Wirtschaft

Energiewende unter Druck: EU bleibt abhängig von kritischen Rohstoffen

Die Energiewende der EU könnte ins Stocken geraten: Nach Einschätzung des Europäischen Rechnungshofs ist Europa bei zentralen Rohstoffen weiterhin stark von Importen abhängig. Für zahlreiche Materialien fehle es an alternativen Lieferquellen, eigener Produktion und funktionierendem Recycling – eine langfristige Versorgungsstrategie sei bislang nicht erkennbar.
03.02.2026 07:20
Lesezeit: 2 min
Energiewende unter Druck: EU bleibt abhängig von kritischen Rohstoffen
Ein 180 Meter hohe Kamin eines stillgelegten Kohlekraftwerks stürzt nach einer kontrollierten Sprengung zu Boden, während Schaulustige das Geschehen von einem Deich aus verfolgen (Foto: dpa). Foto: Fabian Strauch

Hohe Importabhängigkeit bei Schlüsselrohstoffen

Der EU droht nach Einschätzung des Europäischen Rechnungshofs trotz ihrer Bemühungen ein Engpass bei Rohstoffen für erneuerbare Energien. Bei 10 von 26 kritischen Rohstoffen sei die EU vollständig von Einfuhren abhängig, die Importe seien bisher nicht auf mehr Herkunftsländer erweitert worden. Engpässe hemmten die heimische Produktion, und das Recycling stecke noch in den Kinderschuhen, mahnen die Prüfer. Es fehle eine solide Strategie, um die langfristige Versorgung mit für die Energiewende wichtigen Rohstoffen zu sichern.

Die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein und bis 2030 mindestens 42,5 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Für Technologien im Bereich erneuerbarer Energien wie Windturbinen, Batterien und Solarpaneele sind kritische Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Seltenerdmetalle nötig.

Bei zehn kritischen Rohstoffen komplett auf Importe angewiesen

„Die meisten benötigten Mineralien werden außerhalb der EU abgebaut und verarbeitet, und die Versorgung erfolgt häufig aus einem einzigen Nicht-EU-Land oder einigen wenigen Nicht-EU-Ländern“, halten die Prüfer fest.

Beispielsweise liefere China 97 Prozent des in der EU benötigten Magnesiums, das für Wasserstoff erzeugende Elektrolyseure verwendet werde, und die Türkei 99 Prozent des in der EU benötigten Bors, das in Solarpaneelen verbaut wird. „Dies stellt eine Herausforderung für die strategische Autonomie der EU dar und macht deutlich, dass die heimische Produktion gesteigert werden muss und Ressourcen effizienter genutzt werden müssen.“

Bei der Diversifizierung der Einfuhren gebe es noch keine greifbaren Ergebnisse. Die EU habe zwar strategische Rohstoffpartnerschaften unterzeichnet, dennoch seien die Einfuhren aus diesen Partnerländern zwischen 2020 und 2024 bei etwa der Hälfte der untersuchten Rohstoffe zurückgegangen. Verhandlungen mit den USA seien 2024 ausgesetzt worden, das Mercosur-Abkommen mit den vier rohstoffreichen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay müsse noch ratifiziert werden.

Zu wenig wertvolle Rohstoffe werden in EU recycelt

Zudem werde keines der in der EU verwendeten Seltenerdmetalle in der EU verarbeitet und es gebe nicht genügend Ersatz und Recycling. 2024 wurden unverbindliche Ziele bis 2030 für eine Verteilung der Rohstoffquellen, eine Steigerung der heimischen Produktion und das Recycling der Rohstoffe festgelegt.

Die Prüfer des Rechnungshofs äußern starke Zweifel, ob diese Ziele erfüllt werden. Sie empfehlen der Kommission unter anderem, verbindliche Recyclingziele für einzelne kritische Rohstoffe festzulegen und künftige Rohstoffziele gut zu begründen.

Ziel: ein weniger verwundbares Europa

„Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig“, teilte Keit Pentus-Rosimannus vom Europäischen Rechnungshof mit, die die Prüfung leitete. Die EU müsse weniger verwundbar werden.

Die EU-Kommission begrüßte die Bemerkungen Rechnungshofs und kündigte an, die als besonders relevant und realisierbar identifizierten Empfehlungen umzusetzen.

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