Finanzen

US-Börsen: Rohstoffe, Gold und KI treiben Kurse weiter nach oben

Der September an den US-Börsen verlief überraschend stark. Trotz zahlreicher Gründe, die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aktienwachstums hätten aufkommen lassen können, blieben Rückschläge aus. Aktien und Rohstoffe legten zu, Gold stieg allein im September um zwölf Prozent, und Indexfonds verzeichneten Nettomittelzuflüsse.
07.10.2025 14:19
Lesezeit: 4 min

Starker Monatsabschluss an den US-Börsen

Der September zeigte sich an den US-Börsen unerwartet robust. Obwohl es genügend Gründe und Gelegenheiten gab, um Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aktienwachstums aufkommen zu lassen, trat kein Rückschlag ein. Nicht nur Aktien legten zu, auch Rohstoffe verzeichneten deutliche Gewinne, und Gold stieg allein im September um zwölf Prozent und erreichte neue Rekordstände. Praktisch alle Arten von Indexfonds und börsengehandelten Fonds (ETFs) verzeichneten Nettomittelzuflüsse. Mit dem Beginn des letzten Quartals des Jahres stehen historisch betrachtet die besten Monate für Aktien bevor. Historische Durchschnittswerte zeigen, dass der S&P 500 von Oktober bis Jahresende im Schnitt um 2,9 Prozent steigt. Vor der Eröffnung der Berichtssaison prognostizieren Analysten einen Anstieg der Gewinne des US-Index um 8,8 Prozent im Jahresvergleich, während diese Zahl im Juli noch bei acht Prozent lag, wie Daten von LSEG zeigen. In der vergangenen Woche verzeichneten wichtige Indizes moderate Zuwächse: SBI TOP, S&P 500, Dow Jones und MSCI World legten jeweils um rund 1,1 Prozent zu, der Nasdaq stieg um 1,3 Prozent, der Eurostoxx 600 um 2,6 Prozent, Gold gewann 3,3 Prozent auf 3.886 US-Dollar, und Bitcoin stieg um 10,2 Prozent auf 121.868 US-Dollar.

Jeff Bezos: Künstliche Intelligenz als gesellschaftlicher Gewinn

Amazon-Gründer Jeff Bezos äußerte sich auf der Tech Week in Turin zu künstlicher Intelligenz und den aktuellen Entwicklungen an den US-Börsen. Er betonte, dass Investoren heute Milliarden in Unternehmen investieren, die noch kein fertiges Produkt vorweisen können, und zog dabei Parallelen zu früheren Biotechnologie-Investitionsblasen. Trotz der Risiken von Blasen entstehen gesellschaftliche Vorteile, wenn sich Gewinner herauskristallisieren. Bezos stellte klar, dass künstliche Intelligenz real ist und jede Branche verändern wird. Die potenziellen gesellschaftlichen Nutzen seien enorm. Er verglich die aktuelle Situation mit früheren Biotech-Blasen, die trotz zahlreicher Fehlschläge lebensrettende Innovationen hervorgebracht hätten. Industriebezogene Investitionsblasen seien demnach keineswegs nur negativ, sondern könnten sogar positive Effekte für die Gesellschaft erzeugen.

Leon Cooperman: Herdenverhalten treibt Bewertungen an den US-Börsen

Investitionsveteran Leon Cooperman, Leiter des Omega Family Office, betrachtet die aktuelle Lage an den US-Börsen kritisch und zitiert einen 25 Jahre alten Kommentar von Warren Buffett. Dieser hatte 1999 für die Zeitschrift Fortune erklärt, dass in einem Bullenmarkt die Masse unabhängig von Strategie und fundamentaler Analyse in den Markt einsteigt, wobei allein das Gefühl, nicht zu investieren, als falsch erscheint. Cooperman betont, dass Blasen nicht nur durch überbewertete Aktien entstehen, sondern vor allem durch irrationalen Investorenenthusiasmus, der von der Marktbewegung getrieben wird. Besonders bei KI-Aktien seien die Bewertungen derzeit absurd hoch. Gleichzeitig werden Staatsanleihen aufgrund der gestiegenen Inflation noch stärker gemieden, da die Renditen dieser festverzinslichen Instrumente geschmälert werden. Unter diesen Umständen seien Aktien auf dem aktuellen Niveau weniger riskant als Anleihen, erklärte Cooperman gegenüber CNBC.

