Wirtschaft

Rohstoffkrieg um Seltene Erden: China, Russland und Trumps Griff nach Grönland

Rohstoffe sind längst mehr als Wirtschaftsgüter – sie werden zu politischen Druckmitteln. Ob Grönland, Taiwan oder die Ukraine: Weltmächte sichern sich strategische Materialien für Militär und Hightech. Doch was passiert, wenn ganze Industrien plötzlich am Tropf geopolitischer Rivalen hängen?
26.02.2026 12:25
Aktualisiert: 01.01.2030 11:24
Lesezeit: 9 min
Rohstoffkrieg um Seltene Erden: China, Russland und Trumps Griff nach Grönland
China dominiert Seltene Erden, Russland liefert Naphtha, die USA suchen Zugriff auf Grönland. (Foto: iStockphoto.com/Pla2na) Foto: Pla2na

Von Seltenen Erden bis Naphtha: Wie China, Russland und die USA kritische Rohstoffe als geopolitische Waffe einsetzen

Am 10. Januar 2026 bekräftigte US-Präsident Donald Trump den Anspruch der Vereinigten Staaten auf Grönland und begründete ihn mit strategischer Sicherheit sowie mit dem Zugang zu Rohstoffen. Nur wenige Tage später widersprach Per Stig Møller, Dänemarks Außenminister von 2001 bis 2010 und Architekt des Verteidigungsabkommens von 2004, dieser Argumentation in einem Interview mit dem US-Nachrichtenformat VICE. Es gebe, so Møller, „no rational reason“ – also keinen rationalen Grund – für eine Annexion, weder aus Sicherheitsgründen noch wegen Seltener Erden.

Møller kennt die sicherheitspolitische Architektur Grönlands. Als dänischer Außenminister verhandelte er im Jahr 2004 gemeinsam mit dem damaligen US-Außenminister Colin Powell und dem damaligen grönländischen Premierminister Hans Enoksen das modernisierte Verteidigungsabkommen zwischen Dänemark, Grönland und den USA.

Washington könne machen, was es will

Das Abkommen – offiziell „Agreement between the Government of the Kingdom of Denmark and the Government of the United States of America concerning the Defense of Greenland“ – aktualisierte das ursprüngliche Verteidigungsabkommen von 1951. Es passte die US-Militärpräsenz in Grönland, insbesondere rund um die damalige Thule Air Base an die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen an und band zugleich die grönländische Selbstverwaltung formell in das Konsultationsverfahren ein. Seither sind nicht nur militärische Nutzungsrechte geregelt, sondern auch die Modalitäten der Abstimmung zwischen Washington, Kopenhagen und Nuuk.

Im Interview beschreibt Møller die Logik des 2004 geschlossenen Abkommens so: Die USA verfügten bereits über weitreichende sicherheitspolitische Handlungsmöglichkeiten; „America can do what it wants security wise“, sagt er, sie müssten lediglich konsultieren – „that’s it“. Dänemark und Grönland könnten Maßnahmen, die Washington als sicherheitsnotwendig einstuft, ohnehin kaum blockieren.

Der seit 2004 bestehende Vertragsrahmen räumt den USA damit umfangreiche militärische Rechte ein, ebenso mit Blick auf mögliche Rohstoffprojekte. Wer Seltene Erden in Grönland fördern wolle, könne Lizenzen beantragen; es gebe rund 80 Konzessionen, doch von denen sei lediglich eine an ein US-Unternehmen vergeben worden. In Møllers Lesart ist die Debatte um eine Annexion Grönlands daher eher Ausdruck von Trumps geopolitischer Machtprojektion und seiner Sphärenlogik, die territoriale Kontrolle über vertragliche Kooperation stellt.

Der hohe Preis arktischer Rohstoffe

Wie unrealistisch kurzfristige Rohstofffantasien sind, betont auch der Kopenhagener Journalist Andreas Knudsen, der sich seit vielen Jahren mit Sicherheitsfragen zu Grönland beschäftigt. Im Interview mit den DWN beschreibt er am Beispiel eines großen Zinkvorkommens im Nordosten Grönlands die strukturellen Hürden des Abbaus: „Alles, was in Grönland gefördert wird, ist deutlich teurer als vergleichbare Projekte etwa in Afrika.“ Je nach Projekt lägen die Kosten beim Eineinhalb- bis Vierfachen. Grund sei vor allem die Abgelegenheit vieler Lagerstätten.

