Unternehmen

Familienunternehmen in Deutschland: Stabilität und Wachstum in Krisenzeiten

Deutschlands größte Familienunternehmen zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Stabilität kein Widerspruch sind. Sie schaffen Arbeitsplätze, investieren langfristig und halten ihre Standorte in Deutschland stark verwurzelt. Selbst in Krisen wie der Corona-Pandemie oder geopolitischen Unsicherheiten reagieren sie besonnen, passen Personal nur langsam an und sichern so die Beschäftigung. Das zeigt, wie wichtig Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft sind – als Jobmotor, Innovationskraft und Garant für Stabilität zugleich.
19.11.2025 08:37
Lesezeit: 2 min
Familienunternehmen in Deutschland: Stabilität und Wachstum in Krisenzeiten
Peter Skottki, Inhaber der Mosterei Skottki in Buckow unweit von Beeskow im Landkreis Oder-Spree, kontrolliert angelieferte Äpfel. Seit 1985 werden in dem kleinen Familienunternehmen Fruchtsäfte hergestellt. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Familienunternehmen als Stabilitätsanker: Langfristige Perspektiven zahlen sich aus

Deutschlands Familienunternehmen sind mehr als Traditionsfirmen – sie sind ein entscheidender Stabilitätsanker für die Wirtschaft. Die aktuelle Ausarbeitung des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeigt eindrücklich, wie die 500 größten Familienunternehmen trotz globaler Krisen wachsen, Arbeitsplätze sichern und den Standort Deutschland stärken.

Familienmitglieder in der Geschäftsführung: Risiko und Verantwortung

In 70 Prozent der größten deutschen Familienunternehmen sind Mitglieder der Inhaberfamilie an der Geschäftsführung beteiligt. Das ifm bewertet dies positiv: Es zeige, dass die Familien bereit seien, nicht nur wirtschaftliche Vorteile mitzunehmen, sondern auch Risiken zu tragen. Langfristige Ziele stünden im Vordergrund und prägen die Unternehmensstrategie.

Top 500: Beschäftigte, Umsatz und internationale Präsenz

Das ifm betrachtet seit 2007 in regelmäßigen Abständen die Bedeutung großer Familienunternehmen im Vergleich zu DAX-Konzernen im Streubesitz. Das Ranking unterscheidet nach den 500 beschäftigungsstärksten und 500 umsatzstärksten Unternehmen, wobei Familieneinfluss bei mindestens 50 Prozent des stimmberechtigten Unternehmenskapitals definiert wird. Demnach beschäftigten die Top 500 im Jahr 2022 rund 6,4 Millionen Menschen weltweit – 1,6 Millionen mehr als zehn Jahre zuvor. Große Familienunternehmen sind vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Handel tätig und im Schnitt 101 Jahre alt.

Bei diesen Unternehmen arbeiteten 46 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, also 2,97 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Bei den 33 Nicht-Familienunternehmen im DAX-40 lag der Inlandanteil nur bei 31 Prozent. Zwar nimmt die Internationalisierung auch bei den Top 500 zu, doch die Verwurzelung in der Heimat bleibt stark.

Besonnene Personalpolitik bei Umsatzschwankungen

Die ifm-Erhebung berücksichtigt die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Beginn des Ukraine-Krieges. Wie schon in früheren Erhebungen zeigt sich: Familienunternehmen passen die Beschäftigung bei Umsatzschwankungen nur langsam an, weder nach unten noch nach oben. Zwischen 2013 und 2022 schufen die Top 500 rund 620.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland, während die DAX-Konzerne 57.000 Stellen abbauten, vor allem seit Beginn der Pandemie. Das Forscherteam bezeichnet Familienunternehmen als stabilisierenden Faktor der Wirtschaft. Ihre vergleichsweise hohen Eigenkapitalquoten von 43 Prozent stützen diese Einschätzung.

Herausforderungen und Chancen in der Strukturkrise

Trotz aller Stabilität stellen die aktuelle Strukturkrise, steigende Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten auch die Familienunternehmen vor große Herausforderungen. Sie müssen Innovationen vorantreiben, internationale Märkte erschließen und gleichzeitig die Tradition und langfristige Orientierung wahren.

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, betont: „Unsere Untersuchung zur Bedeutung der 500 größten Familienunternehmen unterstreicht: Die Wirtschaft wird nicht nur an der Börse gehandelt, und unsere oft wenig bekannten Weltmarktführer in allen Winkeln des Landes geben Deutschland Beschäftigung und Stabilität.“

Fazit: Familienunternehmen als Rückgrat der Wirtschaft

Die TOP 500-Studie 2025 zeigt klar: Familienunternehmen sind Jobmotor, Stabilitätsanker und Innovationskraft zugleich. Ihre langfristige Perspektive, die persönliche Verantwortung der Eigentümerfamilien und die regionale Verankerung machen sie weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen und zu einem unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Für die Politik bedeutet dies: Familienunternehmen sind strategische Partner für den Standort Deutschland, deren Potenzial genutzt werden sollte – ohne die kritische Kontrolle über Governance, Steuerpolitik und Diversität zu vernachlässigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA beflügelt die Wall Street
20.02.2026

Die Wall Street beendete den Handelstag am Freitag mit Gewinnen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Chips aus Sachsen: Infineon eröffnet im Juli neue Chipfabrik in Dresden
20.02.2026

Es ist die größte Investition in der Unternehmensgeschichte von Infineon. Fünf Milliarden Euro investiert Deutschlands größter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren
20.02.2026

Der slowenische Pharmakonzern Krka entwickelt Generika, die den Markt verändern und Patienten besser versorgen sollen. Trotz fallender...

DWN
Politik
Politik NATO unter Druck: USA drängen auf Ende der Irak-Mission und Truppenabbau im Kosovo
20.02.2026

Die USA drängen in der NATO auf einen Kurswechsel und stellen Auslandseinsätze zunehmend infrage. Steht das Bündnis vor einer...