhin deutlich. Nach...