Bevor überhaupt mit dem Abbau begonnen werden könne, müsse die Infrastruktur aufgebaut werden. „In der Regel braucht es zunächst einen Hafen, Zufahrtsstraßen ins Landesinnere – und diese Straßen müssen im Permafrost dauerhaft stabil sein.“ Hinzu komme der Mangel an Fachkräften. „Es gibt keinen Überschuss an Elektrikern in Grönland. Wenn man einen aus Nuuk abzieht, entsteht dort sofort eine Lücke.“ Personal müsse somit vollständig von außen angeworben werden.

Selbst bei optimistischen Annahmen über die Größe der Vorkommen handele es sich um Projekte mit einem sehr langen Zeithorizont. „Grönland ist vermutlich eine Schatzkammer, aber wenn, dann eine für die kommenden Jahrzehnte. Das sind Investitionen in die nächsten 50 Jahre.“ Knudsen plädiert deshalb für Zurückhaltung in der aktuellen Debatte. Kurzfristige geopolitische Verschiebungen erwartet er nicht.

Bereits die Parlamentswahl vom 6. April 2021 zeigte, wie stark Rohstofffragen die grönländische Politik prägen: Mit 36,6 Prozent wurde die linksgerichtete Inuit Ataqatigiit stärkste Kraft und löste die seit Jahrzehnten dominierende Siumut ab. Entscheidendes Wahlkampfthema war das umstrittene Kvanefjeld-Projekt im Süden der Insel, bei dem ein australisches Unternehmen Uran und Seltene Erden abbauen wollte, IA-Chef Múte B. Egede kündigte unmittelbar nach dem Sieg an, den Uranabbau zu stoppen.

Auch die Parlamentswahl vom 11. März 2025, wo die sozialliberale Partei Demokraatit stärkste Kraft wurde, änderte am bestehenden Uran-Abbauverbot nichts; das Gesetz aus dem Jahr 2021 gilt weiterhin, und Projekte wie Kvanefjeld bleiben blockiert.

„Trump ist nicht dafür bekannt, sich tief in Dossiers einzuarbeiten”

Im DWN-Interview äußert sich der Sicherheitsexperte auch zur politischen Dynamik hinter Trumps Vorstoß. Das Narrativ, Dänemark verfüge über „kein Papier“, das seine Souveränität über Grönland belege, sei sachlich unhaltbar. „Entweder ist das faktisch falsch oder bewusst zugespitzt“, glaubt Knudsen. Trump sei nicht dafür bekannt, sich tief in Dossiers einzuarbeiten; häufig äußere er, was ihm politisch opportun erscheine, unabhängig vom Wahrheitsgehalt.

Gleichzeitig verweist der dänische Sicherheitsexperte auf eine nüchterne militärische Realität: „Militärisch geht vieles“, sagt er, doch das bedeute nicht, dass es politisch oder völkerrechtlich durchsetzbar sei. Die Vorstellung, man könne mit wenigen Einheiten militärische Fakten in Grönland schaffen, unterschätze die komplexe internationale Lage ebenso wie die NATO-Bindungen Dänemarks.

Knudsen erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass für Grönland seit Jahrzehnten ein Verteidigungsbefehl gilt, der im Ernstfall auch den Einsatz von Waffengewalt vorsieht. Dieser Rahmen stammt aus der Zeit des Kalten Krieges und ist formell weiterhin in Kraft. Gleichwohl bedeute das nicht, dass eine militärische Eskalation wahrscheinlich sei. Die dänische Verteidigungsplanung sei fest in NATO-Strukturen eingebunden; jede gewaltsame Konfrontation würde daher unmittelbar Bündnisdimensionen annehmen.

