Gehaltsverhandlung: Tipps für mehr Gehalt trotz Krise – 7 Punkte zur Gehaltserhöhung
Leeres Konto, steigende Kosten? Mit der richtigen Gehaltsverhandlung, einer klugen Strategie und überzeugenden Argumenten können Sie mehr Gehalt erreichen – und dabei gleichzeitig Ihren eigenen Wert im Unternehmen sichtbar machen.
Für die eigene Arbeit endlich besser bezahlt werden – das wäre jetzt dringend nötig. Doch viele fragen sich, ob eine Gehaltsverhandlung angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage derzeit überhaupt sinnvoll ist. Hier die klare Antwort: Ja! Denn: "Den perfekten Zeitpunkt für Gespräche über Gehaltsanpassungen gibt es eigentlich nicht", sagt der Münchner Karrierecoach Walter Feichtner. Entscheidend ist weniger das Wann, sondern das Wie. Mit diesem Sieben-Punkte-Plan geht bei der Gehaltsverhandlung (fast) nichts mehr schief.
Punkt 1: Zufriedenheit beim Jahresgespräch ausloten
"Das Jahresgespräch kann eine gute Gelegenheit sein, herauszufinden, wie zufrieden die Führungskraft mit den Leistungen eines Beschäftigten ist", sagt Feichtner. Wenn die Führungskraft das Gegenüber lobt, lässt sich das aufgreifen und ein separater Termin vorschlagen, in dem es konkret um eine mögliche Gehaltserhöhung geht – also um mehr Gehalt.
Aber: "Ein solcher Termin ist zumeist nur der Auftakt von Gehaltsverhandlungen", sagt der Münchner Karrierecoach und Podcaster ("Berufsoptimierer") Bastian Hughes. Rechnen Sie deshalb damit, dass Ihre Gehaltsverhandlung nicht mit einem einzigen Gespräch erledigt ist.
Punkt 2: Termin zur Gehaltsverhandlung steht? So bereiten Sie sich optimal vor
Bereiten Sie Ihre Gehaltsverhandlung bis ins Detail vor. Hilfreich ist zum Beispiel eine Leistungsbilanz der letzten zwölf Monate. "In einer Art Erfolgstagebuch können Beschäftigte einmal die Woche drei Dinge aufschreiben, die ihnen besonders gut gelungen sind", rät Hughes. Die wichtigsten Punkte aus diesem Erfolgstagebuch sollten Beschäftigte in der Gehaltsverhandlung griffbereit haben. Arbeitnehmende können etwa auf neue Aufträge verweisen, die sie gewonnen haben, oder auf Effizienzsteigerungen in Arbeitsprozessen. Weitere gute Argumente sind folgende:
Marktwert
Möglicherweise hat die beschäftigte Person durch Weiterbildung eine spezielle Expertise aufgebaut, die dem Unternehmen spürbar nutzt.
Fachkräftemangel
Auch der Fachkräftemangel kann in manchen Fällen ein Argument sein – aber er sollte nicht das Einzige bleiben. Besser wirkt es, ihn mit den eigenen Leistungen und dem konkreten Mehrwert zu verknüpfen.
Verantwortung
Wer in letzter Zeit mehr Verantwortung übernommen hat und nachweislich effizient sowie qualitativ und quantitativ gut gearbeitet hat, sollte das im Gespräch klar ansprechen.
Ganz gleich, wie Sie argumentieren, es ist wichtig, im Kopf zu behalten: "Unternehmen zahlen nicht mehr Geld für Fleiß, Loyalität oder Anstrengung, sondern für wahrgenommenen und erwarteten Mehrwert", stellt Karriereberater Bastian Hughes klar. Deshalb ist es sinnvoll, vor der Gehaltsverhandlung bewusst die Perspektive zu wechseln. Wie bewertet mein Arbeitgeber meine Leistung wirklich? Ist es auch aus seiner Sicht nachvollziehbar, mir mehr Lohn zu zahlen, weil er meinen Beitrag zum Unternehmenserfolg erkennt oder in Zukunft erwartet?
