Politik

Strategische Autonomie: EU startet Satellitennetz IRIS2 unabhängig von den USA

Die EU baut eine eigene sichere Satellitenkommunikation auf, um staatliche Netze unabhängiger von externen Anbietern zu machen. Welche Folgen hat dieser Schritt für Europas sicherheitspolitische und strategische Handlungsfähigkeit?
30.01.2026 07:20
Lesezeit: 2 min
Strategische Autonomie: EU startet Satellitennetz IRIS2 unabhängig von den USA
Die Europäische Union startet mit IRIS2 ein eigenes Satellitennetz, um staatliche Kommunikation sicherer zu machen und die Abhängigkeit von den USA zu verringern (Foto: iStock.com, mesh cube) Foto: mesh cube

EU startet eigenes Satellitennetz zur Verringerung der Abhängigkeit von den USA

Die Europäische Union hat die ersten Komponenten eines eigenen sicheren Satellitenkommunikationssystems in Betrieb genommen. Ziel ist es, eine europäische Alternative zu Starlink zu schaffen und die Abhängigkeit von der Unterstützung der Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen zu reduzieren.

Das Projekt hat ein Volumen von 10,6 Milliarden Euro und umfasst die Systeme IRIS2 und GOVSATCOM. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg werden die Netze bereits in begrenztem Umfang von öffentlichen Verwaltungen und militärischen Stellen genutzt.

Europäische Kontrolle über verschlüsselte Satellitenkommunikation

Der EU Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius, erklärte, dass die Ukraine bereits um Zugang zu dem neuen Satellitensystem ersucht habe. Die Europäische Kommission arbeite derzeit daran, entsprechende Nutzungsmöglichkeiten bereitzustellen.

Kubilius betonte, dass die Mitgliedstaaten mit dem Projekt eine eigene verschlüsselte Satellitenkommunikation erhalten, die vollständig in Europa entwickelt und betrieben wird. Dies sei von zentraler Bedeutung für die Sicherheit und die strategische Autonomie der Europäischen Union.

Mit dem Aufbau der Netze verfolgt Brüssel das Ziel, kritische Kommunikationsinfrastrukturen unabhängiger von externen Akteuren zu machen. Insbesondere in geopolitischen Krisensituationen gewinnt die Kontrolle über sichere und belastbare Datenverbindungen an strategischer Relevanz.

IRIS2-Konstellation mit 290 Satelliten bis 2030

Die IRIS2-Konstellation soll bis zum Jahr 2030 vollständig einsatzfähig sein und aus rund 290 Satelliten auf unterschiedlichen Umlaufbahnen bestehen. Vorgesehen ist, dass die Dienste sowohl staatlichen Stellen als auch kommerziellen Nutzern zur Verfügung stehen.

Mit dem Aufbau des Systems wurden mehrere europäische Satellitenbetreiber beauftragt, darunter SES, Eutelsat und Hispasat. Damit soll die europäische Raumfahrtindustrie gezielt gestärkt und stärker in sicherheitsrelevante Wertschöpfungsketten eingebunden werden.

Nach Einschätzung der Europäischen Union soll das Projekt den Ausbau sogenannter strategischer Fähigkeiten beschleunigen. In Bereichen wie militärischer Kommunikation und kritischer Infrastruktur ist Europa bislang weiterhin in erheblichem Umfang auf die Vereinigten Staaten angewiesen.

Bedeutung des Satellitenprojekts für Deutschland

Für Deutschland besitzt das Satellitenprojekt eine besondere wirtschafts- und sicherheitspolitische Bedeutung. Eine eigenständige europäische Kommunikationsinfrastruktur stärkt die Handlungsfähigkeit deutscher Behörden und der Bundeswehr in sicherheitsrelevanten Lagen.

Zugleich eröffnet IRIS2 neue Perspektiven für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Raumfahrt, IT-Sicherheit und kritische Infrastruktur. Das Vorhaben fügt sich damit in die deutsche Debatte über technologische Souveränität und die langfristige Absicherung zentraler staatlicher und wirtschaftlicher Kommunikationssysteme ein.

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