Politik

Chatkontrolle: EU-Staaten setzen auf freiwillige Maßnahmen statt Pflichtkontrollen

Die EU ringt seit Jahren darum, wie digitale Kommunikation geschützt und zugleich besser überwacht werden kann. Doch wie weit sollen Plattformen künftig gehen, wenn es um den Schutz von Kindern im Netz geht?
26.11.2025 15:34
Lesezeit: 1 min

EU-Staaten sprechen sich für freiwillige Kontrollen aus

Nach jahrelangen Diskussionen haben die EU-Staaten eine gemeinsame Verhandlungsposition zur sogenannten Chatkontrolle beschlossen. Messaging-Dienste wie Whatsapp und Signal sollen nach aktuellem Stand nicht verpflichtet werden, Kommunikationsinhalte automatisiert auf kinderpornografisches Material zu prüfen. Der ursprüngliche Vorschlag für eine Pflicht fand unter den Mitgliedstaaten keine Mehrheit und stieß besonders in Deutschland auf Widerstand.

Statt einer verpflichtenden Kontrolle setzt der Rat der EU nun auf freiwillige Maßnahmen der Plattformbetreiber. Eine bisher befristete Ausnahme, die solche Prüfungen trotz europäischer Datenschutzvorgaben gestattet, soll dauerhaft verankert werden. Drei Jahre nach Inkrafttreten soll die EU-Kommission erneut bewerten, ob eine Verpflichtung der Anbieter notwendig werden könnte.

EU-Zentrum gegen kinderpornografische Inhalte im Netz

Auch ohne verpflichtende Vorgaben verlangt der Gesetzesentwurf von den Diensten, aktiv gegen kinderpornografische Inhalte vorzugehen. Anbieter müssten Risiken für Minderjährige klar benennen und geeignete Schutzmaßnahmen entwickeln. Dazu kann gehören, dass Apps Altersangaben verlässlich überprüfen und Altersgrenzen konsequent durchsetzen, um den Zugang für Kinder und Jugendliche besser zu regulieren.

Der Text sieht außerdem den Aufbau eines EU-Zentrums zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch im Netz vor. Dieses Zentrum soll eng mit den Plattformen und Messaging-Diensten zusammenarbeiten und die nationalen Behörden bei Prävention und Ermittlungen unterstützen.

Ausblick auf die Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament

Mit der vorliegenden Ratsposition können die Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament beginnen. Erst wenn beide Seiten einen gemeinsamen Gesetzestext vereinbaren, treten die neuen Regelungen in Kraft. Die EU-Kommission hatte den ursprünglichen Entwurf zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern bereits 2022 vorgestellt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Baumaschinen-Markt im Wandel: Asiens Griff nach der Premiumklasse
15.06.2026

Die Ära der großen Übernahmen in Europas Baumaschinenindustrie flaut ab. Doch das asiatische Kapital zieht sich nicht zurück:...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
14.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase wird zum Test für Anleger
14.06.2026

Die Kurse von KI-Aktien steigen rasant, doch die Warnungen vor einer neuen Blase werden lauter. Wer jetzt aus Angst alles verkauft, kann...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand verzweifelt an Regierung: Warum Unternehmer frustriert sind
14.06.2026

Deutschlands mittelständische Unternehmen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Bundesregierung. Wie eine falsche...

DWN
Technologie
Technologie Megatrends zeigen Europas gefährliche Zukunftslücke
14.06.2026

Technologie, Schulden, Demografie und Energie verändern die Weltwirtschaft schneller, als die Politik reagieren kann. Die Analyse der...

DWN
Politik
Politik Fünf politische Dauerbaustellen: Was aus großen Reformversprechen wurde
14.06.2026

Von Ehegattensplitting bis Familienstartzeit: Diese fünf Reformprojekte sollten Deutschland verändern. Heute prägen sie vor allem eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Er ist dabei, Maersk zu überholen – nun gibt CMA-Chef Saadé eine aufsehenerregende Prognose ab
14.06.2026

CMA-Chef Rodolphe Saadé sieht eine Weltwirtschaft auf Speed und warnt vor neuen Schocks im Welthandel. Seine Botschaft trifft auch Maersk,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Startups suchen Geldgeber: Wer finanziert Deutschlands Zukunft?
14.06.2026

Deutschland hat kein Startup-Problem, sondern ein Kapitalproblem. Während innovative Gründer neue Technologien entwickeln, fehlt häufig...