Neben dieser institutionellen Einbindung verweist Knudsen auf politische Erfahrungswerte im Umgang mit Washington. Trump verliere, so seine Einschätzung, häufig das Interesse, sobald klarer Widerstand sichtbar werde. Eine Eskalation sei deshalb keineswegs zwangsläufig. In Dänemark habe die Debatte zudem einen gegenteiligen Effekt ausgelöst: Sie habe Dänen und Grönländer enger zusammenrücken lassen. Die aktuelle Situation habe deutlich vor Augen geführt, welche Alternativen realistisch seien, und welche nicht.

Studie: NATO bei Seltenen Erden nahezu 100 Prozent importabhängig

Die Analyse „Unter dem Radar: Die strategische Bedeutung Seltener Erden für die wirtschaftliche und militärische Sicherheit des Westens“ des Instituts für Strategie- und Vorausschau (ISV) verortet die zentrale strategische Verwundbarkeit westlicher Volkswirtschaften nicht im fehlenden Zugang zu Lagerstätten, sondern in der industriellen Abhängigkeit von China bei Verarbeitung und Weiterveredelung.

Die Dominanz Pekings sei das eigentliche „strukturelle Marktproblem“, mit wiederum technologischen und militärischen Folgen für den Rest der Welt. Entscheidend sei weniger, wo die Rohstoffe lagern, als wer die chemische Separation, Raffination, Metallisierung und Magnetfertigung kontrolliere.

Was das konkret bedeutet, illustriert die Studie anhand militärischer Bedarfszahlen: Ein U-Boot der Virginia-Klasse enthält „etwa vier Tonnen“ Seltene-Erden-Materialien, ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse „mehr als zwei Tonnen“, ein F-35-Kampfjet „über 400 Kilogramm“. Die NATO sei bei Seltenen Erden „nahezu 100 Prozent“ importabhängig; diese Verwundbarkeit sei schwerer zu substituieren als klassische Energieabhängigkeiten. Chinesische Unternehmen dominieren nicht nur die Förderung, sondern auch die nachgelagerten industriellen Stufen bis hin zum Endprodukt „fast vollständig“. Wer diese Verarbeitungsschritte kontrolliert, beeinflusst Preise, Lieferketten und im Zweifel politische Rahmenbedingungen.

Eine ähnliche Diagnose formuliert der Vermögensverwalter DWS. In seiner Analyse „Kritische Mineralien im Zentrum geopolitischer Spannungen“ warnt er vor einer „übermäßigen Abhängigkeit von risikoreichen Ländern wie China“. Unter Verweis auf Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostiziert die DWS eine deutliche Ausweitung des Bedarfs an kritischen Mineralien bis 2040. Allein für Batterierohstoffe seien in den kommenden zehn Jahren rund 300 neue Minen erforderlich.

Besonders sensibel sei die Lage bei Kupfer, das als „Dreh- und Angelpunkt der grünen Energiewende“ gilt: Elektrofahrzeuge benötigen zweieinhalb Mal so viel Kupfer wie Verbrenner, Windparks ein Mehrfaches konventioneller Gaskraftwerke. Heißt: Je stärker Energiewende, Elektrifizierung und Digitalisierung voranschreiten, desto größer wird die strategische Hebelwirkung jener Staaten, die die Förderung und insbesondere Verarbeitung kritischer Mineralien kontrollieren.

Deutschland: Abhängigkeit im Kern unserer Wertschöpfung

Wie fest Seltene Erden in der industriellen Substanz Deutschlands verankert sind, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) aus dem März 2024.

„Im Jahr 2022 betrug der Gesamtwert der Importe entlang der Seltene-Erden-Wertschöpfungskette 248 Milliarden Euro“, schreiben die Autoren. Zur Lieferstruktur heißt es weiter, „die Versorgung mit Seltenen Erden und nachgelagerten Produkten ist in besonderer Weise von Lieferungen aus China abhängig“. Danach entfielen im Jahr 2022 rund 50 Prozent der Importwerte bei unverarbeiteten Selten-Erd-Metallen auf China; bei weiterverarbeiteten Produkten lag der Anteil bei etwa 20 Prozent.

