Politik

Umfrage: Deutsche gegen militärische Führungsrolle in Europa

Rente, Bürgergeld, Wehrdienst – bei solchen Themen ist die Stimmung der Bürger gut erforscht. Für die Außenpolitik gilt das hingegen weniger. Wie bewerten die Menschen Deutschlands Rolle in der Welt?
25.11.2025 18:15
Lesezeit: 2 min
Umfrage: Deutsche gegen militärische Führungsrolle in Europa
Ein Soldat sitzt in der offenen Tür eines Hubschraubers vom Typ LUH an einer Bordwaffe während der Luftwaffenübung Significance of National Air Power 2025 (SNAP 2025) auf dem Flugplatz Jagel. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Militärische Führungsrolle in der Welt?

Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland lehnt eine militärische Führungsrolle der Bundesrepublik in Europa ab. In einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Körber-Stiftung antworteten 61 Prozent der Teilnehmer mit "eher nein" und nur 38 Prozent mit "eher ja". Mit 75 Prozent fiel die Ablehnung in Ostdeutschland besonders hoch aus, im Westen lag sie bei 58 Prozent.

Forsa ermittelte für die Stiftung die Meinung der Bevölkerung zu zentralen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Dabei gaben 76 Prozent der Befragten an, dass sie sich stark bis sehr stark für diese Themen interessieren.

Internationales militärisches Engagement: Mehrheit spricht sich dagegen aus

Zwiegespalten zeigen sich die Menschen hierzulande bei der Frage, ob Deutschland mehr Verantwortung übernehmen und sich in internationalen Krisen stärker engagieren sollte – oder sich im Gegenteil mehr zurückhalten sollte. 48 Prozent votierten für ein größeres Engagement, 43 Prozent für mehr Zurückhaltung. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Westen plädierten 51 Prozent für mehr Engagement, im Osten nur 35 Prozent. Dafür stimmten in Ostdeutschland 52 Prozent für mehr Zurückhaltung, im Westen nur 42 Prozent.

Wenn es schon mehr Engagement geben soll, dann sollte dies aus Sicht der Mehrheit in erster Linie diplomatisch erfolgen. Für einen größeren diplomatischen Einsatz stimmten 71 Prozent (West) beziehungsweise 84 Prozent (Ost), für mehr militärisches Engagement dagegen nur 19 Prozent (West) beziehungsweise 7 Prozent (Ost).

Verhältnis zu den USA: Deutliche Kritik

Die Umfrage zeigt eine klare Verschlechterung der Stimmung gegenüber den USA seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump. Drei Viertel der Befragten (73 Prozent) bewerteten die Beziehungen zu den USA als schlecht. Ein Jahr zuvor – zu Zeiten von Joe Biden – hielten ziemlich genau so viele Menschen (75 Prozent) das Verhältnis für gut. Bei der Frage nach dem wichtigsten außenpolitischen Partner Deutschlands rangieren die USA mit 26 Prozent deutlich hinter Frankreich, das auf 46 Prozent kommt.

Das Vertrauen in die USA in einzelnen Politikfeldern ist gering. So betrachten nur 38 Prozent der Deutschen die USA als Partner im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine, für 58 Prozent sind sie dies nicht. Im Umgang mit China halten 31 Prozent die USA für einen Partner, 63 Prozent jedoch nicht. Und bei der Förderung des freien Handels setzen 21 Prozent auf die USA, 76 Prozent jedoch nicht.

Verteidigungsausgaben: Mehrheit unterstützt starken Anstieg

Für grundsätzlich richtig hielten es 72 Prozent der Befragten, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren in etwa verdoppeln will. 27 Prozent sahen dies als grundsätzlich nicht richtig an. Hier fiel die Zustimmung in Ostdeutschland mit 56 Prozent deutlich kleiner aus als im Westen, wo 75 Prozent den deutlichen Anstieg der Verteidigungsausgaben befürworteten.

Mit überwältigender Mehrheit (82 Prozent) lehnten die Befragten es ab, dass Deutschland eigene Atomwaffen anschafft. Hier war die Ablehnung in West- und Ostdeutschland ungefähr gleich hoch.

Für die nach Angaben der Körber-Stiftung repräsentative Umfrage befragte Forsa zwischen dem 15. und 26. September 1.503 Wahlberechtigte in Deutschland.

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