David Solomon: Solide wirtschaftliche Basis trotz Unsicherheiten

Goldman-Sachs-Chef David Solomon geht davon aus, dass die US-Wirtschaft trotz eines schwächeren Arbeitsmarktes und geopolitischer Spannungen weiter wächst. Die staatlichen Ausgaben und die umfangreiche Investition in KI-Infrastruktur sorgen dafür, dass die Wirtschaft insgesamt „in guter Verfassung“ bleibt, sagte Solomon gegenüber Bloomberg. Dies dürfte dem Bankensektor zugutekommen, insbesondere im Bereich Fusionen und Übernahmen. Zugleich erwartet Solomon in den nächsten zwölf bis 24 Monaten einen Kapitalabfluss vom Aktienmarkt, besonders bei hoch bewerteten KI-Positionen. Trotz dieser Entwicklungen betonte er, dass er ohne Sorge schlafen könne, was das Vertrauen in die Stabilität der Märkte unterstreicht.

Bank of America: Rohstoffe als Absicherung gegen KI-Hype

Analysten der Bank of America empfehlen Anlegern, ihre Portfolios im KI-Bereich mit Rohstoffen auszugleichen, die für den Aufschwung der künstlichen Intelligenz benötigt werden. Besonders Aktien aus dem Kupfer- und Energiesektor seien interessant. Zudem bietet der britische FTSE-100-Index Zugang zu großen Bergbauunternehmen wie Rio Tinto, Anglo American und Glencore sowie zu Pharmakonzernen wie AstraZeneca und GSK. Die Analysten warnen, dass KI große Mengen an Rohstoffen „verbraucht“ und raten, das Portfolio auf diese Weise gegen eine Überhitzung im Technologiesektor abzusichern. Gleichzeitig könnten solche Positionen als Stabilitätsanker dienen, da sie weniger anfällig für extreme Kursschwankungen im High-Tech-Bereich sind.

JPMorgan: Nuklearenergie wird längerfristig relevant

Die steigende Nachfrage nach Energie für KI-Rechenzentren beflügelt auch Investitionen in die Nuklearenergie. Schätzungen zufolge könnten in den USA bis zu 350 Milliarden US-Dollar in neue Kernkraftwerke fließen. Der MVIS Global Uranium & Nuclear Energy Index ist seit Jahresbeginn um 71,7 Prozent gestiegen, während der S&P 500 nur um 14 Prozent zulegte. Trotz des Optimismus warnt Rama Variankaval, Leiter der globalen Beratung bei JPMorgan Chase, dass der Bau neuer Kernkraftwerke länger dauern könnte als erwartet. Nuklearenergie werde langfristig eine größere Rolle in der Stromversorgung spielen, sei aber derzeit noch nicht in einer führenden Position.

Jim Chanos: Weitere Unternehmensinsolvenzen zu erwarten

Die Insolvenz des Autozulieferers First Brands mit Verbindlichkeiten von 11,6 Milliarden US-Dollar zeigt die Risiken im privaten Kreditsektor. Private-Equity-Investoren wie Sagard und Strategic Value Partners hatten kurz vor der Pleite noch Kredite bereitgestellt und stehen nun vor möglichen Verlusten in Millionenhöhe. Jim Chanos, bekannt für seine Wetten gegen Enron, erwartet weitere ähnliche Fälle, sobald sich der Wirtschaftszyklus umkehrt. Hohe Renditen bei vermeintlich sicheren Anlagen seien ein erstes Warnsignal für Anleger und deuten auf potenzielle Risiken in stark verschachtelten Finanzierungsstrukturen hin.

Die Entwicklungen an den US-Börsen, insbesondere das Wachstum bei Aktien, Rohstoffen und KI-Investments, haben auch Auswirkungen auf deutsche Investoren und Unternehmen. Deutsche Fonds und institutionelle Anleger stehen vor der Herausforderung, ihre Portfolios angesichts hoher Bewertungen und globaler Unsicherheiten auszubalancieren. Besonders für Technologie- und Industrieunternehmen in Deutschland eröffnet der KI-Boom Chancen, gleichzeitig ist Vorsicht bei hoch bewerteten Aktien und privaten Krediten geboten. Rohstoffe und nachhaltige Energieinvestitionen könnten als Stabilitätsanker dienen und langfristig deutsche Investitionsstrategien beeinflussen.

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