Diese Abhängigkeit zieht sich in der Folge auch durch die Beschäftigung und die Wertschöpfung hierzulande. Laut den Autoren sind rund 1,3 Millionen Erwerbstätige in Deutschland, das entspricht etwa 17 Prozent der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe, in der Produktion seltenerdhaltiger Güter tätig. Die damit verbundene Bruttowertschöpfung beziffern sie auf 161 Milliarden Euro, was etwa 21 Prozent der jährlichen industriellen Wertschöpfung Deutschlands entspricht.

Besonders exponiert sei dabei die Informations- und Kommunikationstechnologie. In diesem Bereich läge die von Seltenen Erden abhängige Wertschöpfung bei 62 Prozent. Bemerkenswert eindeutig formulieren die Autoren denn auch ihre Risikoeinschätzung. Entsprechend dringlich formulieren die Autoren denn auch ihre Risikoeinschätzung: Die Wahrscheinlichkeit plötzlicher oder mittelfristiger Verknappungen sei „nicht unerheblich“ – zumal politische Motive als Auslöser nicht ausgeschlossen werden könnten.

China: Dominanz bei Gallium und Graphit

Vor diesem Hintergrund gewann in Washington die Idee an Gewicht, wirtschaftliche Rohstoffkooperation und sicherheitspolitische Zusagen miteinander zu verknüpfen. Gallium wird insbesondere in Verbindungshalbleitern eingesetzt, die in 5G-Infrastruktur, Radarsystemen und in KI-Anwendungen verbaut werden. Graphit wiederum ist das dominierende Anodenmaterial in Lithium-Ionen-Batterien und damit eine Schlüsselkomponente der E-Mobilität.

Bei Gallium kontrolliert China nach Daten der IEA und der US Geological Survey einen sehr hohen Anteil der weltweiten Primärproduktion und nahezu die gesamte Verarbeitungskapazität. 2023 unterstellte Peking die Ausfuhr von Gallium und Germanium unter den Vorbehalt nationaler Sicherheitsinteressen. Die Maßnahme fiel in eine Phase verschärfter Technologie- und Chipbeschränkungen zwischen Peking und Wahsington und machte deutlich, wie unmittelbar staatliche Eingriffe in Rohstoffmärkten wirken können.

Auch bei Graphit dominiert China die Förderung sowie die Verarbeitung zu batteriegeeignetem Anodenmaterial. Für westliche Automobil- und Batteriehersteller bedeutet das: Selbst wenn Rohgraphit anderswo gefördert wird, hängt die industrielle Veredelung vielfach an chinesischen Anlagen.

Die IEA weist in ihrem “Critical Minerals Market Review 2024” darauf hin, dass sich der Bedarf an kritischen Mineralien im Szenario einer klimaneutralen Weltwirtschaft bis 2040 vervielfachen werde. Zugleich macht die IEA deutlich, dass sich neue Minen und Raffineriekapazitäten nur mit erheblichem zeitlichen Vorlauf entwickeln lassen. Zwischen Exploration, Genehmigung und Produktionsaufnahme vergehen häufig viele Jahre. In Märkten, die bereits heute stark konzentriert sind, erhöht dies die Anfälligkeit für Engpässe.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Produktion von KI-Chips auch auf komplexe chemische Vorprodukte aus der Petrochemie angewiesen ist, wie zum Beispiel Rohbenzin.

Taiwan: Wenn KI-Chips an Naphtha hängen

Taiwan gilt als Herz der globalen Halbleiterindustrie. Unternehmen wie TSMC fertigen Chips, die in KI-Anwendungen, Smartphones und militärischen Systemen verbaut werden. Weniger bekannt ist, dass Taiwans Hochtechnologie am petrochemischen Tropf Russlands hängt, wie das finnische Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) im Oktober 2025 recherchiert hat.

Naphtha ist ein leichtes Rohbenzin und ein zentraler Ausgangsstoff der Petrochemie. Aus ihm entstehen chemische Vorprodukte, die unter anderem in der Halbleiterfertigung verwendet werden. Die industrielle Kette von TSMC und Co. beginnt damit nicht im taiwanesischen Reinraum, sondern in den Raffinerien an der Küste des Landes. Nach Auswertung internationaler Handels- und Schifffahrtsdaten kommt CREA zu dem Befund, dass kein anderes Land 2025 so viel Naphtha aus Russland importiert hat wie Taiwan. Allein in den ersten sechs Monaten 2025 lagen die Liefermengen laut Bericht um ein Mehrfaches höher als 2021.

