Finanzen

Stepstone-Gehaltsreport 2026: Wie viel verdienen die Deutschen aktuell?

Noch zählt das Gehalt nach wie vor zu den Tabuthemen in Deutschland. Ab Juni soll das EU-Entgelttransparenzgesetz mehr Klarheit bringen. Für 2026 legt noch der Gehaltsreport der Jobplattform Stepstone offen, wie viel die Deutschen aktuell verdienen. Das sind Deutschlands bestbezahlte Berufe 2026.
12.01.2026 16:10
Lesezeit: 4 min
Stepstone-Gehaltsreport 2026: Wie viel verdienen die Deutschen aktuell?
Entscheidend für die Höhe des Gehalts ist nicht nur die Branche, sondern vor allem der Wohnort. So existiert weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle. (Foto: iStock/Credit:johannes86) Foto: johannes86

Stepstone-Gehaltsreport 2026: Wie viel verdienen die Deutschen aktuell?

Nach wie vor gilt das Thema Gehalt als Tabu in Deutschland. Um Transparenz und Orientierung für Arbeitnehmer zu schaffen, wertet die Jobplattform Stepstone jährlich die Gehälter der Deutschen aus. Für den Gehaltsreport 2026 wurden über 1,3 Millionen Gehaltsangaben analysiert – mit einer guten Nachricht: Die Deutschen haben im Schnitt mehr verdient als noch vor einem Jahr. Doch es gibt Unterschiede zwischen Berufen, Branchen und Bundesländern.

Gehälter in Deutschland gestiegen

Die Auswertungen der Jobplattform Stepstone zeigen, dass die Deutschen 2026 im Schnitt 8.100 Euro mehr verdienen als 2025. Nach 45.800 Euro im Vorjahr beträgt das Bruttomediangehalt aktuell 53.900 Euro.

Das Bruttomediangehalt ist das mittlere Einkommen aller Arbeitnehmer, bevor Steuern und Sozialabgaben abgezogen werden, wobei die Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Es ist aussagekräftiger als das Durchschnittsgehalt, weil es weniger durch Extremwerte (sehr hohe Gehälter) verzerrt wird. Faktoren wie Branche, Beruf, Region, Unternehmensgröße und Geschlecht beeinflussen die Höhe.

Gehaltsreport 2026: Deutschlands bestbezahlteste Berufe

An der Spitze des Stepstone-Rankings stehen Ärzte. Sie verdienen fast doppelt so viel wie Durchschnittsdeutsche: Ihr Mediangehalt liegt bei über 100.000 Euro. Besonders lukrativ ist etwa ein Posten als Ärztin für innere Medizin (102.500 Euro)

Neben Medizin kann man überdurchschnittlich gut in Bereichen wie dem Ingenieurwesen (75.000 Euro) oder in der IT (66.750 Euro) verdienen. IT-Fachkräfte verdienen besonders gut, wenn sie in Zukunftsfeldern arbeiten. Dazu zählen etwa Künstliche Intelligenz (KI) oder Cybersecurity. Auch das Bankwesen, die Luft- und Raumfahrt sowie die Versicherungsbranche stehen in Bezug auf Top-Gehälter gut da.

Wo die Gehälter niedrig bleiben

Am wenigsten bedient ein Arbeitnehmer, wenn er in den Berufsgruppen Lebensmittelproduktion (46.500 Euro), Büromanagement (47.250 Euro) oder Verkauf und Handwerk (48.750 Euro) arbeitet. Niedrige Gehälter werden zudem in der Landwirtschaft, der Gastronomie und im Bereich Freizeit, Touristik, Kultur & Sport gezahlt.

Wohnort: Wo gibt’s das höchste Gehalt?

Entscheidend für die Höhe des Gehalts ist zudem der Wohnort. So existiert weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle. In Ostdeutschland (außer Berlin) wird ein Mediangehalt von 48.750 Euro gezahlt. Im Westen beläuft sich der Mittelwert auf 56.250 Euro.

Spitzenreiter unter den Bundesländern ist nach der Auswertung von Stepstone der Stadtstaat Hamburg. Das liegt vorwiegend daran, dass dort wichtige Großunternehmen (Airbus, Hapag-Lloyd, Otto-Group) ihren Sitz haben, die vergleichsweise gut zahlen.

In Hessen, wo unter anderem die Bankenmetropole Frankfurt liegt, verdienen die Menschen ebenfalls sehr gut. Gleiches gilt für Bayern und Baden-Württemberg, wo einige der wichtigsten deutschen Mittelständler und Industrieunternehmen ihren Sitz haben.

