Wirtschaft

IWF sieht Deutschland 2026 stärker wachsen – Optimismus für Wirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft 2026 stärker wächst als andere G7-Staaten. Damit könnte Deutschland nach Jahren als Schlusslicht unter den großen westlichen Industrienationen wieder aufholen. Grund für den optimistischeren Ausblick seien unter anderem stabile Binneninvestitionen und eine robuste Binnennachfrage.
19.01.2026 14:46
Lesezeit: 2 min

Die deutsche Wirtschaft wird im laufenden Jahr nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) stärker wachsen als bislang angenommen. 2026 dürfte das Plus bei 1,1 Prozent liegen und damit 0,2 Prozentpunkte höher ausfallen als noch im Oktober prognostiziert, wie der IWF mit Sitz in Washington mitteilte. Unter anderem dürften staatliche Milliardenausgaben kurzfristig für Auftrieb sorgen und damit die bremsenden US-Zölle abfedern.

Die IWF-Experten positionieren sich damit deutlich optimistischer als etwa die Bundesbank und das Ifo-Institut. Zugleich bleibt der IWF vorsichtiger als die Bundesregierung, die ein Wachstum von 1,3 Prozent erwartet. Die Bundesregierung setzte bei ihrer Prognose vor allem auf die Nachfrage im Inland. Stabile Preise, Lohnsteigerungen und Entlastungen ließen die verfügbaren Einkommen der Privathaushalte steigen. Für 2027 erwarten die IWF-Experten weiter ein Wachstum von 1,5 Prozent.

Deutschland nicht mehr Schlusslicht in G7-Gruppe

Laut IWF-Prognose wird Deutschland im laufenden Jahr stärker wachsen als andere G7-Länder: Nachdem die Bundesrepublik im vergangenen Jahr noch das Schlusslicht unter den großen westlichen Industrienationen der Gruppe bildete, hinken nun Japan und Italien mit einem prognostizierten Wachstum von 0,7 Prozent hinterher. Auch Frankreich dürfte sich mit 1,0 Prozent etwas schwächer entwickeln als Deutschland.

Für die Eurozone rechnet der IWF in diesem Jahr nun mit einem Plus von 1,3 Prozent (Oktober: 1,2 Prozent). Für 2027 erwarten die Experten weiter ein Konjunkturplus von 1,4 Prozent. Das etwas schnellere Wachstum kommendes Jahr spiegele die prognostizierten höheren Ausgaben im öffentlichen Sektor wider, insbesondere in Deutschland. Auch Irland und Spanien dürften sich stark entwickeln, hieß es. Den Effekt durch die Erhöhung von Verteidigungsausgaben dürfte sich indes erst in den Folgejahren bemerkbar machen, da diese auf mehrere Jahre verteilt geplant sind.

Die USA dürften sich nach IWF-Angaben erneut besser entwickeln als gedacht. Für dieses Jahr soll das Wachstum 2,4 Prozent (Oktober: 2,1 Prozent) betragen. Unter anderem liegt das an dem niedrigeren Leitzins, den die US-Notenbank Federal Reserve im vergangenen Jahr in mehreren Schritten gesenkt hatte. Zudem dürften die negativen Auswirkungen der US-Zölle für die heimische Wirtschaft allmählich nachlassen. Für 2027 erwarten die Experten dann ein Abflauen auf 2,0 Prozent (Oktober: 2,1 Prozent).

Mit diesen Wachstumswerten rechnet der IWF

Land

2026 (bisherige Prognose)

2027 (bisherige Prognose)

Deutschland

1,1 Prozent (0,9 Prozent)

1,5 Prozent (1,5 Prozent)

Eurozone

1,3 Prozent (1,2 Prozent)

1,4 Prozent (1,4 Prozent)

USA

2,4 Prozent (2,1 Prozent)

2,0 Prozent (2,1 Prozent)

China

4,5 Prozent (4,2 Prozent)

4,0 Prozent (4,2 Prozent)

Weltweit

3,3 Prozent (3,1 Prozent)

3,2 Prozent (3,2 Prozent)

IWF: Viele Abwärtsrisiken für Weltwirtschaft

Auch die Weltwirtschaft dürfte nun laut IWF mit 3,3 Prozent (Oktober: 3,1) etwas stärker zulegen. Für 2027 bleiben die Experten bei ihrem Ausblick von 3,2 Prozent. Insgesamt sehen die Experten mehr Abwärtsrisiken als Aufwärtspotenzial: Mit Sorge verweisen sie auf ein mögliches Platzen der Blase rund um Künstliche Intelligenz, die zu „einem Investitionsrückgang und einer abrupten Korrektur an den Finanzmärkten“ führen könnte. Die Konsequenzen könnten dann auch andere Branchen treffen. Sollte die KI-Blase doch nicht platzen, könnte Künstliche Intelligenz nachhaltig das Wachstum ankurbeln.

Zudem warnte der IWF davor, dass sich Handelskonflikte weiter verschärfen und damit die Wirtschaftsproduktivität stärker belasten könnten als gedacht. „Innenpolitische oder geopolitische Spannungen könnten ausbrechen, neue Unsicherheiten schaffen und die Weltwirtschaft durch ihre Auswirkungen auf Finanzmärkte, Lieferketten und Rohstoffpreise stören“, heißt es weiter.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Deutschland braucht einen nationalen Hitzeschutzplan: Doch wer trägt die Kosten?
21.09.2026

Sommer, Sonne, Hitze: Extrem hohe Temperaturen belasten zunehmend den Alltag vieler Menschen in Deutschland und verursachen...

DWN
Technologie
Technologie 70.000 Dollar für eine Hand: Deutschlands Chance im Roboter-Boom
21.09.2026

China lieferte im ersten Halbjahr 97 Prozent aller humanoiden Roboter weltweit aus. Warum eine Fraunhofer-Studie ausgerechnet in deren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IAB-Studie: Rüstungsindustrie kann Stellenabbau nicht auffangen
21.09.2026

Die Rüstungsindustrie wächst, doch als Auffangbecken für Beschäftigte aus kriselnden Industriezweigen taugt sie bislang kaum. Neue...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
21.09.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck nach Berlin-Wahl – Diskussion um Enteignungen
21.09.2026

Die Berlin-Wahl setzt die Vonovia-Aktie unter Druck. Forderungen nach Enteignungen großer Wohnungskonzerne sorgen bei Anlegern für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsprofessor Luis Garicano: So vermeiden Sie, Ihren Job an KI zu verlieren
21.09.2026

Viele Warnungen vor KI und Massenarbeitslosigkeit klingen dramatisch. Der Ökonom Luis Garicano hält sie für übertrieben. Sein Argument:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie: Warum der Ozempic-Riese plötzlich alles ändert
21.09.2026

Novo Nordisk macht aus sich selbst „Novo“ und dreht sogar den berühmten Stier im Logo um. Doch hinter der vermeintlichen kosmetischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Euro-Banknoten: Diese Motive stehen zur Wahl – Umfrage endet
21.09.2026

Europas Bargeld soll moderner, sicherer und langlebiger werden. In einer großen Online-Umfrage entscheiden Bürger über mögliche Motive...