Politik

Reform Heizungsgesetz: Schutz vor steigenden Mietnebenkosten unklar

Die Reform des Heizungsgesetzes sorgt für Unsicherheit: Welche Kosten kommen auf Mieter und Eigentümer zu? Details zum Schutz vor steigenden Nebenkosten fehlen bislang.
25.02.2026 17:11
Lesezeit: 3 min

Reform Heizungsgesetz: Schutz vor steigenden Mietnebenkosten unklar

Nach der Einigung der schwarz-roten Koalition auf eine Reform des Heizungsgesetzes bleibt unklar, wie Mieterinnen und Mieter vor dem Risiko steigender Heizkosten geschützt werden sollen. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums konnte am Tag danach keine Details nennen und verwies auf nun nötige Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung.

Die von der Ampel-Regierung beschlossene Regelung, wonach jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollte, soll wegfallen. Der Einbau von Gas- und Ölheizungen soll weiter möglich sein, wenn ab 2029 anteilig klimafreundliche Brennstoffe genutzt werden.

Warum der Mieterbund Kostensteigerungen fürchtet

Der Deutsche Mieterbund sowie viele Experten fürchten Kostensteigerungen für Mieterinnen und Mieter. So verteuert der CO2-Preis das Heizen mit fossilen Brennstoffen, Netzentgelte dürften steigen beziehungsweise mit dem Umstieg auf Fernwärme und Wärmepumpen auf weniger Schultern verteilt werden - und schließlich könnten wegen Knappheit die Preise klimafreundlicher Gase steigen.

«Vermieter entscheiden über Heizung, Energieträger und Gebäudezustand - die daraus resultierenden Heiz- und Investitionskosten werden aber von den Mietern getragen», erklärte DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. Besonders Menschen mit niedrigerem Einkommen, die in Gebäuden mit hohem Energieverbrauch wohnten, treffe dies.

Biogas derzeit deutlich teurer als Erdgas

Aktuell ist das von der schwarz-roten Koalition fürs Heizen ins Spiel gebrachte Biogas für Verbraucher deutlich teurer als herkömmliches Erdgas. Laut Vergleichsportal Verivox liegt der Durchschnittspreis dieser Gastarife derzeit rund 25 Prozent über denen von Gas ohne Bioanteil. Auf die Bewohner eines Einfamilienhauses mit Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden könnten damit nach Verivox-Rechnung Mehrkosten von rund 492 Euro zukommen.

«Wer bei einer neuen Heizungsanlage auf eine reine Gasheizung mit Biogas-Anteil setzt, muss mit höheren Brennstoffkosten rechnen», erklärt Verivox. «Wer stattdessen eine Wärmepumpe einbaut, hat zwar höhere Anschaffungskosten, spart aber bei den Energiekosten.» Welche Heizung sich in welchem Zeitraum rechne, hänge von baulichen Gegebenheiten ab. Dafür rät Verivox zu einer Energieberatung.

Die Beratungspflicht vor dem Einbau einer neuen Gas-, Öl- oder Holzheizung soll nach dem Willen der Koalition entfallen. Es solle keinen Zwang geben, die nötigen Informationen seien vorhanden, sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt, es sei unklar, ob künftig genug grüne Gase zur Verfügung stünden und rät: «Wer jetzt über die Anschaffung einer neuen Heizung nachdenkt, sollte zunächst eine gute und unabhängige Beratung in Anspruch nehmen und keine übereilten Entscheidungen treffen.»

Unklarheiten bei der Förderung

Fragezeichen gibt es bei der Förderung für den Umstieg auf klimafreundliche Heizungsarten. Bis mindestens 2029 soll zwar eine «auskömmliche Finanzierung» sichergestellt sein, die nicht für den Einbau von Öl- und Gasheizungen gilt. Ob sie in gleicher Höhe und zu gleichen Bedingungen wie zurzeit erhalten bleibt? Die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte zumindest: Die Förderung soll im Kern so bleiben.

