Wirtschaft

Arbeitgeber-Umfrage zeigt: Generation Z ist arbeitsbereiter als gedacht

Die Generation Z gilt oft als wenig leistungsbereit und stark auf Freizeit fokussiert. Doch eine neue Umfrage aus Norddeutschland zeichnet ein überraschend anderes Bild. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Herausforderungen für Wirtschaft und Industrie.
01.02.2026 07:33
Lesezeit: 2 min
Arbeitgeber-Umfrage zeigt: Generation Z ist arbeitsbereiter als gedacht
Die Generation Z ist arbeitsbereiter als gedacht (Foto: iStockphoto.com/nd3000). Foto: nd3000

Umfrage: Generation Z zeigt doch hohe Arbeitsbereitschaft

Von wegen nur Work-Life-Balance und Selbstverwirklichung: Zumindest bei den Arbeitgebern der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie beweist die Generation Z in einer Befragung eine ausgeprägte Arbeitsbereitschaft und viel Zuversicht. So wollten zwei Drittel der etwa zwischen 1995 und 2010 geborenen jungen Menschen einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, heißt es in der der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Untersuchung. Ein Viertel wünscht sich jedoch die Option, je nach Lebensphase zwischen Voll- und Teilzeit wechseln zu können.

2.700 Abiturienten und Abiturientinnen befragt

Für die Untersuchung haben der Arbeitgeberverband Nordmetall, die Nordakademie und das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) nach eigenen Angaben in den Jahren 2022 bis 2024 in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mehr als 2.700 Abiturientinnen und Abiturienten sowie 200 Geschäftsführungen und Personalleitungen befragt. Die Ergebnisse seien nun in einer Broschüre gebündelt worden.

Der Generation Z zugerechnete Jugendliche gelten als "Digital Natives", die mit Smartphones und sozialen Medien selbstverständlich umgehen. Allgemein heißt es über sie, dass sie großen Wert auf Individualität, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance und Selbstverwirklichung legen - mit Auswirkungen auf Beruf und Konsum.

Der Befragung zufolge stellen Überstunden für viele junge Leute kaum ein Hindernis dar. So seien rund 80 Prozent grundsätzlich bereit, situativ mehr zu arbeiten. Jeder fünfte Jugendliche sei sogar "immer gern" offen für Überstunden. Nur drei Prozent der Jugendlichen wollten "möglichst gar nicht" länger arbeiten. Knapp die Hälfte der Befragten könne sich außerdem vorstellen, später eine Führungsrolle zu übernehmen.

Ungleichgewicht bei den Berufswünschen

Allerdings zeigt die Umfrage ein deutliches Ungleichgewicht bei den Berufsvorstellungen: So interessierten sich Abiturienten kaum für Karrierewege in gewerblich-technischen Berufen wie Montage, Instandhaltung oder Maschinensteuerung. Stattdessen bevorzugten sie Tätigkeiten im Projektmanagement, in Forschung und Entwicklung oder im Verkauf und Marketing.

Gleichzeitig unterschätzten sie die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie. "Berufseinsteiger nach einer Ausbildung oder einem Bachelor-Studium schätzen ihr späteres Gehalt um ca. 800 bis 1.100 Euro beziehungsweise 900 bis 1.000 Euro monatlich zu niedrig ein", erklärte Nordmetall.

Nur wenig Mathematik- und Physik-Fans

Den Arbeitgebern bereitet der geringe Anteil von Jugendlichen Sorge, die Mathematik und Physik/Informatik zu ihren Lieblingsfächern zählen. Trotz des hohen Bedarfs der Industrie an MINT-Kompetenzen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) seien es nur 9,0 Prozent der Befragten. "Deutschlands Zukunft hängt davon ab, junge Menschen früh für MINT zu begeistern - denn hier ist der Fachkräftemangel am größten", betonte der Präsident und Vorstand der Nordakademie, Stefan Wiedmann.

"Wenn wir heute nicht in die berufliche Orientierung und Ausbildung junger Menschen investieren, wird uns morgen die Fachkräftelücke mit voller Wucht treffen", warnte ifaa-Direktor Sascha Stowasser. Gerade die Metall- und Elektroindustrie müsse jetzt zeigen, wie spannend, sinnstiftend und zukunftssicher ihre Berufe seien. "Der frühe direkte Kontakt zwischen Unternehmen und Jugendlichen, etwa im Rahmen von Schulkooperationen, ist dabei ein zentraler Schlüssel."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Brady macht Schluss mit Kabeln im Industrie-Etikettendruck

Industrie-Kennzeichnung galt lange als stationär, schwer und kabelgebunden. Brady bringt nun einen Hybrid-Drucker auf den Markt, der...

DWN
Politik
Politik Keine Einheit mit Südkorea? Nordkorea streicht Wiedervereinigung aus Verfassung
07.05.2026

Erstmals verzichtet Nordkorea in seiner Verfassung auf das Ziel der Einheit mit Südkorea. Experten interpretieren diesen Schritt höchst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Zinsen, schwaches Wachstum: Russische Wirtschaft verliert an Kraft
07.05.2026

Die russische Wirtschaft steht unter stetig wachsendem Druck, während schwache Konjunkturdaten Moskaus Stabilitätsversprechen infrage...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chip-Aktien treiben Wall Street nach oben, da Hoffnungen auf Friedensabkommen steigen
06.05.2026

Spannende Wendungen und neue Allzeithochs: Entdecken Sie die Hintergründe der aktuellen Marktdynamik.

DWN
Politik
Politik EU-Mitgliedschaft: Warum andere Länder schneller vorankommen als die Ukraine
06.05.2026

Die EU-Erweiterung rückt durch neue geopolitische Risiken wieder ins Zentrum der europäischen Politik, doch nicht jeder Kandidat hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon warnt: Weltordnung steht vor historischer Probe
06.05.2026

Jamie Dimon sieht die globale Wirtschaft vor Risiken, die weit über Börsen, Inflation und Ölpreise hinausreichen. Kann der Westen seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nord Stream 1: Lubminer Gaskraftwerk wird an die Ukraine verschenkt
06.05.2026

Das funktionsfähige und stillgelegte Gaskraftwerk in Lubmin, soll an die Ukraine verschenkt werden. Das sorgt für Unmut, denn die Anlage...

DWN
Technologie
Technologie Kostenfalle ChatGPT: OpenAI zahlt 50 Milliarden Dollar allein für Rechenleistung
06.05.2026

Dass der Betrieb von ChatGPT teuer ist, war bekannt. Jetzt bekommt man einen Einblick, wie viele Milliarden die KI-Rechenzentren den...

DWN
Politik
Politik Trump vor der nächsten Probe: Wie lange hält der Waffenstillstand am Golf?
06.05.2026

Der Iran-Krieg macht Donald Trumps Machtverständnis zum Risiko für Märkte, Diplomatie und die globale Ordnung. Wie lange kann die...