Stripe könnte PayPal-Aktie schlucken
Der Zahlungsdienstleister Stripe prüft eine mögliche Übernahme von PayPal, berichtet das slowenische Wirtschaftsportal Casnik Finance unter Berufung auf Bloomberg. Diskutiert wird sowohl ein vollständiger Erwerb als auch der Kauf einzelner Geschäftsbereiche. Die Nachricht sorgte an der Börse für Bewegung: Die PayPal-Aktie legte um 6,47 Prozent zu. Noch befinden sich beide Unternehmen in Gesprächen, ein Abschluss ist keineswegs gesichert.
Während Stripe ein privat geführtes Fintech-Unternehmen ist, blickt PayPal auf eine lange Börsenhistorie zurück. Bereits 2002 wagte das Unternehmen den Gang an die Börse, wurde kurz darauf von eBay übernommen und später wieder abgespalten. In den vergangenen Jahren geriet PayPal jedoch zunehmend unter Druck.
Vom Pionier zum Nachzügler
PayPal wurde 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luka Nosek gegründet. Das Netzwerk rund um die Gründer ist als sogenannte „PayPal-Mafia“ bekannt, aus der unter anderem Elon Musk mit Tesla und SpaceX sowie Thiel mit Palantir hervorgingen. Stripe wurde 2010 von den Brüdern John und Patrick Collison gegründet, zu den frühen Investoren zählten ebenfalls Musk und Thiel.
Während PayPal zu den Pionieren digitaler Zahlungen zählte, hat sich der Markt stark verändert. Neue Wettbewerber wie Apple Pay und Google Pay sowie spezialisierte Anbieter wie Stripe haben Marktanteile gewonnen. Stripe gilt heute als einer der führenden Anbieter im digitalen Zahlungsverkehr, insbesondere bei technologieorientierten Unternehmen.
Verlauf der Paypal-Aktie spiegelt Probleme wider
Ein Blick auf die Kursentwicklung verdeutlicht die Schwierigkeiten. Vor den Übernahmegerüchten notierte die PayPal-Aktie unter 40 Dollar und damit nur knapp über dem Niveau von 2015. Während der Pandemie war der Kurs von rund 120 Dollar auf über 300 Dollar gestiegen. Nach dem Ende des pandemiebedingten Booms folgte jedoch ein deutlicher Einbruch. Zuletzt näherte sich die Aktie im Januar vergangenen Jahres noch einmal der Marke von 100 Dollar, konnte das Niveau aber nicht halten.
Auch die jüngsten Geschäftszahlen enttäuschten. Der Gewinn blieb hinter den Erwartungen zurück, das Wachstum im Onlinehandel verlangsamte sich. Nach der Veröffentlichung der Zahlen verlor die Aktie 19 Prozent. Mit Enrique Lores wurde ein neuer CEO angekündigt, der das Unternehmen modernisieren und verlorene Marktanteile zurückgewinnen soll.
Bewertung wirkt günstig
Fundamental erscheint die PayPal-Aktie inzwischen vergleichsweise günstig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 8,7. Der freie Cashflow soll in diesem Jahr rund sechs Milliarden Dollar betragen, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 43 Milliarden Dollar. Damit wird das Unternehmen mit rund dem 7,2-Fachen des freien Cashflows gehandelt. Unter der Annahme stabiler Cashflows würde PayPal rechnerisch gut sieben Jahre benötigen, um seinen aktuellen Börsenwert zu erwirtschaften.
Analysten bleiben jedoch gespalten. Von 49 befragten Experten empfehlen 12 den Kauf, 39 raten zum Halten und sechs zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 50 Dollar, was ein moderates Aufwärtspotenzial signalisiert. Besonders optimistisch ist Morningstar-Analyst Brett Horn mit einem Kursziel von 80 Dollar. Deutlich skeptischer zeigt sich Fahed Kunwar von Rothschild & Co mit einem Ziel von 32 Dollar.
Strategische Logik eines Deals
Analyst Colin Sebastian betont, dass Stripe über eine der stärksten Zahlungsinfrastrukturen weltweit verfüge, insbesondere im Entwickler- und Händlersegment. Was dem Unternehmen jedoch fehle, sei ein großes, authentifiziertes Verbrauchernetzwerk sowie eine starke Konsumentenmarke. Genau hier könnte PayPal mit seinem zweiseitigen Netzwerk aus Händlern und Endkunden strategisch attraktiv sein.
Der Aufbau einer vergleichbaren Verbraucherpräsenz würde für Stripe vermutlich Jahre dauern und Milliardeninvestitionen erfordern, ohne Erfolgsgarantie. Eine Übernahme könnte diesen Prozess erheblich beschleunigen. Stripe selbst wurde im Rahmen eines Aktienrückkaufs für Mitarbeiter zuletzt mit 159 Milliarden Dollar bewertet. Ein Börsengang ist derzeit nicht geplant. Laut Mitgründer John Collison gewinnt Stripe insbesondere bei KI-Startups sowie bei großen Konzernen wie Microsoft und Nvidia weiter Marktanteile.
Die Übernahmegerüchte um PayPal kommen in einer Phase strategischer Neuorientierung und niedriger Bewertung. Fundamentale Kennzahlen sprechen für eine günstige Bewertung, operative Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Sollte Stripe tatsächlich zugreifen, könnte sich daraus eine neue Dynamik im globalen Zahlungsmarkt ergeben. Bleibt es hingegen bei Spekulationen, wird PayPal den Turnaround aus eigener Kraft schaffen müssen.