Völlig offen ist, was die Entscheidung für den Klimaschutz heißt. Zwar steht im Eckpunktepapier: «Die Ziele des Klimaschutzgesetzes gelten.» Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als wieder gespeichert werden können.

Sorgen um den Klimaschutz

Umweltschützer und Experten fürchten jedoch, dass die Chancen dafür sich mit der Reform verschlechtern, weil neben dem Verkehrssektor gerade der Gebäudebereich seit Jahren beim Klimaschutz hinterherhinkt.

Zwar sollen Gas- und Ölheizungen mit einem wachsenden Anteil klimafreundlicher Kraftstoffe betrieben werden, der 2029 bei 10 Prozent liegen soll. In welchen Schritten dieser Anteil steigen soll und bis zu welcher Höhe, ist aber offen. Luisa Neubauer von Fridays for Future meint: «Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will ein Heizungsgesetz, dass für die Bevölkerung unbezahlbar, für Klimaziele tödlich und für den nachhaltigen Teil der Wirtschaft unberechenbar ist.»

Stefan Thomas vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie merkt an: «Bis 2030 soll die Grüngas- beziehungsweise Grünölquote laut Eckpunktepapier zwei Millionen Tonnen CO2 reduzieren. Das sind nur etwa zwei Prozent der derzeitigen CO₂-Emissionen des Gebäudesektors.» Und Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, erklärt: «Die neue Regelung erlaubt einen deutlich langsameren und geringeren Einsatz erneuerbarer Energien. Fossile Brennstoffe bleiben länger im Markt, Erdgas- und Heizöl-Heizungen hoffähig.»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Single Rulebook: Warum der 10. Juli 2027 für Banken zum wichtigen Stichtag wird

Die europäische Geldwäschebekämpfung wird mit einem grundlegenden Wandel konfrontiert. Mit der Anti-Money Laundering Regulation (AMLR)...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Daimler Truck investiert groß in Wasserstoff-Lkw
10.09.2026

Während viele Hersteller beim Wasserstoff zurückstecken, investiert Daimler Truck weiter kräftig in die Technologie. Der Konzern setzt...

DWN
Politik
Politik Öl gibt es genug. Warum ist Diesel dann rekordteuer?
10.09.2026

Der Ölpreis ist hoch, aber nicht auf Rekordniveau. Trotzdem ist Diesel so teuer wie nie. Der Grund liegt nicht allein beim Rohöl, sondern...

DWN
Politik
Politik Neuer Umfragedämpfer bringt Bundeskanzler Merz weiter unter Druck: CDU stürzt in Mecklenburg-Vorpommern ab
10.09.2026

Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wächst der Druck auf Friedrich Merz. Schwache Umfragewerte in Mecklenburg-Vorpommern und ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie im Fokus: Volkswagen drohen bis zu 16 Milliarden Euro Umbaukosten
10.09.2026

Der geplante Sparkurs bei Volkswagen hat einen hohen Preis: Bis zu 16 Milliarden Euro könnten Stellenabbau und mögliche...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: EZB erhöht Zinsen auf 2,5 Prozent
10.09.2026

EZB-Zinsentscheid: Die EZB erhöht den Einlagenzins auf 2,5 Prozent – und rechnet trotzdem noch Jahre mit erhöhter Inflation. Während...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
10.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Technologie
Technologie Warum jeder vierte Deutsche aufs E-Auto umsteigen will
10.09.2026

Deutschland zeigt überraschend viel Interesse am Elektroauto: 27 Prozent der Besitzer von Benzin- oder Dieselautos planen den direkten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lidl und die Plastikfrage: So sollen Verpackungen bis 2030 schrumpfen
10.09.2026

Mit der Strategie REset Resources verringert Lidl den Verbrauch primärer Rohstoffe, erhöht den Anteil recycelter Materialien und führt...