Wirtschaft

Neue US-Zölle: Wie riskant ist Trumps Kurs für die Finanzmärkte?

Donald Trump bringt erneut globale Strafzölle ins Spiel – nur Tage nach einer juristischen Schlappe vor dem Supreme Court. Die Märkte reagieren erstaunlich gelassen. Doch unterschätzen Investoren die politische Sprengkraft – oder droht eine neue Phase wirtschaftlicher Unsicherheit?
23.02.2026 15:32
Aktualisiert: 23.02.2026 15:32
Lesezeit: 2 min
Neue US-Zölle: Wie riskant ist Trumps Kurs für die Finanzmärkte?
US-Präsident Donald Trump: Trotz Niederlage vor dem Supreme Court plant Trump neue US-Zölle (Foto: dpa).

Trump belebt Zollpläne neu – Experten erwarten begrenzte Marktreaktionen

Nach einer juristischen Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof der USA bringt Präsident Donald Trump erneut weitreichende Importzölle ins Spiel. Er kündigte am Samstag einen globalen Zollsatz von 15 Prozent an. Nach Angaben des Weißen Hauses soll die Maßnahme am 24. Februar in Kraft treten und für 150 Tage gelten, wie Reuters berichtet. Die Ankündigung folgt auf ein Urteil des Supreme Court vom Freitag, mit dem ein Großteil der von Trump verhängten Vergeltungs- und Strafzölle aufgehoben wurde.

Trotz der politischen Brisanz rechnen mehrere Marktbeobachter nicht mit größeren Verwerfungen zum Wochenstart an den Börsen. „Das ist ein Neustart des gesamten Zollzirkus“, sagt Jacob Pedersen, Leiter Aktienanalyse bei der AL Sydbank. Aus seiner Sicht sei insbesondere die Unsicherheit über die Zeit nach Ablauf der 150 Tage für die Unternehmen problematisch. Die fehlende Planungssicherheit wirke sich belastend auf Investitionsentscheidungen und Lieferketten aus.

Wie die DWN-Kollegen vom slowenischen Portal Finance.si berichten, erwartet Pedersen eine eher verhaltene Reaktion der Kapitalmärkte: „Ich rechne mit einem insgesamt ruhigen Handelsstart an den europäischen Aktienmärkten. Möglicherweise sehen wir eine leicht negative Tendenz, da sich die Vergeltungszölle von 10 auf 15 Prozent erhöhen könnten. Insgesamt dürften Investoren jedoch relativ gelassen reagieren.“

Investoren zeigen Ermüdungserscheinungen

Auch Josephine Cetti, Chefstrategin bei Nordea, geht nicht von außergewöhnlichen Marktbewegungen aus. Ihrer Einschätzung nach haben sich Anleger inzwischen an die häufig wechselnden Zollankündigungen Trumps gewöhnt.

„Der Markt wird die Ankündigung zunächst mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen und abwarten. Wir haben ähnliche Vorstöße bereits mehrfach gesehen. Es fällt schwer, das noch uneingeschränkt ernst zu nehmen“, so Cetti. Johnny Madsen, Investmentmanager und Partner bei Formue- & Investeringspleje, sieht in der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs eine Art „Blaupause“ für die institutionellen Kontrollmechanismen in den USA. Das Urteil zeige, dass die Vereinigten Staaten weiterhin ein funktionierender Verfassungsstaat seien und dass die Befugnisse des Präsidenten in der Handelspolitik rechtlich begrenzt werden können.

Cetti teilt diese Einschätzung: „Viele hatten den Eindruck, Trump kontrolliere den Supreme Court und könne weitgehend frei agieren. Die jüngste Entscheidung zeigt jedoch, dass es weiterhin wirksame Checks and Balances im politischen System gibt.“

Einzelwerte reagieren unterschiedlich

In einer aktuellen Analyse weist Jacob Pedersen darauf hin, dass das Wiederaufflammen der Zollthematik in bestimmten Fällen sogar kursstützend wirken könne. Betroffen sind insbesondere Unternehmen wie Pandora und GN Store Nord, die Waren aus Drittländern in die USA importieren. Pandora produziert unter anderem in Thailand und könnte daher vergleichsweise weniger stark unter den neuen Maßnahmen leiden. Die Aktie legte nach der Ankündigung aus den USA um rund vier Prozent zu.

Anders stellt sich die Lage bei Ørsted dar. Nach Einschätzung von Pedersen dürfte der Energiekonzern eines der am stärksten betroffenen dänischen Unternehmen sein. Hintergrund sind insbesondere Sonderzölle auf Stahl, die auf separaten gesetzlichen Grundlagen beruhen und daher nicht unmittelbar vom Urteil des Obersten Gerichtshofs erfasst werden. Entscheidend sei jedoch weniger die konkrete Höhe einzelner Zollsätze als vielmehr die erneute Phase der Unsicherheit. Unternehmen müssten sich abermals auf potenziell veränderte Rahmenbedingungen einstellen.

Zolleinnahmen als Kern von Trumps Wirtschaftsagenda

Wie es weitergeht, hängt laut Pedersen maßgeblich vom politischen Spielraum des Präsidenten ab. Er geht davon aus, dass Trump faktisch gezwungen ist, an einer protektionistischen Linie festzuhalten. Ein zentraler Baustein seines wirtschaftspolitischen Programms sind erhöhte Zolleinnahmen zur Finanzierung staatlicher Vorhaben. „Er ist davon überzeugt. Seine gesamte Wirtschaftspolitik zielt darauf ab, durch höhere Importzölle erhebliche Staatseinnahmen zu generieren. Deshalb wird er diesen Kurs weiterverfolgen müssen“, so Pedersen.

Sollte der Kongress einem pauschalen Zollsatz von 15 Prozent nicht zustimmen, erwartet der Analyst, dass Trump nach alternativen Wegen suchen wird, um ein vergleichbares Belastungsniveau zu erreichen. Widerstand dürfte insbesondere von den Demokraten kommen, aber auch innerhalb der Republikanischen Partei gibt es Kritiker einer verschärften Zollpolitik.

An den grundlegenden Anreizen ändere das jedoch wenig, so Pedersen: „Wenn er den Kongress nicht dazu bewegen kann, einen 15-Prozent-Zoll mitzutragen, wird er versuchen müssen, andere Instrumente zu nutzen, um faktisch auf ein ähnliches Niveau zu kommen.“ Für die Märkte bedeutet das vor allem eines: Die handelspolitische Unsicherheit bleibt ein dauerhafter Risikofaktor – selbst wenn die unmittelbare Reaktion an den Börsen zunächst moderat ausfällt.

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