Wirtschaft

Infrastruktur in der Finanzlücke: Pkw-Maut als mögliche Lösung?

Eine aktuelle Studie der Denkfabriken Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft zeigt, dass Deutschland bis 2030 rund 390 Milliarden Euro für Verkehrsinfrastruktur und die Transformation der Automobilwirtschaft benötigt. Mehr als die Hälfte der Kosten liegt in der Verantwortung des Bundes. Vor diesem Hintergrund wird diskutiert, ob die Einführung einer Pkw-Maut einen Teil der Finanzierungslücke schließen könnte.
24.11.2025 14:12
Lesezeit: 2 min
Infrastruktur in der Finanzlücke: Pkw-Maut als mögliche Lösung?
Deutschland benötigt bis 2030 rund 390 Milliarden Euro für Verkehrsinfrastruktur. Studie schlägt Pkw-Maut und ÖPNV-Gebühren vor, um die Finanzierungslücke zu schließen (Foto; dpa). Foto: Sebastian Kahnert

Für die Schiene geht die Studie von einem öffentlichen Finanzbedarf von 146 Milliarden Euro bis 2030 aus, für Fernstraßen sind es 38,2 Milliarden Euro. Für den öffentlichen Nahverkehr veranschlagt die Studie mehr als 181 Milliarden Euro.

Studie bringt Pkw-Maut und ÖPNV-Gebühr für alle ins Gespräch

"Es ist höchste Zeit für einen Neustart in der Finanzierung des Verkehrssystems", sagt Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende, laut Mitteilung. Das Sondervermögen der Bundesregierung für Infrastruktur und Klimaneutralität sei ein wichtiger erster Schritt, reiche aber "bei Weitem nicht aus, um Schienen, Brücken und Straßen sowie Busse und Bahnen für die Zukunft fit zu machen".

Die Studie beschäftigt sich angesichts des großen Investitionsbedarfs auch mit verschiedenen Finanzierungsoptionen, etwa Steuerreformen oder der Einführung einer Pkw-Maut. "Für eine dauerhaft tragfähige Finanzierung des Verkehrssystems sind aus unserer Sicht zusätzliche Kredite und Gebühren zentral", sagte Vera Huwe vom Dezernat Zukunft laut Mitteilung. "Eine verursachergerechte Pkw-Maut sichert die Infrastrukturfinanzierung unabhängig von der öffentlichen Haushaltslage und ermöglicht eine fairere Verteilung der Kosten."

Eine weitere Idee ist die Einführung von ÖPNV-Beiträgen für alle, also unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. "Da Dritte von einem guten ÖPNV-Angebot, das das Straßennetz entlastet und verlässlich planbare Verkehre ermöglicht, profitieren, kann es gerechtfertigt sein, sie an der Finanzierung des ÖPNV zu beteiligen", heißt es dazu in der Studie. Eine solche Abgabe könne bundesweit mit regional differenzierten Sätzen ausgestaltet werden.

Sachverständigenrat begleitete Erstellung der Studie

"ÖPNV-Beiträge, die unabhängig von der individuellen Nutzung erhoben werden, berücksichtigen, dass Wirtschaft und Gesellschaft davon profitieren, wenn eine Region gut mit Bus und Bahn erschlossen ist", sagte Huwe dazu. "Für die Zahlung dieser Beiträge kämen Nutznießende wie zum Beispiel Unternehmen oder Einwohnerinnen und Einwohner infrage."

Für ihre Berechnung führten die beiden Denkfabriken bereits vorliegende Studien zusammen und ergänzten sie um eigene Annahmen. Darüber hinaus wurde die Studie von einem Sachverständigenrat aus Verkehrs- und Finanzwirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik begleitet. Mit im Sachverständigenrat dabei waren etwa die IG-Metall-Chefin Christiane Benner, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn, Werner Gatzer, und Alexander Möller vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

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