Punkt 3: Keinen Druck ausüben oder Jammern
Klagen oder Druck aufbauen – das bringt in einer Gehaltsverhandlung meist wenig. "Jammern wirkt unprofessionell und schwächt die eigene Position", mahnt Walter Feichtner. Druck nach dem Motto "Wenn ich keine Gehaltserhöhung bekomme, gehe ich zur Konkurrenz" ist ebenfalls keine gute Strategie. Man muss damit rechnen, dass die Führungskraft dann sagt "Ja, dann gehen Sie doch." Besser sind immer messbare Ergebnisse, klare Fakten und nachvollziehbare Argumente.
Bei der Gehaltsverhandlung sollte man außerdem finanziell nicht in einer akuten Notlage sein. Denn sonst wird man leicht dazu verleitet, persönliche Gründe wie etwa die Tilgung von Schulden anzuführen – und solche Punkte haben in diesen Gesprächen nichts zu suchen.
Punkt 4: In der Gehaltsverhandlung sollten Sie überzeugend formulieren
Entscheidend ist, den Mehrwert für das Unternehmen in den Mittelpunkt zu stellen. "Man sollte konkrete Beispiele für erfolgreiches Handeln nennen können", sagt Feichtner. Dazu gehören etwa zufriedene Kunden, die positives Feedback gegeben haben – im besten Fall sogar schriftlich, zum Beispiel per Mail.
Zusätzlich kann es helfen, Marktdaten einzubeziehen, um die eigene Forderung realistisch zu begründen. "Damit zeigen Beschäftigte Selbstbewusstsein und Sachlichkeit", so Feichtner. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit ist zum Beispiel eine gute Referenz, wenn man über Gehaltsanpassung und marktübliche Bezahlung sprechen will.
Punkt 5: Partnerschaftlich agieren
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten Beschäftigte in der Gehaltsverhandlung partnerschaftlich auftreten – also versuchen, sich in die Lage der anderen Seite hineinzuversetzen und zu überlegen, was die Führungskraft beschäftigt.
"Ein solches Handeln auf Augenhöhe kann zu fairen und objektiven Lösungen führen und zugleich die Bindung an das Unternehmen stärken", so Walter Feichtner. Konfrontation ist dagegen riskant, weil sie das Miteinander dauerhaft belasten kann.
Punkt 6: Offen sein für Alternativen zur Gehaltserhöhung
Manchmal ist ein Bonus oder eine Prämie vorteilhafter als eine Gehaltserhöhung, auf die Monat für Monat Steuern und Sozialabgaben anfallen. Auch ein Jobticket, Essenszuschüsse, ein Firmenfahrrad oder Weiterbildungen können laut Feichtner attraktive Optionen sein. Wer eine Gehaltsanpassung nicht sofort durchsetzt, kann über solche Wege dennoch mehr Lohn herausholen. Zeigen Sie sich deshalb offen für Alternativen.
Punkt 7: Lassen Sie sich nicht abwimmeln
Es kommt immer wieder vor, dass eine Führungskraft auf die Bitte um eine Gehaltserhöhung mit einem Nein reagiert und erklärt, jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt. "Beschäftigte sollten dann nachhaken und fragen, wann denn der richtige Zeitpunkt ist", rät Hughes. Dazu gehört auch, einen konkreten Vorschlag für einen neuen Termin zu machen – also etwa in ein paar Monaten oder in einem Jahr. Dann können Beschäftigte mit besonders starken Argumenten überzeugen, denn: Bis dahin bleibt Zeit, weitere Belege zu sammeln, die zeigen, warum in der nächsten Gehaltsverhandlung eine Gehaltserhöhung nötig ist.
Gehaltsverhandlung: Tipps verinnerlichen und mit Strategie statt Bauchgefühl zur Gehaltserhöhung
Eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung hängt selten vom perfekten Zeitpunkt ab, sondern von Vorbereitung, Haltung und klaren Argumenten. Wer seine Leistungen belegt, den eigenen Mehrwert verständlich formuliert und sachlich bleibt, erhöht die Chancen auf mehr Gehalt deutlich. Gleichzeitig lohnt es sich, realistisch zu bleiben und partnerschaftlich aufzutreten – gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen. Wenn eine direkte Gehaltserhöhung nicht möglich ist, können Bonus, Zuschüsse oder Weiterbildungen eine sinnvolle Gehaltsanpassung darstellen und trotzdem mehr Lohn bringen. Wichtig ist vor allem: nicht aufgeben, sondern verbindlich nach dem nächsten Gespräch fragen.