Tendenziell kann gesagt werden: In großen Städten verdient man gut. Die höchsten Gehälter bekommen Arbeitnehmer in München (64.750 Euro). Allerdings sind hier auch die Lebenshaltungskosten besonders hoch. In Hamburg beläuft sich das Mediangehalt auf rund 60.000 Euro.

Ost-West-Gefälle weiterhin groß

Schlusslichter sind die ostdeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zwischen dem Median im Osten und dem im Westen liegt insgesamt eine Gehaltslücke von rund 15 Prozent.

Gehalt der Grund für einen Jobwechsel

Wie viel jemand verdient, ist bisher in Deutschland ein Tabuthema. Und das, obwohl Unternehmen ab Juni in Stellenanzeigen ein Durchschnittsgehalt nennen müssen. Auf der Jobplattform Indeed tun das bisher aber nur rund 16 Prozent der deutschen Arbeitgeber. In Großbritannien waren es zuletzt dagegen rund 70 Prozent, in Frankreich 35 Prozent.

Dabei ist Geld laut einer Studie der Personalberatung Randstad der häufigste Grund für einen Arbeitgeberwechsel. Rund 39 % der Arbeitnehmer befassen sich 2024 mit einem Jobwechsel. Monetäre Anreize und Flexibilität sind die wichtigsten Faktoren für den Jobwechsel, anhand der Studie von Randstad Employer Brand Research.

Um Jobsuchenden mehr Transparenz und faire Voraussetzungen zu verschaffen, führt die EU noch dieses Jahr das Entgelttransparenzgesetz ein.

Arbeitgeber müssen zukünftig Gehälter offenlegen

Die EU-Richtlinie setzt deshalb auf Transparenz: Bewerber sollen künftig bereits vor Vertragsabschluss erfahren, wie hoch das Einstiegsgehalt oder die vorgesehene Gehaltsspanne ist. Grundlage für das EU-Entgelttransparenzgesetz ist die Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970, die bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Auch Deutschland steht damit vor einer Reform, die zusätzliche Auskunfts- und Berichtspflichten vorsieht. Gleichzeitig wird es Arbeitgebern untersagt, im Bewerbungsprozess nach dem bisherigen Einkommen zu fragen. Beschäftigte erhalten zudem ein Auskunftsrecht über die durchschnittlichen Bezüge vergleichbarer Tätigkeiten im Unternehmen, aufgeschlüsselt nach Geschlechtern.

Während Bundesregierung und Gewerkschaften die Umsetzung vorantreiben, warnen Arbeitgeber vor Bürokratie und Eingriffen in bestehende Strukturen. Wie viele Unternehmen letztlich wirklich bereit sind, die Verdienstmöglichkeiten offenzulegen, wird sich erst noch zeigen. Die Gehaltsverhandlungen könnten künftig intensiver werden und zu möglichen Reaktionen der bisherigen Mitarbeiter führen.

Fazit: Gehaltstransparenz zahlt sich aus

Bisher sorgt die Jobplattform Stepstone jedes Jahr für Orientierung und bringt Licht in das „Tabuthema Gehalt“, denn die Gehaltsstrukturen in Deutschland bleiben äußerst heterogen und sind nicht leicht zu durchschauen. Wer gut informiert ist, ist klar im Vorteil – denn durch die vielen Einflussfaktoren ergeben sich verschiedene Aspekte, um das eigene Gehalt zu verbessern.

Auch für Arbeitgeber zahlt sich der transparente Umgang mit dem Thema Gehalt aus. Denn nach wie vor ist das Gehalt eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für einen neuen Job. Wer mit dem Thema transparent umgeht, verschafft sich als Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil auf dem Bewerbermarkt.

Wie viel verdienen die Deutschen aktuell? Welches Gehalt ist ein gutes Gehalt? Was sind die „lukrativsten“ Bundesländer und in welchen Berufsgruppen lässt sich das meiste Geld mit nach Hause nehmen? Antworten liefert seit mehr als zehn Jahren der Stepstone-Gehaltsreport. Für den Gehaltsreport 2026 wurden mehr als eine Million (1.326.157) Vergütungsdaten aus dem Stepstone Gehaltsplaner ausgewertet und wissenschaftlich analysiert. Die Neuauflage der Stepstone Studie ist im Januar 2026 erschienen. Alle Gehaltsdaten im Report beziehen sich auf das Bruttojahresgehalt von Vollzeitstellen, inklusive Boni, Provisionen, Prämien etc. Sofern nicht anders angegeben, wird im Gehaltsreport das gerundete Mediangehalt ausgewiesen.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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