Finanzen

Moderna-Aktie explodiert: Melanom-Impfstoff schürt Hoffnung auf Milliardengeschäft

Die Moderna-Aktie schießt nach einem wegweisenden Studienerfolg in die Höhe. Ein personalisierter Krebsimpfstoff könnte dem Biotechkonzern den Sprung in einen Milliardenmarkt ermöglichen. Doch es gibt noch einige Hürden!
19.08.2026 17:21
Aktualisiert: 19.08.2026 17:21
Lesezeit: 3 min
Moderna-Aktie explodiert: Melanom-Impfstoff schürt Hoffnung auf Milliardengeschäft
MRNA-Impfung: Ist Moderna mit einem Krebsmedikament der Druchbruch gelungen? (Bild: dpa) Foto: Sina Schuldt

Moderna-Aktie verdoppelt den Kurs: Melanom-Impfstoff macht Anleger euphorisch

Ein entscheidender Studienerfolg von Moderna (ISIN: US60770K1079) und Merck & Co. (ISIN: US58933Y1055) sorgt zur Wochenmitte an der US-Börse für ein Kursfeuerwerk. Nach Unternehmensangaben senkte der personalisierte Melanom-Impfstoff Intismeran Autogene zusammen mit Keytruda die Rate wiederkehrender Melanome stärker als die alleinige Immuntherapie. Die Moderna-Aktie sprang laut Marktbericht um 150 Prozent. Im NASDAQ-Handel wurde zeitweise ein Plus von annähernd 130 Prozent auf 144,70 US-Dollar ausgewiesen. Der Moderna-Aktienkurs spiegelt damit die Hoffnung auf einen wichtigen Meilenstein für mRNA-basierte Therapien wider.

Historischer Erfolg in Phase 3

An der Studie nahmen rund 1.100 Patienten teil, deren malignes Melanom operativ entfernt worden war. Sie erhielten entweder nur Keytruda oder zusätzlich Intismeran Autogene. Die Kombination verringerte das Risiko eines Rückfalls oder Todesfalls klinisch bedeutsam und statistisch signifikant und half nach Konzernangaben, eine Ausbreitung der Tumoren zu verhindern. Laut Barron's ist es der erste Erfolg in Phase 3 für einen Krebsbehandlungsimpfstoff überhaupt.

Studienleiterin Georgina Long, Onkologin an der University of Sydney, bezeichnete das Ergebnis als einen "Meilenstein für die adjuvante Melanom-Behandlung". Das Präparat wird individuell aus dem Erbgut des Tumors gefertigt und soll dem Immunsystem zeigen, welche Mutationen es angreifen muss. Moderna und Merck wollen die Daten auf einem noch zu benennenden Fachkongress präsentieren und mit der US-Arzneimittelbehörde FDA über eine Zulassung sprechen. Die Studie läuft weiter; sekundäre Endpunkte wie das Gesamtüberleben rücken nun in den Fokus.

Moderna-Aktie eröffnet neue Perspektive

Für Moderna könnte sich jenseits des Coronageschäfts ein möglicherweise mehrere Milliarden US-Dollar schwerer Onkologie-Markt öffnen. JPMorgan hatte die Therapie jüngst als wichtigstes Produkt der Moderna-Pipeline bezeichnet. Der Ansatz wird in neun Studien gegen verschiedene Krebs-Indikationen und -stadien geprüft. Getestet wird die Kombination außerdem bei Lungen-, Blasen-, Nieren-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Bereits im Juni zeigten Daten der vorangegangenen klinischen Studie der zweiten Phase nach fünf Jahren: Rückfälle oder Todesfälle bei Melanom-Patienten hatten sich mit der Kombination etwa halbiert. Der individualisierte Impfstoff könnte somit Modernas Übergang von Impfstoffen gegen Atemwegserkrankungen in die Onkologie stützen. Für Merck wäre eine Zulassung wichtig, um drohende Umsatzausfälle beim nahenden Patentablauf von Keytruda abzufedern. Das Krebsmedikament brachte im vergangenen Jahr rund 32 Milliarden US-Dollar Umsatz ein. Zugleich bleibt das Krebsmedikament ein zentraler Bestandteil der Kombination.

Biotechwerte ziehen kräftig an

Die Moderna-Aktie riss weitere Branchenwerte mit. Merck stieg in Rekordhöhen um 10 Prozent beziehungsweise zeitweise 10,76 Prozent auf 149,42 US-Dollar. Biontech (ISIN: US09075V1026) gewann mehr als ein Fünftel. Damit unterstreicht der Moderna-Aktienkurs, wie hoch Anleger die wirtschaftlichen Chancen bewerten. Die Moderna-Aktie bleibt jedoch von den detaillierten Daten, den FDA-Gesprächen und den weiteren Studienergebnissen abhängig.

Das Marktumfeld war uneinheitlich: Der Dow Jones Industrial gewann 0,55 Prozent auf 53.635 Punkte, der Nasdaq 100 (ISIN: US6311011026> verlor 0,23 Prozent auf 29.424 Zähler, der S&P 500 stieg 0,43 Prozent auf 7.724 Zähler. Eine Ausweitung der Rückkäufe von US-Anleihen durch das Finanzministerium drückte die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen, deren Anstieg am Vortag belastet hatte.

Auch andere Einzelwerte bewegten den Markt. Marvell Technology (ISIN: US5738741041) gewann nach einer erweiterten Chip-Partnerschaft mit Alphabet (ISIN: US02079K3059) 7,6 Prozent. Eine Option erlaubt Alphabet, Marvell-Aktien für bis zu 12,2 Milliarden US-Dollar zu erwerben. Alphabet lag knapp im Minus, Broadcom (ISIN: US11135F1012) verlor mehr als 5 Prozent; weitere Halbleiterwerte gaben ebenfalls nach. Estee Lauder (ISIN: US5184391044) stieg nach Zahlen um mehr als 16 Prozent. Lowe's (ISIN:US5486611073) gewann trotz gesenkten Ausblicks über 4 Prozent, Home Depot (ISIN: US4370761029) nach den am Vortag besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen mehr als 3 Prozent und Target (ISIN: US87612E1064) nach erhöhter Prognose rund 5 Prozent.

Für die Moderna-Aktie zählt nun, ob auf den historischen Studienerfolg die Zulassung folgt. Die Moderna-Aktie hat mit der Euphorie viel Hoffnung vorweggenommen, während die nächsten Daten über das tatsächliche Potenzial entscheiden.

Moderna-Aktie muss den Studienerfolg nun bestätigen

Der Erfolg in Phase 3 markiert für Moderna und Merck einen bedeutenden Schritt in der Krebsmedizin. Die Kombination aus Intismeran Autogene und Keytruda könnte Patienten nach einer Melanom-Operation besser vor Rückfällen oder Tod schützen als Keytruda allein. Zugleich eröffnet sich für Moderna die Chance, über das Geschäft mit Impfstoffen gegen Atemwegserkrankungen hinauszuwachsen. Für Merck könnte die Therapie helfen, Folgen des nahenden Keytruda-Patentablaufs abzufedern. Der massive Kurssprung zeigt jedoch, dass Anleger bereits große Erwartungen einpreisen. Nun müssen detaillierte Studiendaten, Gespräche mit der FDA und weitere Untersuchungen zeigen, ob daraus tatsächlich eine Zulassung und ein tragfähiges neues Geschäftsfeld entstehen können.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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