Wirtschaft

Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung

Der Ifo-Index sendet ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft. Nach langer Schwächephase hellt sich das Ifo-Geschäftsklima spürbar auf, doch parallel drohen internationale Handelskonflikte den Aufschwung zu bremsen. Steht Deutschland wirklich vor der Trendwende?
23.02.2026 14:37
Lesezeit: 3 min
Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung
Containerbrücken auf dem Containerterminal Altenwerder: Ifo-Index mit positiven Signalen (Foto: dpa). Foto: Christian Charisius

Ifo-Index steigt weiter: Hoffnung auf Aufschwung trotz Trumps Zöllen

Der Ifo-Index sorgt für bessere Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen als zuvor erwartet und nährt die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Im Februar legte der Ifo-Index, das zentrale deutsche Konjunkturbarometer, deutlicher zu als prognostiziert und sendet damit ein weiteres Signal für leichtes Wachstum nach Jahren der Krise. Doch Donald Trump bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Die Zollpolitik des US-Präsidenten verunsichert erneut, nachdem er nach seiner Niederlage vor dem obersten Gerichtshof umgehend neue Zölle angekündigt hatte.

Im Februar erhöhte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex um 1,0 Punkte auf 88,6 Zähler. Die Firmen bewerteten ihre laufenden Geschäfte positiver, zugleich verbesserten sich die Erwartungen, teilte das Ifo-Institut mit. "Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung", sagte Präsident Clemens Fuest zu den Ergebnissen der jüngsten Ifo-Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Laut Ifo-Geschäftsklima zog das Geschäftsklima in der Industrie, im Dienstleistungssektor und am Bau an. Lediglich der Einzelhandel verzeichnete einen leichten Rückgang.

"Ifo-Index signalisiert Ende des Konjunkturtals"

"Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie", meint Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zwar dürften Trumps jüngste Zolleskapaden die Unternehmen weiterhin belasten. Dennoch wiesen die Frühindikatoren nach oben, schrieb er mit Blick auf die zuletzt gestiegenen Industrieaufträge und den stabileren Ifo-Index. Die deutsche Wirtschaft, die 2025 lediglich ein Mini-Wachstum erzielte und in den beiden Jahren zuvor geschrumpft war, dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung 2026 um ein Prozent wachsen. Auch die Bundesbank erwartet für das erste Quartal eine moderate Belebung.

"Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal" schrieb Christoph Swonke, Konjunkturanalyst bei der DZ Bank. Mit den milderen Temperaturen komme auch die Wirtschaft in Schwung - "zumindest in Mini-Schritten". Der Aufwärtstrend sei vor allem auf die Fiskalpakete für Infrastruktur und Verteidigung zurückzuführen. "Trotzdem bleibt die weltweite Lage äußerst fragil." Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, erkennt ebenfalls mehr Zuversicht als vielfach angenommen. "Wir sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich Schwung aufnimmt."

Exportrekord in der Elektroindustrie stützt Ifo-Index

Rückenwind kommt aus der deutschen Elektro- und Digitalindustrie, die 2025 ihre Ausfuhren auf den Rekordwert von fast 258 Milliarden Euro steigerte - ungeachtet des Zollkonflikts mit den USA. Nach Angaben des Branchenverbands ZVEI trugen ein starkes Europageschäft und sprunghaft gestiegene Exporte im Dezember dazu bei.

Auch der Maschinenbauverband VDMA meldete höhere Exporte zum Jahresende 2025. In der Gesamtbilanz gingen die weltweiten Ausfuhren von Maschinen und Anlagen jedoch um 1,8 Prozent im Vergleich zu 2024 zurück, das US-Geschäft sank infolge der Zölle um acht Prozent.

Nächstes Kapitel im Zollstreit mit Trump belastet Ifo-Geschäftsklima

Der Handelskonflikt tritt bereits in eine weitere Phase ein: Nach seiner Niederlage vor dem obersten Gerichtshof kündigte Trump am Wochenende neue weltweite Zölle zunächst von zehn und anschließend 15 Prozent auf Importe in die USA an. Der Supreme Court hatte Trump untersagt, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle auf Warenimporte aus zahlreichen Ländern zu verhängen. Offen bleibt, ob Unternehmen zu viel entrichtete Milliardenbeträge erstattet bekommen.

Die US-Zollbehörde setzte nach der Gerichtsentscheidung die Erhebung bestimmter Abgaben teilweise aus. Zölle auf Basis von Notstandsbefugnissen würden ab Dienstag nicht mehr kassiert. Andere Importzölle bleiben bestehen, etwa aus Gründen der nationalen Sicherheit oder wegen unlauterer Handelspraktiken.