Den Anstieg führt CREA maßgeblich auf die Formosa Petrochemical Corporation (FPCC) zurück. Das Unternehmen mit Sitz in Mailiao im Westen Taiwans betreibt einen der größten Raffinerie- und Petrochemiekomplexe Ostasiens und gehört zur privaten Formosa-Plastics-Gruppe, einem der bedeutendsten Industriekonglomerate des Landes. Nach Bekanntwerden des CREA-Berichts hatte das Unternehmen zwar angekündigt, seine Bezugsquellen diversifizieren zu wollen; doch nach Auswertung von Handelsdaten blieben die Importmengen aus Russland weiterhin hoch.

CREA verweist zudem auf die strukturelle Energielage der Insel. Taiwan deckt den überwiegenden Teil seines Energiebedarfs über importierte fossile Energieträger; mehr als 90 Prozent der Primärenergie werden eingeführt.

Ukraine: Rohstoffe gegen Sicherheitsgarantien?

Die Ukraine verfügt über erhebliche Rohstoffvorkommen, darunter Titan, Eisen, Graphit und Mangan. In einer Analyse bezeichnet die Konrad-Adenauer-Stiftung diese Reserven als „unterexploriert, unausgeschöpft und umkämpft“. Zudem seien die geologischen Datengrundlagen teils veraltet und infolge des Krieges die Förderung in mehreren Segmenten deutlich zurückgegangen.

Vor diesem Hintergrund gewann in Washington die Idee an Gewicht, wirtschaftliche Kooperation im Rohstoffsektor mit sicherheitspolitischen Zusagen zu verknüpfen. Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisierte Bereitschaft zu einer Partnerschaft bei kritischen Mineralien, knüpfte diese jedoch an verlässliche Schutzversprechen. Für ein Land im existenziellen Abwehrkrieg entsteht daraus ein strukturelles Ungleichgewicht: Während Kiew auf belastbare Sicherheitsgarantien pocht, kontrolliert Washington das Tempo, den Umfang und die rechtliche Qualität möglicher Zusagen.

Am 30. April 2025 unterzeichneten beide Staaten in Washington das „Ukraine–United States Mineral Resources Agreement“. Es sieht einen gemeinsamen Investitionsfonds vor, gespeist aus künftigen Erlösen aus Rohstoffprojekten. Eine militärische Beistandspflicht oder eine Garantie im Sinne des NATO-Vertrags enthält das Abkommen jedoch nicht. Auch nach weiteren Gesprächen zwischen Selenskyj und Donald Trump im Januar 2026 blieb offen, welchen verbindlichen Status mögliche Zusagen tatsächlich erhalten würden.

Europa: Rohstoffpolitik als Teil der Verteidigungsstrategie

Was müsste Europa jetzt also tun? Niklas Hintermayer, Koordinator für Wissenschaft, Technologie und Außenbeziehungen am Mercator Institute for China Studies (MERICS), fordert im Interview mit “Militär Aktuell” vom 17. November 2025 eine stärkere Nutzung des EU-China-Exportkontrolldialogs sowie ein „Whitelist-System“, das Mehrfachlieferungen identischer Komponenten erleichtere.Mittelfristig brauche es „verstärkte Investitionen in Bergbau, Verarbeitung und Recycling in Europa“, auch mit staatlicher Unterstützung, etwa durch Abnahmegarantien. Verteidigungsbeschaffung müsse Rohstoffe systematisch mitdenken. „Rohstoffsouveränität ist Teil militärischer Handlungsfähigkeit“, so Hintermayer. Der Aufbau eigener Kapazitäten dauere „realistisch fünf bis zehn Jahre“. Doch ohne gesicherte Rohstoffketten werde auch der europäische Verteidigungsaufbau bis 2030 schwer planbar bleiben.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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