Finanzen

Finanzskandal bei privaten Krediten: HPS und BNP Paribas verlieren hunderte Millionen

Der Markt für private Kredite außerhalb regulierter Banken erlebt ein rasantes Wachstum, das zunehmend systemische Risiken birgt. Wie konnte ein einzelner Unternehmer dabei hunderte Millionen Dollar entwenden, ohne dass die Kreditgeber frühzeitig Alarm schlugen?
16.11.2025 07:21
Lesezeit: 2 min

Neuer Skandal im Bereich privater Kredite

Ein weiteres Kapitel im Bereich der undurchsichtigen privaten Kreditvergabe sorgt für Aufsehen. Ein Mann ist verschwunden und eine halbe Milliarde Dollar ebenfalls. Betroffen sind unter anderem BlackRock und die französische Bank BNP Paribas. Den mutmaßlichen Betrug soll es über Jahre hinweg gegeben haben.

Der Markt für riskante Privatkredite außerhalb des Bankensektors bläht sich zunehmend auf und erreicht gefährliche Ausmaße. Nach den Insolvenzen von First Brands und Tricolor erschüttert nun ein neuer Finanzskandal die Branche.

Unternehmerische Machenschaften und Milliardenverlust

Bankim Brahmbhatt, ein Unternehmer indischer Herkunft, der mehrere wenig bekannte Telekomunternehmen wie Broadband Telecom und Bridgevoice sowie die Finanzfirma Carriox Capital leitete, soll es geschafft haben, einigen der bekanntesten Finanzinstitute rund 500 Millionen Dollar zu entziehen, berichtete das Wall Street Journal.

Alle genannten Unternehmen Brahmbhatts sind inzwischen insolvent, und auch er selbst hat Privatinsolvenz angemeldet. Für die Gläubiger ist er damit derzeit nicht greifbar, sein Anwalt macht keine Angaben zu seinem Aufenthaltsort. Zu den Betroffenen zählen unter anderem HPS Investment Partners von BlackRock und die BNP Paribas.

Reaktionen der betroffenen Finanzinstitute

HPS beziehungsweise BlackRock betonen, dass der Vorfall lediglich einen kleinen Teil der 179 Milliarden Dollar verwalteten Vermögens von HPS betrifft und dass der Ausfall die Renditen der HPS-Fonds nicht wesentlich beeinflussen wird.

BNP Paribas teilte mit, dass die Bank ihre Rückstellungen für Kreditausfälle um 190 Millionen Euro, rund 220 Millionen Dollar, aufgestockt habe, um eine „spezifische Kreditrisikosituation“ abzudecken. Ein Sprecher der Bank wollte nicht bestätigen, ob diese Rückstellung im Zusammenhang mit Carriox steht.

Systemische Risiken im Schatten der Banken

Der Fall zeigt erneut, dass Risiken aus der privaten Kreditvergabe außerhalb des Bankensektors letztlich eng mit den Banken verbunden sind. Dies weist darauf hin, dass es sich um systemische Risiken handelt, die das Finanzsystem insgesamt betreffen können.

Wie genau soll der Betrug abgelaufen sein? Brahmbhatt erhielt Kredite, indem er Forderungen gegenüber anderen Unternehmen als Sicherheiten anbot, die jedoch gefälscht waren. Über ein Netzwerk seiner Unternehmen schuf er fiktive Kunden, Geschäfte und Rechnungen.

Betrug und Überprüfung

Die Kreditgeber werfen Brahmbhatt Betrug vor, dieser bestreitet die Vorwürfe über seinen Anwalt. Laut Wall Street Journal beauftragte HPS zu Beginn der Kreditvergabe an Carriox Deloitte mit der Kontrolle und später CBIZ für die jährlichen Prüfungen. Vertreter beider Unternehmen wollten keinen Kommentar abgeben.

Im Juli dieses Jahres bemerkte ein HPS-Mitarbeiter Unregelmäßigkeiten bei einigen E-Mail-Adressen. Die Nachrichten stammten von gefälschten Domains, die echte Telekommunikationsunternehmen nachahmten. Als HPS-Beamte Brahmbhatt auf die Unregelmäßigkeiten ansprachen, versicherte er, dass kein Grund zur Sorge bestehe, und stellte anschließend die Kommunikation ein.

Seine Büroräume und sein mutmaßlicher Wohnsitz sind verschlossen, es wird vermutet, dass er sich in Indien aufhält. Vor seiner Residenz in Garden City stehen mehrere Luxusfahrzeuge, darunter BMW, Porsche, Tesla und Audi.

Kreditgeber berichten, dass sämtliche in den letzten zwei Jahren zur Prüfung vorgelegten E-Mails der angeblichen Kunden von Brahmbhatts Unternehmen gefälscht waren. Zudem wurden betrügerische Verträge entdeckt, die bis ins Jahr 2018 zurückreichen.

Bedeutung für Deutschland und europäische Finanzmärkte

Auch wenn es sich um einen Vorfall in den USA handelt, zeigt der Skandal die Risiken privater Kreditvergabe außerhalb regulierter Bankstrukturen auf. Deutsche Finanzinstitute und Investoren, die in internationale Fonds investieren oder Partnerschaften mit globalen Vermögensverwaltern wie BlackRock eingehen, könnten indirekt betroffen sein. Eine verstärkte Prüfung von Sicherheiten und die Bewertung von systemischen Risiken außerhalb des klassischen Bankensektors gewinnen damit an Bedeutung.

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