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YouTube-Revolution: Wie die Plattform TV-Sender bedrängt

Fast still und leise hat sich YouTube zum Superstar der digitalen Unterhaltung entwickelt. TV und Streamingdienste spüren die Veränderungen bereits deutlich – und das ist nur der Anfang eines der größten Umbrüche in der gesamten Unterhaltungsbranche.
19.01.2026 11:48
Lesezeit: 3 min
YouTube-Revolution: Wie die Plattform TV-Sender bedrängt
YouTube wächst mit 2,5 Milliarden monatlichen Nutzern rasant und verändert die Medienlandschaft. Erfahren Sie, wie traditionelle Sender reagieren und welche Chancen und Risiken entstehen (Foto: dpa). Foto: Henning Kaiser

Wenn Ende Februar die neue Staffel der TV-Show „Let’s Dance“ anläuft, dann sind die mehr oder weniger holprigen Tanzschritte der Prominenten direkt auch auf einem YouTube-Kanal zu sehen. Seit einem Jahr baut der Kölner Privatsender RTL auf der US-Plattform „gezielt“ eigene „Business Channels“ als „neuen Erlösstrom“ auf. So sollen mehr Einnahmen und neue Zielgruppen erreicht werden.

Der Kanal der RTL-Actionreihe „Alarm für Cobra 11“ beispielsweise erreicht bei manchen Folgen mehr als 700.000 Aufrufe auf Youtube. Das ist immerhin rund die Hälfte dessen, was der Krimi zuletzt im linearen Fernsehen an Publikum versammelt hat - wahrlich nicht zu vernachlässigen.

„Sie sind für uns Partner und Wettbewerber“, sagt der zuständige RTL-Manager Oliver Schablitzki mit Blick auf die amerikanische Videoplattform. Schablitzki spricht im Interview der Deutschen Presse-Agentur von einem „weiteren Baustein“ der „Wachstumsstrategie“.

Ausspielweg und Konkurrenz zugleich

Tatsächlich ist für RTL und andere Sender die Plattform durchaus ein Konkurrent, weil das TV-Publikum weltweit in Scharen zu Youtube abwandert: 2,5 Milliarden Nutzer pro Monat. Mehr als eine Milliarde Stunden Video werden täglich gestreamt. In Deutschland verwenden laut Agentur Kontor4 rund 70,9 Millionen Nutzer jeden Monat Youtube.

In den Vereinigten Staaten ist die Entwicklung weiter: 90 Prozent aller 18- bis 34-jährigen Amerikaner konsumieren im Monatsverlauf Inhalte auf der Plattform - weit mehr als jemals ein Fernsehsender erreichen könnte. Selbst die Oscar-Verleihung, ein klassisches TV-Ereignis, wird demnächst zuerst auf Youtube laufen.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung sind extrem. Beim Londoner Marktforschungsunternehmen Ampere Analysis ist man sich sicher, dass „die traditionellen Geschäftsbereiche wie Fernsehen oder Kino alle unter Druck stehen, während Online-Plattformen wie Youtube und Tiktok aufsteigen“.

Den Gesamtmarkt von 800 Milliarden Dollar weltweit teilen sich beide Bereiche noch fast zu gleichen Teilen. Aber die Einschätzung von Guy Bisson bei Ampere Analysis lautet: Die eine Hälfte wird weiter zurückgehen, die andere weiterwachsen. Und das löst jetzt schon deutliche Verwerfungen aus. Die Folge sind Einnahmeausfälle und Stellenabbau bei einer Reihe deutscher Privatsender.

70 Millionen Nutzer in Deutschland

Doch auch die über den Rundfunkbeitrag finanzierten Öffentlich-Rechtlichen stehen unter Druck, schon allein wegen ihrer überalterten Zuschauerschaft. Youtube soll ihnen mehr Reichweite verschaffen. „Wir erreichen mit wertvollen Inhalten schnell und in großer Zahl die Teile unseres Publikums, die kaum noch fernsehen oder Radio hören“, heißt es vom WDR. „Bei Veränderungen der weltpolitischen Lage funktioniert das oft sehr gut. Als es zum Umsturz in Syrien kam, haben wir eine Doku zu den Assads aus unserem Archiv bei Youtube eingestellt und hatten in wenigen Tagen Nutzer im Millionenbereich.“

Die Tendenz erscheint klar: „Die Plattformen Youtube und Tiktok werden im Fernseh- und Videobereich die größten Player der Zukunft sein“, so die Einschätzung des Kölner Film- und TV –Produzenten Michael Souvignier („Der Medicus 2“) zu einer dpa-Anfrage mit Blick auf die aktuelle Entwicklung. So deutlich wie Souvignier werden TV-Verantwortliche aber eher selten, vielleicht um den eigenen Bedeutungsverlust nicht noch weiter zu unterstreichen oder um die Megaplattform nicht zu verärgern.

Kontrolle über den Zugang

Kurios: Youtube als Unternehmen produziert selbst keine Inhalte, sieht sich, so Europachef Pedro Pina, als „Ökosystem“, in dem sich Inhalte-Produzenten ein eigenes Unternehmen aufbauen können. Dabei hat die Plattform eine Monopolstellung inne: YouTube gehört zum US-Konzern Google, und Google schaltet selbst Werbung, vermittelt aber auch zwischen Werbetreibenden und denen, die den Platz dafür online zur Verfügung stellen.

Die Verantwortlichen beteuern zwar immer wieder, dass die Auffindbarkeit und das Ranking von Inhalten nur durch das Interesse der Nutzerschaft gesteuert würde. Nachprüfen kann das bisher allerdings niemand. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl warnt daher im dpa-Interview: „Neben den Empfehlungslogiken, die nur bedingt zu unserem Auftrag passen, besteht die Gefahr, zu abhängig von Algorithmen und Geschäftsinteressen eines globalen Konzerns zu werden.“

Und vielleicht erschweren nicht nur wirtschaftliche Interessen den Zugang zu Inhalten, sondern auch ideologische: Aktuell scheinen in den Vereinigten Staaten Politik und Big-Tech-Unternehmen wie Google zu einer Allianz in einer ganz neuen Dimension zu verschmelzen. Das löst auch beim WDR Sorgen aus: „Ein Thema, dass die Redaktionen beschäftigt, sind sogenannte Shadow Bans. Wenn ein Film gegen die Interessen und Vorgaben YouTubes steht, haben Redaktionen den Eindruck, dass er weniger prominent ausgespielt wird. Manchmal werden Inhalte nicht richtig zugeordnet in passende Kategorien, was Sichtbarkeit erschwert.“

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