Unternehmen

Bertelsmann-Studie: Klimaschutz verliert in deutschen Unternehmen an Priorität

Trotz mehr selbstgesteckter Klimaziele stockt die Transformation in Unternehmen und Banken in Deutschland. Unsichere politische Vorgaben und fehlende Anreize bremsen den Wandel laut Experten.
26.02.2026 10:18
Lesezeit: 2 min
Bertelsmann-Studie: Klimaschutz verliert in deutschen Unternehmen an Priorität
Zustellfahrzeuge der Deutschen Post stehen auf dem Gelände eines klimaneutralen Zustellstützpunkt (ZSP) der Deutschen Post DHL Group. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Kahnert

Klimaschutz verliert in Unternehmen an Priorität

Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit verliert in den Unternehmen in Deutschland an Nachdruck. Laut einer am Donnerstag von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Studie geben fast 60 Prozent der über 800 befragten Unternehmen an, dass das Thema Nachhaltigkeit intern an Priorität verloren habe. Im Jahr davor waren es nur 14 Prozent. Die Studie Sustainability Transformation Monitor wird in Kooperation mit der Stiftung Mercator erstellt.

Zwar ist wie im Vorjahr bei 73 Prozent der Unternehmen aus der Real- und Finanzwirtschaft die Verantwortung für die Nachhaltigkeit weiterhin auf Vorstands- und Geschäftsführerebene verankert. Auch halten die Befragten an den eigenen Zielen fest. Dennoch schalten die Verantwortlichen einen Gang zurück. Laut den Autoren der Bertelsmann Stiftung empfinden die Betriebe die unsicheren politischen Rahmenbedingungen sowie fehlende Marktanreize als stärkste Hemmnisse für mehr Transformation. Hier gab es ein Plus von 30 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich.

Der Anteil der Unternehmen, die angaben, das Thema Nachhaltigkeit in Planung zu haben, ging um 7 Prozentpunkte zurück. «Ohne klare, verlässliche Signale aus Politik und Märkten droht die Transformation in eine Phase der Stagnation zu geraten», analysiert Jakob Kunzlmann, Nachhaltigkeitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Plus bei selbstgesteckten Klimazielen

Die Autoren verweisen darauf, dass das Thema Nachhaltigkeitstransformation in den Unternehmen noch nicht verschwunden sei. So sei der Anteil der Unternehmen mit selbstgesteckten Klimazielen von 53 auf 59 Prozent gestiegen, bei den Banken von 46 auf 65 Prozent. «Es ist ein wichtiges Signal, dass immer mehr Unternehmen ihre Emissionen erfassen und an Klimazielen festhalten. Entscheidend ist nun, dass daraus konkrete Transformationspfade mit klaren Investitionsentscheidungen, Zeitachsen und Finanzierungsplänen entstehen», sagt Philipp Wesemann, Projektmanager im Bereich Klimaresiliente Gesellschaft der Stiftung Mercator.

Die Bundesregierung hat sich bis 2045 zur Klimaneutralität und der damit verbundenen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft verpflichtet. die nun vorgelegte Studie soll den Beteiligten eine Datengrundlage für Entscheidungen liefern.

Für den jährlich neu aufgelegten Sustainability Transformation Monitor (STM) wurden für 2026 Daten von 822 Unternehmen, Banken und Investoren erfasst. Er entsteht in Kooperation der Bertelsmann Stiftung, der Stiftung Mercator, der Universität Hamburg und der Peer School for Sustainable Development. Gefragt wird zum Beispiel, ob das Unternehmen/die Organisation den eigenen Treibhausausstoß kennt oder wie hoch der Kapitalbedarf zum Erreichen der ökologischen Ziele ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft vor der Wende: Warum ausgerechnet Saab neue Hoffnung macht
13.08.2026

Deutschlands Autobauer bauen Stellen ab, doch gleichzeitig wächst die Wirtschaft stärker als erwartet. Neue Startups, mehr Kapitalmarkt...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
13.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
13.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trockenheit kostet Landwirte 600 Millionen Euro
13.08.2026

Die Dürre hinterlässt auf deutschen Feldern deutliche Spuren: Millionen Tonnen Getreide und Raps sind bereits verloren. Für Verbraucher...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien unter Druck: Milliardenverlust zeigt die verborgene Gefahr
13.08.2026

Ein gefeierter Tech-Investor setzte mit gewaltigem Hebel auf KI-Aktien und verlor innerhalb weniger Wochen rund 35 Milliarden US-Dollar....

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
13.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Expertenvorschlag: Ein verpflichtendes Rentensplitting...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten warnen: Pleitewelle hält bis mindestens 2027 an
13.08.2026

Seit Monaten steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, obwohl jüngste...