Wirtschaft

Großprojekt Suedlink: Baubeginn trotz jahrelanger Debatten

Nach jahrelangen Diskussionen fällt heute im thüringischen Wasungen der offizielle Startschuss für den Bau der Stromautobahn Suedlink, einem Schlüsselprojekt der Energiewende. Auf einer 75 Kilometer langen Strecke von Gerstungen im Wartburgkreis bis Mellrichstadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld sollen vier Stromkabel sowie ein Glasfaserkabel verlegt werden, wie TransnetBW-Projektsprecher Kevin Zdiara der Deutschen Presse-Agentur erläuterte.
25.11.2025 07:30
Lesezeit: 2 min
Großprojekt Suedlink: Baubeginn trotz jahrelanger Debatten
auleute arbeiten an einer Horizontalbohrung für die Stromtrasse Suedlink bei Wasungen (Foto: dpa). Foto: Martin Schutt

Sichtbar seien zunächst "viele Punktmaßnahmen" entlang des gesamten Trassenverlaufs, so Zdiara. Dabei gehe es vor allem um Horizontalbohrungen überall dort, wo etwa Straßen, Gewässer, aber auch Naturschutzbereiche unterquert werden müssten. "Wir machen die zuerst, weil die am längsten dauern", so Zdiara. Tatsächliche Erdarbeiten wie das Ausheben von Gräben würden voraussichtlich frühestens im Januar 2026 beginnen.

Erste Baugrunduntersuchungen und Vorbereitungsarbeiten hatten bereits wenige Tage nach Vorliegen der Baugenehmigung Anfang Oktober in der Gemeinde Rhönblick (Kreis Schmalkalden-Meiningen) begonnen.

Bürgerinitiativen kündigen Klage an

Der Trassenverlauf dieses Mammut-Projekts der Energiewende durch Thüringen war jahrelang umstritten gewesen. Es hatte zahlreiche Proteste gegeben. Die rot-rot-grüne Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und auch die oppositionelle CDU hatten sich vergeblich für eine Alternativroute entlang bestehender Infrastrukturtrassen starkgemacht. 2019 war die Landesregierung aus formellen Gründen mit einer Klage gegen das Projekt vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gescheitert. Eine erneute Klage hatte sich die damalige Landesregierung stets offengehalten.

Zuvor kommt ihnen nun das "Aktionsbündnis Trassengegner" - ein Zusammenschluss aus Bürgerinitiativen in Bayern, Hessen und Thüringen. Es sei bereits eine Klage gegen das Vorhaben auf bayerischer Seite beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht worden, teilt das Bündnis mit. Der geplante Ausbau des Übertragungsnetzes sei überdimensioniert und überteuert, Alternativen seien nie neutral überprüft worden, so die Begründung. Nach Angaben des Bundesverwaltungsgerichts liegen zwei Klagen gegen das Südlink-Projekt durch eine Würzburger Anwaltskanzlei vor. Wen die Kanzlei vertritt, nannte das Gericht auf Nachfrage nicht.

Energieministerium: Kommunen wurden ausreichend gehört

Die Thüringer Linke hält offenkundig bis heute an einer Klage fest: Der geplante Verlauf nehme "unnötige Umwege durch Thüringen", sagte Jens Thomas von der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag. Das Ergebnis seien "zusätzliche Belastungen für Kommunen, Natur und Eigentümer", so der Sprecher für Energie- und Umweltpolitik. Die Linke-Fraktion plane daher, einen Antrag einzubringen, der die Landesregierung auffordert, Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zu erheben.

Die amtierende Brombeer-Koalition in Thüringen erwägt allerdings keine rechtlichen Schritte mehr: Der Trassenverlauf sei so angepasst worden, "dass zwischen dem Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und den betroffenen Kommunen Einigung erzielt werden konnte", sagte das Energieministerium der Deutschen Presse-Agentur. Den Thüringer Belangen sei so hinreichend Rechnung getragen worden, juristische Schritte seien nicht mehr nötig, hieß es weiter.

Netzbetreiber: 30 Hinweise zu Trassenänderung berücksichtigt

Laut TransnetBW-Sprecher Kevin Zdiara sind rund 30 Hinweise nach "informellen Gesprächen" etwa mit Agrarbetrieben und Kommunen in Änderungen an der Trassenplanung eingeflossen. Beispiele dafür seien etwa die Planung entlang bestehender Wirtschaftswege oder die Verlegung einer "Kabelabschnittstation" in der Gemeinde Barchfeld-Immelborn im Wartburgkreis an einen anderen Standort. Die rund ein Hektar große Anlage - eine der wenigen Stellen, an denen das Kabel überirdisch zu sehen sein wird - soll nach Protesten nun in der Nähe eines Gewerbegebiets entstehen, so Zdiara.

Thüringen ist vom Ausbau der großen Stromtrassen besonders betroffen. Neben Suedlink, das durch den Westen Thüringens in die Fränkische Rhön verläuft, soll auch die Trasse Suedostlink durch den Osten des Freistaats ins unterfränkische Gefell im Kreis Bad Kissingen entstehen. Zusätzlich hatte im vergangenen Jahr die überraschende Ankündigung einer weiteren oberirdischen Leitung von Schalkau (Landkreis Sonneberg) in Thüringen über den Raum Münnerstadt (Landkreis Bad Kissingen) nach Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt) für Unmut unter den Nachbarbundesländern gesorgt.

Insgesamt verläuft die Stromautobahn Suedlink auf einer Strecke von 700 Kilometern von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Thüringen bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Die Erdkabelverbindung soll Strom von Windenergieanlagen im Norden in den Süden transportieren. 2028 soll das Projekt voraussichtlich fertiggestellt sein.

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