Kippt der Zolldeal mit Washington und was bedeutet das für den Ifo-Index?

Zudem bestehen Zweifel, ob der im vergangenen Sommer vereinbarte Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington tatsächlich umgesetzt wird. Vereinbart wurde damals, dass für die meisten EU-Importe in die USA ein Höchstzoll von 15 Prozent gelten soll. Das Abkommen bedarf noch der Zustimmung des EU-Parlaments. Der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange, verlangte vor einer Sondersitzung des Verhandlungsteams im EU-Parlament am Montag, den Deal auszusetzen.

"Rüstungsaufträge machen noch keinen Aufschwung."

Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, betonte, die Zollkapriolen der USA sollten nicht überschätzt werden. "Für die Unternehmen ist jetzt Planungssicherheit wichtiger, als ob es mit den Zöllen noch einmal etwas herauf oder herunter geht."

Viele Fachleute sehen die größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft weiterhin im Inland. Das Ifo-Geschäftsklima und der Ifo-Index zeigten anders als in der ersten Hälfte 2025 noch keinen klaren Aufwärtstrend, schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das Ausbleiben der notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung. Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung."

Ifo-Index zwischen Hoffnung und Risiko

Der aktuelle Anstieg beim Ifo-Index nährt die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Stabilisierung nach schwierigen Jahren. Sowohl das Ifo-Geschäftsklima als auch der Ifo-Geschäftsklimaindex deuten auf eine vorsichtige Belebung in Industrie, Dienstleistungen und Bau hin. Gleichzeitig zeigen die Exportzahlen, dass zentrale Branchen widerstandsfähig bleiben. Doch die internationale Handelspolitik, insbesondere neue US-Zölle von bis zu 15 Prozent, sorgt weiterhin für Unsicherheit. Entscheidend wird sein, ob politische Reformen und stabile Rahmenbedingungen die positive Entwicklung des Ifo-Index nachhaltig stützen können. Erst dann dürfte aus ersten Mini-Schritten ein echter Aufschwung werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Milliardenmarkt Online Glücksspiel: Wie Zahlungsanbieter an Casinos verdienen

Wer in einem Online Casino Geld einzahlt, erlebt meist einen unspektakulären Vorgang. Zahlungsmethode auswählen, Betrag eingeben,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Korte Einrichtungen: Insolvenz des Ladenbauers - 138 Arbeitsplätze vorerst gesichert
21.08.2026

Hohe Kosten, lange Genehmigungsverfahren und zurückhaltende Kunden bringen Korte Einrichtungen in Bedrängnis. Das Unternehmen setzt nun...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Amaroq-Aktie: Minenkonzern kauft Eisbrecher für Grönland
21.08.2026

Die Amaroq-Aktie rückt durch einen ungewöhnlichen Schritt in den Mittelpunkt. Der Minenkonzern kauft den dänischen Eisbrecher Thorbjørn...

DWN
Politik
Politik Pflege neben dem Job: Warum Angehörigenpflege kein Randthema ist
21.08.2026

Jede vierte Mensch wird bis 2035 in Deutschland 67 Jahre oder älter sein. Damit werden immer mehr Angehörige gleichzeitig Arbeitnehmer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Walmart zieht Wall Street nach unten
20.08.2026

Unerwartete Turbulenzen an der New Yorker Börse: Was Anleger jetzt wissen müssen

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktienmarkt steht an einem KI-Scheideweg: Hier liegt das große Risiko
20.08.2026

Die Aktienmärkte hängen immer stärker am KI-Boom. Besonders die Magnificent Seven und ihre Lieferketten haben die Kurse nach oben...

DWN
Politik
Politik Trump scheitert, China gewinnt, Europa zahlt die Rechnung
20.08.2026

Wo stehen wir nach fast einem halben Jahr Krieg in Iran? Was geschieht auf den für Europa entscheidenden Seiten?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Strommangel: Bundesnetzagentur bereitet Zwangsdrosselung der Industrie vor
20.08.2026

Ein Blackout steht nicht unmittelbar bevor. Trotzdem schafft die Bundesnetzagentur Instrumente für eine länger anhaltende Mangellage:...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eli Lilly-Aktie: Neues Supermedikament gegen Adipositas
20.08.2026

Eli Lilly dürfte bald ein neues Supermedikament gegen Adipositas auf den Markt bringen. "Eine solche Gewichtsreduktion hat man noch nie...