Politik

Venezuela-Manöver: Maduro reagiert auf US-Flugzeugträger in der Karibik

Während die USA ihren größten Flugzeugträger in die Karibik schicken, reagiert Venezuela mit einem massiven Militärmanöver. Präsident Nicolás Maduro spricht von einer "imperialistischen Bedrohung" und ruft zur Verteidigung der Nation auf. Auch Kolumbien und Großbritannien stoppen die Zusammenarbeit mit Washington – ein Zeichen, wie brisant die Lage zwischen Nord- und Südamerika geworden ist.
12.11.2025 17:34
Lesezeit: 2 min

Spannungen mit den USA: Venezuela startet Großmanöver

Angesichts der wachsenden US-Militärpräsenz in der Karibik hat die Regierung Venezuelas im Rahmen eines Aktionsplans der Streitkräfte nach eigenen Angaben fast 200.000 Einsatzkräfte zu Übungen mobilisiert. An dem zweitägigen Manöver nehmen laut Verteidigungsminister Vladimir Padrino Soldaten aller Waffengattungen sowie Mitglieder paramilitärischer Milizen teil.

Kritik an den USA: "Imperialistische Bedrohung"

Der Minister verurteilte die US-Präsenz in der Karibik als "vulgären Einsatz gegen die Souveränität und den Frieden" nicht nur Venezuelas, sondern der gesamten Region. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "imperialistischen Bedrohung". Zugleich richte sich die Übung gegen Drogenhandel und "terroristische Gruppen", sagte er.

Plan Independencia 200: Maduro ruft zur Landesverteidigung auf

Das Manöver ist Teil des sogenannten "Plan Independencia 200" (Plan Unabhängigkeit 200), den der autoritär regierende Staatschef Nicolás Maduro im September zur Landesverteidigung ausgerufen hatte. Am Dienstag verabschiedete das von den Regierungsparteien kontrollierte Parlament zudem ein Gesetz zum "integralen Schutz der Nation". Es sieht laut Staatsmedien vor, die Bevölkerung beim Schutz des Landes gegen Bedrohungen einzubeziehen.

USA schicken größten Flugzeugträger

Das US-Militär verstärkt derzeit seine Streitmacht in den Gewässern vor Lateinamerika. Der größte Flugzeugträger der Welt, die vor einiger Zeit vom Pentagon aus dem Mittelmeerraum abgezogene "USS Gerald R. Ford", hat inzwischen das Einsatzgebiet des US-Südkommandos erreicht, wie die US-Marine am Dienstag mitteilte. Der genaue Standort blieb ungenannt. Das Einsatzgebiet umfasst die Karibik sowie angrenzende Gewässer Mittel- und Südamerikas.

"USS Gerald R. Ford": Symbol amerikanischer Macht

Der US-Flugzeugträger "USS Gerald R. Ford" ist das größte Kriegsschiff der Erde. Es misst 333 Meter und bietet Platz für bis zu 90 Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie mehrere Tausend Soldaten. Es wird von einem Atomreaktor angetrieben und trägt den Namen des 38. Präsidenten der USA.

Die USA rechtfertigen ihre Militärpräsenz mit dem Kampf gegen transnationale kriminelle Organisationen und dem Schutz des Heimatlandes vor Drogen. Doch angesichts wachsender Spannungen zwischen den USA und Venezuela mehren sich Spekulationen über den tatsächlichen Grund für die Verlegung des Flugzeugträgers. Hinweise verdichten sich, US-Präsident Donald Trump wolle einen Machtwechsel in Venezuela erzwingen.

USA beschuldigen Maduro des Drogenschmuggels

Die Regierung von Trump wirft Venezuelas Staatschef Maduro vor, in den Drogenschmuggel in die USA verwickelt zu sein. Nicht nur Caracas wertet das Zusammenziehen zusätzlicher Militäreinheiten in der Karibik als Drohgebärde, sondern auch südamerikanische Nachbarländer wie Kolumbien und Brasilien.

In den vergangenen Wochen griffen US-Streitkräfte auf Befehl von Trump in der Karibik und im östlichen Pazifik wiederholt Schnellboote mutmaßlicher Drogenhändler an. Dabei kamen bereits Dutzende Menschen ums Leben. Das Vorgehen stößt auf breite Kritik. Nach Ansicht von UN-Menschenrechtsexperten verstoßen die USA damit gegen das Völkerrecht.

Kolumbien stoppt Zusammenarbeit mit den USA

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro setzte daher nun den Austausch von Geheimdienstinformationen mit den USA aus. Das betrifft den Geheimdienst der Streitkräfte, zudem sollen auch andere Kontakte zu US-Sicherheitsbehörden ruhen, wie Petro am Dienstag (Ortszeit) auf der Plattform X erklärte. Die Maßnahme gelte, "solange die Angriffe mit Raketen auf Boote in der Karibik andauern". Der gemeinsame Kampf gegen Drogen müsse "den Menschenrechten des karibischen Volkes untergeordnet werden". Laut Petro wurde bei den US-Angriffen auch ein kolumbianischer Fischer getötet.

CNN: Auch Großbritannien friert Informationsaustausch ein

Einem Bericht des Senders CNN zufolge hat wegen des umstrittenen US-Vorgehens auch Großbritannien bereits den Austausch bestimmter Geheimdienstinformationen mit den USA gestoppt. Dabei gehe es um Daten zu mutmaßlichen Drogenschmugglern in der Karibik. London wolle sich nicht zum Komplizen der US-Angriffe machen, die es für illegal halte, berichtete der Sender weiter. Auch die "New York Times" schrieb unter Berufung auf einen ranghohen westlichen Regierungsvertreter darüber.

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